Ai Weiwei sucht Streitgespräch mit AfD-Fraktionschefin

Der chinesische Künstler und Dissident Ai Weiwei will AfD-Fraktionschefin Alice Weidel zu einem Streitgespräch treffen. „Ich hoffe, dass Alice Weidel und ich eine Diskussion führen könnten. Ich bin ein sehr offener Mensch. In so einem Gespräch könnte alles passieren“, sagte Ai Weiwei der „Welt“ (Mittwochsausgabe).

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Weidel hatte den Künstler 2018 in einem Berliner Restaurant getroffen, ihn um ein Selfie gebeten und das Foto auf ihrem Twitter-Account gepostet. Später erklärte sie, dass sie Ai Weiweis Kunst seit Jahren schätze und bewundere.

Nach eigenen Angaben wusste Ai Weiwei zum Zeitpunkt des Selfies nicht, wer Weidel sei. „Sie machte das Selfie. Das war es. Später, nachdem sie es gepostet hatte, fand ich mehr über sie heraus“, so der Künstler.

„Na ja, und dann ging diese Debatte los – in alle Richtungen: Wie kann jemand, der Flüchtlinge hasst, Ai Weiweis Arbeit lieben? Warum ich mit ihr ein Selfie habe machen lassen und so weiter und so fort“, sagte der Künstler. „Meine Haltung dazu war: Sie hat unterschiedliche politische Ansichten wie ich, aber als Menschen müssen wir uns doch alle als gleichwertig sehen.“ Ai Weiwei hat in Kunstwerken und Filmen das Leid der Flüchtlinge immer wieder thematisiert, viele seiner Filme sind demnächst in einer Werkschau im Berliner Babylon-Kino zu sehen. Er hoffe, dass er in einem Gespräch mit Weidel verstehen könne, warum Menschen wie sie zu so einer Geisteshaltung kommen können, sagte er der „Welt“.

Es sei „sehr schwer, Menschen, die fest an bestimmte Dinge glauben, zu überzeugen, was uns alle verbindet, was wir alle teilen, ist, dass wir unsere Menschlichkeit erkennen und verstehen müssen“, so der chinesische Künstler weiter. „Andererseits gibt es kein Fundament mehr für Diskussionen. Und wenn wir dieses Fundament verloren haben, wird sich die Situation weiter verschlimmern.“ Ai Weiwei, der sich in jüngsten Interviews abermals sehr kritisch über Deutschland geäußert hatte, ein Land, welches er als intolerant, bigott und autoritär bezeichnete, zeigte sich sehr besorgt über den Einfluss der AfD nach dem Eklat in Thüringen.

„Ich mag es nicht, solche Geschichten zu hören, eben weil ich oft gewarnt habe, dass so etwas in Deutschland passieren kann“, so Ai. „Aber was heißt jetzt noch `kann` – es passiert jetzt, während wir sprechen. Die `New York Times` hat den Einfluss der Neonazis auf die gegenwärtige deutsche Politik mit den exakt gleichen Worten wie ich beschrieben.“ Er sei „nur ein empfindsamer Vogel, der solche Situationen erspürt und darüber gesprochen hat. Ich wünsche mir immer, dass ich damit falsch liege.“

Die Ereignisse in Thüringen hätten ihm gezeigt, dass so etwas selbst in einer Gesellschaft wie der deutschen geschehen könne, die sehr stabil wirke, die es aber nicht sei. „Meine Aussagen über Rassismus und Nazismus in Deutschland kamen ja nicht aus dem Nichts“, sagte der Künstler.