Petry spricht im Augsburger Rathaus – Tumulte bei Rede der AfD-Vorsitzenden

Nach einem langen Hin und Her und dem Entscheid des Verwaltungsgerichts Augsburg war es am gestrigen Abend zu dem mit Spannung erwarteten Auftritt der umstrittenen AfD-Vorsitzenden Frauke Petry im Rathaus gekommen.

Frauke Petry soll die Partei wie Lukas der Lokomotivführer unter Volldampf weiterbringen, so Bayerbach.
Frauke Petry soll die Partei wie Lukas der Lokomotivführer unter Volldampf weiterbringen, so Bayerbach.

Gestern Abend sprach die Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD) beim Neujahrsempfang ihrer Parteikollegen im Oberen Fletz des Augsburger Rathauses. Das es dazu kommen konnte war erst durch einen Entscheid des Verwaltungsgerichts am Mittag klar geworden. Augsburgs OB Dr. Kurt Gribl hatte nach einem umstrittenen Interview (Einsatz von Schusswaffen an den Grenzen) ein Hausverbot gegen sie und eine Nutzungsunterlassung für die Rathausräume ausgesprochen. Das Gericht hatte diese Verbote gekippt. „Gerade jetzt müssen wir wehrhaft sein. Die etablierten Parteien rüsten auf und schlagen mit allen Mitteln zu. Es wird gehetzt, verleumdet und ausgegrenzt, ganz im Sinne der Friedensstadt Augsburg. Sollten wir einmal an der Macht sein machen wir das anders.“, kommentierte Augsburgs AfD-Stadtrat Markus Bayerbach die Ereignisse dieser Woche zu Beginn der Veranstaltung.

Während nach Schätzungen der Behörden auf dem Rathausplatz bis zu 3.500 Menschen bei einer als Mahnwache angekündigten Kundgebung für eine bunte Friedensstadt Augsburg warben, wurde Petry von rund 250-300 Anhängern im Rathaus mit frenetischem Applaus begrüßt. „Die Menschen auf dem Rathausplatz haben jedes Recht zu demonstrieren.“ stellte Augsburgs AfD-Stadtrat Markus Bayerbach vor den Reden klar und unterdrückte damit zahlreiche gegen die Kundgebung gerichtete Stimmen im Saal. Aber auch er richtete unter dem Beifall der Anwesenden noch eine Spitze in Richtung der Demonstranten „Das sind aber die, die für das Gute und Schöne stehen, ohne an die folgen zu denken. Wir von der AfD denken an die Folgen.“ In seinen weiteren Ausführungen standen außer einem kurzen Rückblick auf das vergangene turbulente Jahr nur wenig lokale Themen auf dem Skript. Primär griff Bayerbach die Landes- und Bunderegierungen an. Bayerns Ministerpräsident Seehofer unterstellte er, der AfD „nachzulabern“. Er forderte die CSU auf „nicht nur Merkels Füße zu wärmen“, sondern zu handeln und die Regierung zu verlassen. Mit der erwarteten Verdopplung der Flüchtlingszahlen sieht er Deutschland und auch Augsburg überfordert.

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AfD-Stadtrat Markus Bayerbach. | Foto: Wolfgang Czech
AfD-Stadtrat Markus Bayerbach. | Foto: Wolfgang Czech

Auch die mit Spannung erwartete Rede Frauke Petrys beschäftigte sich mit dem aktuell bundesweit herrschenden Thema. Wer allerdings klare Statements der charismatischen Rednerin erwartet hatte, wird enttäuscht über die Ausführungen gewesen sein. Ihre Rede ging aber auch zu guten Teilen in Tumulten im Saal unter.

Zwölf junge, dem linken Spektrum zuzuweisende Menschen waren nach und nach während der Rede auf ihre Stühle gestanden und hatten schweigend gegen Petry demonstriert. Unter den Jacken hatten die Aktivisten T-Shirts mit der Aufschrift „Augsburg ist bunt“ und andere an Petry gerichteten Botschaften getragen. Diese kamen nun zum Vorschein. Diese Aktion kam naturgemäß bei den anderen Besuchern der Veranstaltung nicht gut an. Es kam zu wüsten Beschimpfungen und einzelnen Handgreiflichkeiten als versucht wurde,  die Demonstranten von den Stühlen zu ziehen.

Nach dem schweigenden Protest zwölf junger Menschen kam es zu Unruhen im Saal. | Foto: Wolfgang Czech
Nach dem schweigenden Protest zwölf junger Menschen kam es zu Unruhen im Saal. | Foto: Wolfgang Czech

Während Bayerbach, der als Lehrer arbeitet, das Gespräch mit den jungen Menschen suchte und beruhigend auf alle Anwesenden einwirkte, sprach Petry weiter. „Schade, sie hätte eine Pause machen sollen, bis die Unruhe vorbei ist. Man hat vieles nicht gehört.“, sagte ein Besucher, der seinen Namen nicht nennen wollte. Und er hatte Recht. Einige der Ausführungen der Bundesvorsitzenden waren im allgemeinen Trubel untergegangen. Doch ihre Kernaussage wurde klar. „Dem europäischen Kontinent muss die Rechtsstaatlichkeit erhalten bleiben.“ Die Ursache für die anhaltende Flüchtlingswelle sieht Petry allerdings, nicht wie von manchem vor Ort erwartet, allein bei der Bundesregierung. „Das Problem entstand nicht erst durch Merkels Einladung, sondern bereits 2011 durch die Änderungen der Asylrichtlinien der EU.“ Wie es anders gehen kann würde sie gerne in der Zukunft zeigen: „Natürlich wollen wir irgendwann in Deutschland regieren.“

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