Kriegshaber | Bauliche Maßnahmen an alter Synagoge beendet

Mit dem Ende der Sanierungsarbeiten blickt die ehemalige Synagoge Kriegshaber einer neuen Zukunft als Dependance des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg Schwaben entgegen. Unter der Federführung des städtischen Hochbauamtes wurde das bauliche wie kulturelle Kleinod im Stadtteil seit Mai 2011 umfassend instand gesetzt. Dazu zählt die ehemalige Wohnung im Erdgeschoss ebenso, wie der zweigeschossige ehemalige Kultraum im ersten Obergeschoss.

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Die alte Synagoge im Augsburger Stadtteil Kriegshaber ist wieder ein architektonisches Schatzkästchen | Foto: Dominik Mesch

Jetzt ist die mit 1,6 Millionen Euro veranschlagte Sanierungsmaßnahme abgeschlossen und bleibt laut Baureferent Gerd Merkle im veranschlagten Kostenrahmen. An der Finanzierung des wichtigen denkmalpflegerischen Projekts haben sich neben der Stadt Augsburg (500.000 Euro) eine Reihe von Fördergebern aus Bund und Land beteiligt:

Entschädigungsfonds des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege: 300.000 Euro
Städtebauförderung: 655.672 Euro
Bayerische Landesstiftung 135.000 Euro
Deutsche Stiftung Denkmalschutz: 80.000 Euro
Bezirk Schwaben: 11.500 Euro

„Dass die Stadt Augsburg die Sanierung der ehemaligen Synagoge überhaupt in die Wege leiten konnte, brauchte einen langen Atem. Die Bauverwaltung hat hier erstklassige Arbeit geleistet, ebenso erstklassig ist die Unterstützung aller beteiligter Fördergeber“, so Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl beim Ortstermin in seinem Heimatstadtteil. In seiner Erinnerung aus der Kinder- und Jugendzeit sei das Gebäude an der Ulmer Straße 228 stets verschlossen und das umliegende Gelände unzugänglich gewesen. „Es berührt mich deshalb sehr, dass mit der Sanierung der ehemaligen Synagoge ein wesentlicher städtebaulicher Akzent gesetzt wurde. Dadurch kann das Gebäude wieder angemessen genutzt werden. Das ist gut für Kriegshaber und gut für die ganze Stadt“, so Dr. Gribl.

Die Synagoge befindet sich seit 1955 in städtischem Besitz. 2004 konnte mit Unterstützung der Städtebauförderung der ehemalige Zugang zum Synagogenraum wieder zurückerworben werden, was die Nutzungsmöglichkeiten wesentlich verbessert.
Die Sanierung der Synagoge wurde durch die Städtebauförderung tatkräftig unterstützt und letztlich auch finanziell erst möglich gemacht.

Wie Stadtbaurat Gerd Merkle erläutert, wurde die Instandsetzung des ehemaligen Kultraums nach streng konservatorischen Gesichtspunkten durchgeführt. „Soweit als möglich sind vorhandene Oberflächen und Materialien erhalten geblieben, denn auf die Herstellung eines idealisierten Vorzustands haben wir verzichtet“, so Merkle.
Beispielhaft ist das restauratorische Konzept am Zustand der bemalten Raumdecke (Tonne) abzulesen, die in Fragmenten erhalten ist. Fehlende Partien der Malerei etwa wurden nicht ergänzt und nur Weniges mit einer Spezialtechnik retuschiert. Erhalten wurde somit der Zustand des Raumes aus dem Jahr 1913. Sonstige bauliche Eingriffe dienen der Herstellung des erforderlichen Brandschutzes und der Verbesserung des Schall- und Wärmeschutzes.

Da eine Rückführung in eine Nutzung für religiöse Zwecke des ehemaligen Kultraums außer Frage stand, entsteht durch die Sanierung ein öffentlich nutzbarer Raum etwa für Wechselausstellungen, Lesungen und Konzerte – Veranstaltungen, die der geschichtlichen und religiösen Bedeutung des ehemaligen Kultraums angemessen sind. Dies entspricht zusammen mit pädagogischen Aktivitäten (Seminarraum, Erdgeschoss) und der Dokumentation der jüdischen Geschichte von Kriegshaber (ehemalige Frauenempore) dem Nutzungskonzept der Stiftung Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben als Museums-Dependance.
Vor diesem Hintergrund wurde die ehemalige Synagoge in Kriegshaber mit einem Aufzug barrierefrei erschlossen. Für Veranstaltungen kann auch die Gartenfläche nördlich des Synagogen-Gebäudes genutzt werden. Sie wird im Frühjahr fertiggestellt.

Informationen zum geschichtlichen Hintergrund
Die Synagoge wurde Ende des 17. Jahrhunderts erbaut. Sie war im Obergeschoss eines Wohnhauses untergebracht. 1730 bis 1749 erfolgte eine umfassende Sanierung. Vermutlich 1791 ging das Gebäude in Besitz der jüdischen Gemeinde über.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Synagoge gründlich instandgesetzt und das jetzige Erscheinungsbild des Kultraums wesentlich geprägt. Nach 1913 fand die letzte aufwändige Renovierung statt. Dabei wurden die Räume im Erdgeschoss. vollständig umgebaut und der Eingangsbereich in die Rabbinerwohnung erneuert.
Nach 1917 wurde die Synagoge nicht mehr im sakralen Sinn genutzt. Von Übergriffen durch die Reichspogromnacht blieb sie weitgehend verschont. Ab Dezember 1938 diente die Synagoge in Kriegshaber der Augsburger jüdischen Gemeinde wieder für Gottesdienste, da die Haupt-Synagoge in der Halderstraße unbenutzbar geworden war.

Im Dezember 1947 wurde mit Unterstützung der US-Armee der Einzug der Thorarolle in die renovierte Synagoge gefeiert.
Im Erdgeschoss eröffnete die amerikanische „Organisation for Rehabilitation through Training (ORT) als fachliche Umbildungswerkstätte für jüdische Auswanderer nach Palästina. Nach Abwicklung des Restitutionsverfahrens durch die „Jewish Restitution Successor Organization“ (IRSO) wurde die Synagoge 1955 an die Stadt Augsburg verkauft.

Erst 2004 konnte die Stadt das Zwischengebäude zum westlichen Nachbarn mit Außentreppe zum Betsaal der Synagoge erwerben. Damit war die Voraussetzung gegeben, ein tragfähiges Planungs- und Nutzungskonzept zu entwickeln. Nach Voruntersuchungen und der konzeptionellen Vorplanung 2008 konnten 2010 die Genehmigungsplanung und Förderanträge eingereicht werden. Im Mai 2011 wurde mit den Bauarbeiten für die städtebauliche Sanierungsmaßnahme begonnen.