Die Feierlichkeiten zum 500-jährigen Jubiläum der Fuggerei, der ältesten Sozialsiedlung der Welt, finden politische wie stifterische Unterstützung und enden mit Aussichten auf neue Sozialsiedlungen nach dem Vorbild der Fuggerei in der Welt.

Next500Pavillon Darren Walker Alexander Erbgraf Fugger Besuch Fuggerei Fotograf Quirin Leppert
Copyright Quirin Leppert

Stimmen aus Politik und Stiftungswelt, darunter EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Kulturstaatsministerin Claudia Roth, Ministerpräsident Markus Söder, Staatssekretärin Cansel Kiziltepe und Stiftungspräsident Darren Walker würdigten im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten den Vorbildcharakter der Sozialsiedlung. Sie alle sehen im Fuggerschen Ansatz mit seinen einzelnen Baukasten-Komponenten und dem sogenannten Fuggerei-Code, eine Antwort auf die globalen Bedürfnisse nach bezahlbarem Wohnraum, sozialem Miteinander und klimafreundlichem Bauen. Rund 30.000 Menschen besuchten den markanten Fuggerei Next500-Jubiläumpavillon auf dem Augsburger Rathausplatz und überzeugten sich selbst von der Einzigartigkeit der Zukunftsvision der ältesten Sozialsiedlung der Welt.

500 Jubilaeum Darren Walker Alexander Erbgraf Fugger Besuch Fuggerei Fotograf Quirin Leppert
Copyright Quirin Leppert

Darren Walker von der amerikanischen Ford Foundation, besuchte am Wochenende als Präsident einer der größten Stiftungen der Welt, die weltweit älteste Sozialsiedlung und den Jubiläumspavillon und zeigt sich „tief beeindruckt“ von der Zukunftsvision der Fuggerei. Er sieht die Möglichkeit, dass Stiftungen und Sozialsiedlungen in den USA von der Fuggerei lernen können.„Der Fuggerei Code ist global. Einzelne Elemente der Fuggerschen Philosophie, des Designs, Konzepts und der Ausführung, könnten je nach lokalem Kontext und Bedürfnissen, auch in den USA Anwendung finden“, so Darren Walker und stellt fest: „Die Fuggerei ist eine radikal innovative Idee, gerade im Kontext ihrer Zeit und egal ob in New York City, Sierra Leone oder Augsburg – wir alle wollen ein Leben in Gemeinschaft, Würde und mit spirituellem Anker.“

Kulturstaatsministerin Claudia Roth erklärte in der Diskussionsrunde auf der offiziellen Abschlussveranstaltung im Jubiläumspavillon am Samstagabend am 11. Juni 2022, dass die Fuggerei echte Solidarität lebt und Jakob Fugger erkannt habe: „Mir kann es doch nicht wohl gehen, wenn es meinem Nächsten schlecht geht.Alexander Erbgraf Fugger-Babenhausen, Vorsitzender des Fuggerschen Familienseniorats, freut sich über das Interesse an der Fuggerei: „Jakob Fugger stiftete die Sozialsiedlung vor 500 Jahren in exemplum, wie es markant auf Steintafeln über den Torbögen der Fuggerei steht. Dass heute ein halbes Jahrtausend später Menschen aus aller Welt von der Fuggerei lernen wollen und in diesem Ansatz eine Inspiration für die eigene Arbeit sehen, freut uns außerordentlich.“ Der Senioratsvorsitzende berichtet, dass Darren Walker und die Fuggerei seit über einem Jahr im Austausch stehen: „Er hat uns Brücken gebaut und Netzwerke eröffnet. Genau darum geht es ja auch beim Fuggerei Jubiläum. Wir wollen in den Dialog treten und nachdem wir mit dem Fuggerei Code aufgearbeitet haben, was die Fuggerei seit 500 Jahren so erfolgreich macht, soll der Austausch zu anderen Stiftungen intensiviert werden.“

Aussicht auf Fuggereien der Zukunft auf drei Kontinenten

Jetzt macht sich die Fuggerei Idee auf in die Welt. Aktuell laufen Planungen für Fuggerei inspirierte neue Sozialsiedlungsprojekte in Sierra Leone und Litauen. Während das afrikanische Projekt einen Schwerpunkt auf eine zukunftssichere Lebensumgebung für Frauen und ihre Familien legen will, beabsichtigt das Projekt aus dem Baltikum älteren Menschen und Pflegepersonal eine Zukunft ohne Altersarmut zu bieten. Mit beiden Projekten stehen die Fuggerschen Stiftzungen seit über einem Jahr im Austausch und begleitet die Projekte, die sich beide in einem frühen Entwicklungsstadium befinden, mit dem Know-How aus der 500-jährigen Fuggerei. In Sierra Leone soll im Herbst der erste Baubeginn starten.

Auch in die Ukraine und die USA strahlt die Fuggerei Idee aus. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnet die Fuggerei als eine „großartige Erfolgsgeschichte“. Sie appelliert, dass es „mehr Fuggerei in Europa geben soll“. Und die Fuggerei „könnte mit ihrem nachhaltigen und menschenzentrierten Ansatz beim Wiederaufbau der Ukraine sogar Pate stehen“. Die EU-Kommissionspräsidentin machte am 7. Mai den Vorschlag für ein neues Partnerschaftsprogramm zwischen der Ukraine und der EU. Regionen, Städten und Berufsgruppen sollten sich vernetzen, um Erfahrungen und Ideen austauschen, und so beim Wiederaufbau zusammenzuarbeiten. Die Fuggerei kann hier wichtige Impulse für eine soziale und sichere Heimat sowie ein Leben in Selbstbestimmung und Würde liefern, erklärte sie.

Augsburger Fuggerei-Pavillon „Next 500“ findet neue Heimat in den Niederlanden

Potential für Fuggereien der Zukunft auch in Deutschland

Eine Sozialsiedlung nach dem Vorbild der Fuggerei könne auch in Deutschland entstehen, denn das drängende Bedürfnisse nach günstigem Wohnraum und sozialer Heimat muss erfüllt werden, erklärte die Parlamentarische Staatsekretärin des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen Cansel Kziltepe bei ihrem Besuch am 9. Juni 2022 in Augsburg. Bei ihrem Besuch der Fuggerei und des Jubiläumspavillons im Rahmen der Veranstaltung der Bundesstiftung Baukultur wies sie auf den Vorbildcharakter der Siedlung hin: „Die Fuggerei beweist, dass wir günstigen und dennoch guten Wohnraum schaffen können. Das ist 500 Jahre später notwendiger denn je: Immer mehr Menschen leiden unter Wohnpreisexplosionen“. Kziltepe stellte in Aussicht sich für Sozialsiedlungen nach dem Vorbild der Fuggerei in Deutschland einzusetzen und sieht beispielsweise Berlin als Standort dafür.

Das 500-jährige Fuggerei Jubiläum und die breite Unterstützung aus Politik und Gesellschaft machen deutlich, dass die Idee der Fuggerei auch nach einem halben Jahrtausend noch immer aktuell und relevant ist. Dem Fuggerei Next500 Jubiläumsgedanken folgend, haben es sich die Fuggerschen Stiftungen zum Ziel genommen, auch in den nächsten 500 Jahren Bedürftigen eine soziale Heimat zu bieten und Menschen aus aller Welt am Erfolgsmodell teilhaben zu lassen.