Arbeitsminister sorgt sich um Rollenverteilung in Corona-Zeiten

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil befürchtet, dass die Coronakrise zu einem Rückfall in überholte Rollenmuster führen könnte. Er habe den Eindruck, dass sich im Homeoffice „viele Aufgaben zulasten von Frauen“ verschöben, sagte der SPD-Politiker dem „Spiegel“. Viele Männer gingen ins Arbeitszimmer und schlössen die Tür, um nicht gestört zu werden.

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„Frauen arbeiten auch im Homeoffice, kümmern sich aber zugleich um den Haushalt und die Schulaufgaben der Kinder“, sagte Heil. Viele Menschen, die jetzt als systemrelevant bezeichnet würden, arbeiteten in Berufen, die nicht gut bezahlt würden. „Es fällt deutlich auf, dass dies vor allem Frauenberufe sind“, so der Arbeitsminister.

Nur 25 Prozent der Betriebe im Einzelhandel verfügten über einen Tarifvertrag, mit dem die Bezahlung besser sei. „Die geringen Löhne in Frauenberufen hängen auch damit zusammen, dass Tarifverträge nicht mehr so verbreitet sind. Das ist ökonomisch und sozial nicht vertretbar.“ Heil will daher die Tarifbindung stärken: „Wir sollten die Möglichkeiten erleichtern, Tarifverträge in einer Branche für alle Beschäftigten für allgemeinverbindlich zu erklären – auch im Einzelhandel.“

Der Arbeitsminister will damit auch für eine gerechtere Rollenverteilung sorgen: „Man könnte ketzerisch sagen: Würde in Erziehungsberufen oder im Einzelhandel deutlich besser bezahlt, würden sich auch mehr Männer dort tummeln“, sagte Heil.