Abfindungen im Arbeitsrecht

Nach dem geltenden Kündigungsschutzgesetz (KSchG) sind alle Arbeitnehmenden, die in einem Betrieb mit mehr als zehn Mitarbeitern tätig sind, nach sechs Monaten ununterbrochener Anstellungszeit abfindungsberechtigt. Arbeitnehmende können den Rechtsweg wählen, um die ordentliche Kündigung anzufechten oder sie einigen sich mit ihrem Arbeitgebenden auf die gesetzliche Standardabfindung.

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Symbolbild

Abfindungsvoraussetzung für Arbeitnehmende

Betriebe mit weniger als zehn Festangestellten sind nicht verpflichtet, ihren gekündigten Arbeiterinnen und Arbeitern eine Abfindung zuzusichern oder auf Druck des Arbeitnehmenden auszuzahlen. Unternehmen mit mehr als zehn Angestellten sind unter folgenden Voraussetzungen zur Abfindungszahlung verpflichtet:

1. Der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin reicht vor dem zuständigen Arbeitsgericht eine Klage auf Wiedereinstellung, Unwirksamkeit der ausgesprochenen Kündigung oder Abfindungsentschädigung ein und ihr wird stattgegeben. Die Höhe der Abfindung wird mittels Urteilspruch entschieden.

2. Die Firma kündigt dem oder der Angestellten betriebsbedingt und das Gericht urteilt zugunsten des Klägers oder der Klägerin.

3. Der Betrieb kündigt seinem oder seiner Arbeitnehmer:in betriebsbedingt und verpflichtet sich mündlich oder schriftlich zur Zahlung der Standardabfindung oder einer eigens bemessenen Abfindungshöhe als Kündigungsentschädigung.

Unter diesen Bedingungen besteht kein Abfindungsanspruch

Arbeitgebende sind nicht zwangsverpflichtet, einem oder einer gekündigten Angestellten eine Abfindung zuzusprechen. Besteht der Verdacht einer Vorteilsnahme des Unternehmens gegenüber einem betroffenen Arbeitnehmenden, hat dieser oder diese drei Wochen Zeit, eine Klage vor dem zuständigen Arbeitsgericht einzureichen, um die Kündigung vorläufig auszusetzen. Unter diesen Richtlinien ist eine Klage aussichtslos und entfällt der Anspruch auf eine Abfindungszahlung nach § 1a KSchG:

1. Das Unternehmen kündigt dem oder der Angestellten binnen der festgeschriebenen Probezeit.

2. Die Firma trennt sich aufgrund der Inkompetenz des oder der Arbeitenden.

3. Der Kündigung gehen fristgerechte Mahnungen voraus.

4. Es handelt sich nicht um eine betriebsbedingte Kündigung.

5. Die Entlassung basiert nicht auf einer außerordentlichen betriebsbedingten Kündigung.

6. Der oder die Arbeitende kündigt fristgerecht.

7. Einer der Parteien entscheidet sich aufgrund schwerwiegender Gründe für eine fristlose Kündigung.

8. Beide Seiten vereinbaren eine Vertragsauflösung ohne Abfindungszahlung.

So hoch ist die Standardabfindung

Damit nach dem Paragraphen 1 a KSchG die Zahlung einer Abfindung wirksam wird, muss der Arbeitgebende der Zahlung zustimmen. Das erfordert keine eigene Begründung. Der Gesetzgeber legt zur Orientierung beider Seiten fest, dass ein halbes Brutto-Monatsgehalt pro Arbeitsjahr als gerecht gilt.

Die genaue Höhe wird so ermittelt:

Gehalt

Das Gehalt ist brutto eine monatlich gleichbleibende Zahlung für die geleistete Arbeit. Sonderzulagen sind für die Abfindungshöhe irrelevant.

Fiktives Beispiel:

Der oder die Arbeitnehmende verdient brutto 4.800 Euro. Insgesamt war die Person 14 Jahre im Unternehmen beschäftigt. Pro vollendetem Arbeitsjahr (nicht zwingend identisch mit dem Kalenderjahr) steht der oder dem Angestellten 2.400 Euro Abfindungsentschädigung zu. Das ergibt zusammen 33.600 Euro Abfindungsleistung. Davon sind die üblichen Steuern und Sozialabgaben zu entrichten, wodurch die Nettozahlung geringer ausfällt.

Lohn

Der Lohn richtet sich nach den monatlich geleisteten Arbeitsstunden und variiert im Laufe der Vertragszeit. Um den Sockelbetrag zu ermitteln, wird zunächst der Durchschnittsbruttolohn aller Auszahlungsmonate errechnet. Von dem ermittelten Bruttolohn steht dem oder der Arbeitnehmenden 50 Prozent pro Arbeitsjahr zu. Sind mehr als sechs Monate absolviert, jedoch weniger als zwölf Monate, ist Folgendes zu berücksichtigen, dazu 

Fiktives Beispiel:

Der ermittelte Brutto-Monatslohn beträgt 2.860 Euro. Die Gesamtlänge der Tätigkeitszeit liegt bei acht Monaten. Für ein ganzes Arbeitsjahr wäre eine Zahlung brutto von 1.430 Euro fällig. Da es sich um eine anteilige Zeit von einem vollen Arbeitsjahr handelt, ist der Bruttobetrag durch zwölf zu teilen. 119,17 Euro (um 0,4 Cent aufgerundet) dienen als Berechnungsgrundlage für einen gearbeiteten Monat mal acht. 953,36 Euro brutto Abfindung sind vom Arbeitgebenden zu erbringen.

Online-Abfindungsrechner nutzen und Fachanwalt kontaktieren
Arbeitnehmende können online im Voraus die Höhe ihrer potenziellen Abfindung berechnen und dem Arbeitgebenden vorlegen, um den Anspruch abzugleichen. Für mehr Informationen oder bei ungeklärtem Sachverhalt empfehlen Experten einen Fachanwalt für Arbeitsrecht einzuschalten, der sich mit dem Fachbereich Abfindung nach dem Kündigungsschutzgesetz auskennt. Dieser kann mit der Gegenseite eine außergerichtliche Einigung erzielen oder den Rechtsweg vor einem ordentlichen Gericht beschreiten.