Aminata Touré warnt vor Rassismus in Deutschland

Aminata Touré (Grüne), Vizepräsidentin des Landtags Schleswig-Holstein, warnt nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA vor Rassismus gegenüber schwarzen Menschen in Deutschland. „Das ist ein Schmerz, den gerade viele schwarze Menschen weltweit teilen“, sagte Touré der „Welt“ (Mittwochausgabe). Der Tod von George Floyd habe dazu geführt, dass weltweit schwarze Communitys auf die Straße gehen.

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„Sie machen deutlich: Es reicht. Die Gewalt und der Rassismus mögen sich zwar unterscheiden, finden aber überall statt, auch in Deutschland.“ Sie fordert politische Konsequenzen: „Für mich wäre wichtig, dass im Bildungsbereich das Thema Kolonialismus und Rassismus viel intensiver bearbeitet wird und Lehrerinnen und Lehrer entsprechend ausgebildet werden“, sagte sie.

Auch in der Aus- und Fortbildung der Polizei müsse thematisiert werden, woher Rassismus kommt und wie man sich dagegen immunisieren könne. „Zivilgesellschaftliche Organisationen müssen finanziell unterstützt und in politische Prozesse eingebunden werden.“ Zwar nehme sie zurzeit eine starke Solidarität mit schwarzen Menschen wahr, es reiche jedoch nicht, etwa bei einer Social-Media-Aktion mitzumachen oder sich einmal an einer Kundgebung zu beteiligen. „Das macht einen Menschen nicht zum Antirassisten“, mahnte Touré.

Man wachse in einer Gesellschaft auf, in der Rassismus üblich sei. „Wir müssen Rassismus entlernen. Ich erwarte von nicht schwarzen Menschen, uns zuzuhören und sich zu solidarisieren – ohne eigene Erfahrungen im Ausland mit struktureller Diskriminierung gleichzusetzen.“ Touré ist die erste schwarze Politikerin im Kieler Landtag.

Die 27-Jährige wurde in Neumünster geboren und ist Tochter malischer Flüchtlinge. Sie kritisierte, dass Menschen mit ausländischen Wurzeln in der Politik nicht ausreichend repräsentiert seien. „Das ist Teil eines größeren Problems. Ein Viertel der in Deutschland lebenden Menschen hat eine Migrationsgeschichte.“

Die seien in der Politik und „an anderen entscheidenden Stellen definitiv nicht ausreichend vertreten“. Über die Gruppe der schwarzen Menschen hinaus müssten Minderheiten „in politische Räume reinströmen und dort repräsentiert werden, weil dort die Entscheidungen getroffen werden“. Wenn man dort nicht vertreten sei, „werden keine Veränderungen für unsere alltäglichen Leben stattfinden“, sagte die Grünen-Politikerin.