Nach zwei Jahren ohne großes Volksfest wird am Ostersonntag der Augsburger Plärrer wieder einmal beginnen können. Die Vorfreude ist groß.

Diebold Plaerrer
Josef Diebold freut sich über die Rückkehr des Plärrers Foto: Dominik Mesch

„Uns gibt es noch!“, sagte Josef Diebold und strahlte dabei über das ganze Gesicht. Wenn Diebold von wir und uns spricht, dann meint er die schwäbischen Schausteller. Nach zwei Corona-Jahren ohne Volksfeste ist die Freude bei ihm und seinen Kollegen groß. Am Ostersonntag wird erstmals wieder ein Plärrer auf dem Kleinen Exerzierplatz eröffnet werden. Die Schausteller, die in der Coronaphase nur durch kleine Veranstaltungen und Staatshilfen wirtschaftlich überleben konnten, dürfen zurück zu ihrem Kerngeschäft. „Die Stimmung auf dem Platz ist schon jetzt beim Aufbau toll“, freut sich der Vorsitzende des Schaustellerverbandes.

Plärrer soll ein Familienfest bleiben

Das größte Volksfest Schwabens wird wieder mit zwei großen Bierzelten und zahlreichen Fahrgeschäften die Menschen aus Augsburg und der Region erwarten. Die Preise für die Fahrgeschäfte sollen dabei im Verhältnis zu 2019 weiterhin stabil bleiben, während man für Getränke und Speisen etwas tiefer in die Tasche greifen muss. Aufgrund der deutlich gestiegenen Produktions-, Kühlungs- und Transportkosten mussten die Preise nach oben angepasst werden. Schaustellerchef Josef Diebold: „Seien Sie sich sicher, dass wir mit spitzen Stiften gerechnet haben. Der Plärrer soll weiterhin ein Familienfest und für jeden bezahlbar sein.“ Die Maß Bier wird im Schallerzelt (Thorbräu) 10,50 Euro kosten, der Preis im Binswanger (Hasen-Bräu) wurde noch nicht veröffentlicht.

Trotz aller Plärrer-Freude: Probleme der Zeit werden nicht vergessen

Natürlich wird aber auch bei diesem Plärrer die Corona-Pandemie noch immer eine Rolle spielen. Das Plärrer-Team hat deshalb ein Hygienekonzept erstellt, bei dem zum einen zahlreiche Spender mit Desinfektionsmittel aufgestellt werden, zum anderen auf die Einhaltung von Abstandsregeln und ein Masken-Gebot hingewiesen wird. Auf vier erstmals aufgestellten Großbildschirmen werden diese und weitere Sicherheitshinweise eingeblendet werden.

Auch der Ukraine-Krieg hinterlässt natürlich in Augsburg seine Spuren. Darf man sich, während solch einer Weltlage freuen und feiern? Ja, das Leben soll weitergehen, ohne dass man die Menschen in den Kriegsgebieten dieser Welt vergisst. Die Schausteller haben sich deshalb eine Aktion einfallen lassen und werden an einem Nachmittag Kinder aus der Ukraine, die in die Region Augsburg geflohen sind, einladen. „Wir wollen den armen Menschen, die schreckliches erlebt haben, einige unbeschwerte Stunden bescheren“, so Bruno Noli, Veranstalter des Schaustellerverbandes.

Prominente Gäste kommen zur besonderen Eröffnung

Das Volksfest wird am Ostersonntag, 17. April eröffnet werden und bis inklusive 1. Mai stattfinden. Oberbürgermeisterin Eva Weber zapft zur Eröffnung am Osterfeiertag um 17:00 Uhr das erste Bierfass im Binswanger-Festzelt an. Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sowie Staatsminister Klaus Holetschek aus Memmingen haben sich für diesen Tag angemeldet. Die beiden ranghohen Politiker werden sich direkt vor Ort einen Eindruck über das erste große Volksfest in Schwaben nach mehr als zwei Jahren machen.

Neben den bekannten Traditionsfahrgeschäften, wie etwa der Leopardenspur, wird es auch in diesem Jahr wieder einige Neuheiten, wie die beiden 80 Meter hohen Fahrgeschäfte „Jules Verne Tower“ und „Sky Fall“, auf dem Osterplärrer zu bestaunen geben. Nach dem Rundgang darf man sich dann gerne in einem der Zelte oder einem der 16 weiteren Gastronomiebetriebe stärken und noch bis in die späten Abendstunden feiern.

Plärrerwache wieder besetzt – Coronatests gehen weiter

Natürlich wird auch dafür gesorgt werden, dass die Feierfreude ungetrübt bleibt. Für die Sicherheit werden neben Securitys an den Eingangsbereichen natürlich auch wieder die Augsburger Polizei sorgen. Gemeinsam mit den Beamten werden wieder ehrenamtliche Kräfte des Roten Kreuzes die Plärrerwache besetzen. Wie BRK-Geschäftsführer Michael Gebler bestätige, wird es nach bisher etwa 80.000 dort durchgeführten Coronatests, auch während des Volksfestbetriebes Testungen geben. „Wir werden dies etwas anders organisieren, die Tests werden von außen durch das Fenster gemacht werden“, erklärt Gebler.

Für den Besuch des Festes ist ein Coronatest allerdings nicht erforderlich. Neben den bereits erwähnten allgemeinen Hygiene- und Abstandsregelungen wird es keine weiteren Auflagen mehr geben. Mit der nötigen Selbstdisziplin und Eigenverantwortung der Gäste dürfte einem schönen Plärrer nichts entgegenstehen. Insgesamt werden während der rund zwei Wochen wieder rund 500.000 Besucher erwartet.