Ich bekenne mich zu unserer offenen Gesellschaft | Die exklusive Ulrike Bahr-Kolumne, Ausgabe Januar 2017

Anzeige | Ulrike Bahr ist die SPD-Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Augsburg und Königsbrunn. Seit Januar 2017 veröffentlicht sie eine regelmäßige Kolumne exklusiv bei Presse Augsburg.

Liebe Augs-Bürger und Augs-Bürgerinnen,

zwei Tage nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt titelte die Bildzeitung nur ein einziges Wort mit Ausrufungszeichen in riesigen Lettern: „Angst!“. 2016 sei das Jahr der Ängste gewesen, behauptet Professor Dr. Manfred G. Schmidt, Politologe an der Uni-Heidelberg. Menschen haben Angst vor Terror, Angst vor Überfremdung, Angst vor Altersarmut, Angst vor den Folgen der Globalisierung.

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Mit terroristischen Anschlägen in Europa, der Trump-Wahl, dem Brexit, dem wachsenden Vertrauensverlust in Medien und Politik, der Entwicklung in der Türkei scheinen viele alte Gewissheiten ins Wanken zu geraten. In den sozialen Netzwerken herrscht teilweise ein rüder Ton, in dem Politiker beschimpft und bedroht werden. Den öffentlich-rechtlichen Medien, früher unangefochtene Garanten für glaubwürdige faire Berichterstattung wird vorgeworfen, sie würden vertuschen oder lügen.

Demokratie scheint vielen Menschen nicht mehr das wert zu sein, was es früher einmal bedeutet hat. Gleichzeitig sind immer mehr Menschen durch Globalisierung und Digitalisierung verunsichert, haben Angst vor der Zukunft. Aber Angst ist ein schlechter Berater, immer – und auch gerade in diesen bewegten Zeiten. Leben ist immer lebensgefährlich, das wusste schon Erich Kästner.

Wegschauen, abwarten und hoffen, dass das wieder anders wird? Das ist für mich keine Option. Wir müssen Haltung zeigen, uns klar bekennen zu den Werten unserer offenen, toleranten Gesellschaft. Wir sagen der geistigen und der sozialen Abhängigkeit den Kampf an und wollen alles dafür tun, damit die Welt offener, freier, besser wird. 

In Augsburg setzen Frauen und Männer immer wieder deutliche Zeichen für Toleranz und den sozialen Zusammenhalt. Fast die Hälfte der Menschen, die in der drittgrößten Stadt in Bayern leben, haben nicht-deutsche Wurzeln. Und das Zusammenleben klappt hier nahezu reibungslos. Augsburg ist auch eine Hochburg des Bürgerschaftlichen Engagements. Mit dem „Bündnis für Augsburg“, beim THW oder der Feuerwehr, bei der Hausaufgabenbetreuung oder in Helferkreisen für Flüchtlinge engagieren sich viele BürgerInnen, die sich als Teil des Ganzen empfinden und so handeln. Solidarität wird also gelebt und ich konnte sie bei vielen Gelegenheiten in unserer Stadt wahrnehmen. Ich bin stolz auf diese aufrechte Stadtgesellschaft!

Deutschland ist ein sehr reiches Land. Nie ging es Generationen besser als heute. Aber nicht alle haben teil an diesem Reichtum. Leiharbeiter, Rentner, Alleinerziehende – es gibt viele Menschen, denen ihr Einkommen zum Leben nicht reicht und die deswegen zusätzlich Geld vom Staat bekommen müssen.

In Zukunft werde ich einmal im Monat hier auf Presse Augsburg Stellung beziehen und Meinung vertreten – und freue mich, wenn Sie mit mir in den Dialog treten und mir sagen, was Sie bewegt. Auf meiner Homepage www.ulrike-bahr.de finden Sie aktuelle Meldungen von meiner Arbeit in Berlin und in Augsburg, dort finden Sie auch meine Email-Adresse, falls Sie mir schreiben wollen.

Ich wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr, so angstfrei wie möglich.

Ihre
Ulrike Bahr


Die Bundestagsabgeordnete Ulrike Bahr, Jahrgang 1964, ist seit über 30 Jahren politisch aktiv. Seit 2010 ist sie Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Augsburg, seit Oktober 2013 gehört sie dem Deutschen Bundestag an und ist Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Mitglied im Unterausschuss für Bürgerschaftliches Engagement. Zu Ihren Fachgebieten gehören die Mehr-Generationen-Häuser sowie die Kinder- und Jugendhilfe, Strategien gegen Rechtsextremismus und Demographischer Wandel. Seit Januar 2017 veröffentlicht sie eine regelmäßige Kolumne exklusiv bei Presse Augsburg.

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