Angels Nördlingen zwingen Saarlouis in die Knie

Körperlänge kann im Basketball spielentscheidend sein, zumindest ein Vorteil. Wenn sich aber kleinere Menschen mit schnellen Händen, flinken Beinen und großem Willen entgegenstellen, relativiert das die körperlichen Vorteile. So geschehen am 10. Spieltag in der Nördlinger Hermann-Keßler-Halle, als die Eigner Angels Nördlingen in einem packenden Match die Gäste von Inexio Royals Saarlouis in die Knie zwangen und innerhalb einer Woche den dritten Pflichtspielsieg einfuhren.

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Danielle McCray (im Bild gegen Osnabrück) ragte beim Sieg gegen Saarlouis mit 21 Punkten aus einer geschlossenen Eigner Angels Mannschaft heraus. Die musste das Fehlen ihrer sonstigen Topscorerin, Erika Davenport, kompensieren. Foto: Jochen Aumann

„Müde“ lautete die Antwort von Angels Coach Matiss Rozlapa auf die Frage, wie er sich nach dieser Woche fühle. „Wir wussten, dass wir gegen Bad Homburg im Pokal nicht unsere beste Leistung abgerufen haben. Aber heute war ein ganz anderes Spiel und wir haben verdient einen wichtigen Sieg gelandet.“ Rozlapa musste umplanen, als er diese Woche vom krankheitsbedingten Ausfall seiner Topspielerin Erika Davenport erfuhr. Ohne sie starteten die Angels mit drei deutschen Spielerinnen in der Starting Five. Leonie Kambach, Dreierspezialistin Nicole Brochlitz und Mannschaftskapitänin Lisa Bertholdt, ergänzt von Brandy Beasley und Mariam Hasle-Lagemann hieß die zwangsweise überraschende Startaufstellung der Gastgeberinnen gegen den überraschenden Tabellenvorletzten. Die Saarländerinnen, mit der Last des Gewinnenmüssens, begannen unter anderem natürlich mit der Topscorerin der Liga, Destiny Littleton. Die Nördlingerinnen hatten unübersehbare Probleme im Rebound, obwohl Mannschaftskapitänin Lisa Bertholdt mit insgesamt 13 (!) Rebounds aufwartete, konnten aber mit einer sehr guten Verteidigungsarbeit Littleton im ersten Viertel (17:14) auf lediglich zwei Punkte halten.

Auch im zweiten Viertel zeichneten sich die Angels durch konstruktives Stören der gegnerischen Angriffe aus. Nicole Brochlitz und Brandy Beasley mit ihren ersten Punkten zum 21:15 starteten gut in die zweiten zehn Minuten. Erst in der 13. Minute gelang Littleton ihr dritter Punkt zum 21:16 durch einen Freiwurf. Leider versäumten es die Nördlingerinnen durch zu viele Fehler, den Vorsprung weiter auszubauen. Schrittfehler, vergebene einfache Chancen und schlechte Wurfentscheidungen erlaubten den Gästen, aufzuschließen und in der 17. Minute zum 24:24 auszugleichen. Coach Matiss Rozlapa nahm eine Auszeit und stellte sein Team neu ein. Doch zwei Freiwürfe von Littleton und ein Dreier von Monika Jasnowska bedeuteten eine 29:24-Führung für Saarlouis. Man merkte den Angels ihr  Reboundhandicap weiter an. 18:28 lautete das Reboundverhältnis nach der ersten Halbzeit, 28:29 die Punktestatistik. Auffallend die Freiwurfstatistik: zwei erfolgreichen Freiwürfen der Rieserinnen standen 14, davon 12 Treffer der Saarländerinnen, gegenüber.

Die zweite Halbzeit begann mit einer Reihe von Fehlversuchen seitens der Hausherrinnen. Zum Glück konnten die Gäste daraus wenig Kapital schlagen, sodass es in der 24. Minute nur 28:33 stand. Danielle McCray erlöste ihr Team und den Nördlinger Anhang mit einem schön abgeschlossenen Fastbreak, bei dem sie auch noch gefoult wurde. Den fälligen Freiwurf, den dritten für Nördlingen bis dato, verwandelte sie zum 31:33. Man bekam den Eindruck, dass das Fehlen von Davenport jetzt eher eine Motivationsspritze für die Angels war. Viksne, Brochlitz und McCray holten sich die Führung zurück. Die Nördlinger zogen in der Verteidigung weiter an (26.Minunte 37:33), Saarlouis blieb dennoch in Tuchfühlung. Doch die Größenvorteile, die sie unter den Körben hatten, machten die Kraterbasketballerinnendurch flinke Beine und Hände wett. Nördlingens Eigengewächs Anna Löffler half zu diesem Zeitpunkt maßgeblich in der Verteidigung mit. Mit 45:43 ging es in das letzte Viertel. Das Reboundverhältnis hatte sich weiterhin für die Nördlingerinnen verschlechtert (29:41). Aber acht Ballgewinne aus dem Spiel heraus (drei für Saarlouis) sind ein Beleg für die hohe Intensität in der Verteidigung der Rieserinnen.

Nach neun Sekunden im letzten Viertel erhöhte Brandy Beasley auf 47:43, wenige Sekunden weniger ein großartig herausgespielter Dreier durch Brochlitz zum 50:43. Der Riesexpress nahm immer mehr Fahrt auf. Das Spiel entwickelte sich zu einem Topspiel. Als dann Enija Viksne einen Pass über das gesamte Spielfeld auf die überragende Danny McCray spielte und diese ihre Punkte 18 und 19 zum 54:45 (34.Minute) einnetzte, war richtig Feuer unter dem Dach. Saarlouis zeigte nerven. Littleton ließ sich zu einem Offensivfoul hinreißen. Kurz danach erhielt die Ligatopscorerin ein technisches Foul wegen „Flopping“ (Vortäuschen eines Fouls) welches gleichzeitig ihr fünftes Foul war und zu ihrem Spielausschluss führte (34.Minute, 56:50). Es blieb weiter spannend. Spingola und Mbandu ließen Punkte liegen, Nördlinger verlor im Gegenzug den Ball, Sylwia Bujniak verkürzte auf 52:56. Weitere drei Punkte von ihr und Saarlouis war auf 58:57 dran. Es blieb weiter hochspannend, als Mannschaftskapitänin Lisa Bertholdt nervenstark 30 Sekunden vor Schluß zwei Freiwürfe handelsüblich sauber verwandelte (60:57). Saarlouis versuchte nochmals alles, am Ende aber tütete Roosa Lehtoranta mit den Freiwürfen 13 und 14 den dritten Pflichtspielsieg in dieser englischen Woche ein. Aus einer einmal mehr überragenden Mannschaftsleistung ragte neben Danny McCray auch Brandy Beasley mit spektakulären Dribblings heraus. Punkgleich mit dem Tabellendritten aus Osnabrück geht es nächste Woche zum Spitzenspiel nach Berlin.

In der Halbzeit wurden die Viertelfinals des DBBL-Pokals gelost.

DBBL- Pokal Viertelfinalauslosung:

  • Gisa Lions MBC Halle : Sieger aus TK Hannover/ Rutronik Stars Keltern
  • Girolive Panthers Osnabrück : Alba Berlin
  • BC Pharmaserve Marburg: Saarlouis Royals
  • Dillingen Diamonds : Eigner Angels Nördlingen

Die Spiele finden am 10. Januar statt.

Thomas Lambertz

Die Eigner Angels spielten mit : McCray (21 Punkte / 1 Dreier) , Brochlitz (11/1), Viksne (4), Lehtoranta 2, Haslé-Lagemann, Bertholdt (9/1, 13 Rebounds), Beasley (12), Löffler, Kambach (3/1) .

Bei Saarlouis waren am erfolgreichsten: Littleton (15/1), Spingola (15/1), Jasnowska (13/3)