Am 22.Juli hatte ein 18-jähriger Deutsch-Iraner bei einem Amoklauf in und um das Münchener Olympiaeinkaufszentrum neun Menschen und sich später selbst erschossen. In München hatte eine Nacht Ausnahmezustand geherrscht. Seitdem hatte die Sonderkommission OEZ des Landeskriminalamtes zusammen mit der Staatsanwaltschaft München I mit großem Aufwand unterschiedliche Themenkomplexe aufgearbeitet.

Trauernde Menschen an einem Meer von Blumen und Kerzen vor dem OEZ in München. | Foto: Bruder
Trauernde Menschen an einem Meer von Blumen und Kerzen vor dem OEZ in München. | Foto: Bruder

So konnte der Weg des 18-jährigen Deutsch-Iraners vom Ort der ersten Schüsse bis zu dem Platz, an dem er sich selbst erschossen hat, in weiten Teilen nachvollzogen werden. Von besonderer Bedeutung waren hier neben dem mehrfachen Einsatz eines polizeilichen Personensuchhundes viele Zeugenaussagen, die sich bei den Befragungen von mehr als 1000 Haushalten ergeben haben.

Mehrere Bewohner haben den 18-Jährigen in einer logischen zeitlichen Abfolge zwischen dem OEZ und dem Gebäudekomplex in der Henckystraße gesehen. Somit steht für die Ermittler fest, dass der junge Mann vom OEZ in das Zwischengeschoß des dortigen Parkhauses wechselte, anschließend 17 Schüsse in ein geparktes Fahrzeug abgab und danach das oberste Parkdeck aufsuchte. Dort wurde er nach einem Streitgespräch mit einem Anwohner durch zwei Polizeibeamte gesehen. Einer der Beamten gab bei dieser Gelegenheit einen Schuss auf den 18-jährigen ab, der diesen jedoch verfehlte. Anschließend begab sich der Täter über die nördliche Außentreppe des Parkhauses nach unten und überquerte die Riesstraße, wo er eine gegenüber liegende Grünanlage betrat. Auf zwischen den dortigen Häusern angelegten Gehwegen lief er – vermutlich ohne weitere Zwischenstopps – zur Henckystraße, wo er durch die unversperrte Haustüre in das Treppenhaus eines der dortigen Wohnanwesen gelangte.

Im Treppenhaus hatte der Täter nacheinander Kontakt mit mehreren Anwohnern, die von ihm glücklicherweise weder bedroht noch angegriffen wurden. Im Anschluss versteckte sich der Deutsch-Iraner nach momentaner Annahme der Ermittler für längere Zeit in der Tiefgarage des Wohnhauses, bevor er diese über eine Außentreppe wieder verließ und unmittelbar danach mit mehreren im Rahmen der Fahndung eingesetzten Polizeibeamten zusammentraf, vor deren Augen er schließlich Selbstmord beging.