Architekt Jacques Herzog warnt vor Homeoffice-Euphorie

Jacques Herzog, Co-Gründer und -Eigentümer des Schweizer Architekturbüros Herzog & de Meuron, warnt vor allzu viel Homeoffice-Euphorie. „Ich bezweifle, dass sich das Arbeiten von zu Hause aus fest etablieren wird“, sagte er dem „Handelsblatt“ (Montagsausgabe). „Ich nehme die vielen Videokonferenzen als effizient und intensiv wahr. Sie sind aber auch anstrengender als physische Begegnungen. Es ist ja auch ständig eine Kamera auf dich, auf dein Gesicht gerichtet, dem kannst du kaum ausweichen.“

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Man könne „einige Wochen lang“ das Business „mit Videokonferenzen aufrechterhalten und Freunde zum Facetime-Kaffee einladen“, so Herzog weiter.

„Aber es wird nie das Gleiche sein wie die Bar an der Ecke oder das persönliche Gespräch mit einer Bauherrschaft. Es braucht die physische Präsenz des Menschen in einem realen Raum.“ Menschen seien „von diesen sinnlichen Momenten bestimmt und vermissen es, wenn wir uns mehrheitlich bloß über virtuelle Medien begegnen können“. Der Architekt glaubt folglich auch nicht daran, dass sich an der grundlegenden Trennung von Büro und Privatsphäre und damit am Bild der Städte Einschneidendes ändern wird: „Viele beteiligen sich nun an Spekulationen, auch zur Stadt nach Corona. Sie glauben, es werde ein neues Zeitalter eingeläutet, zurück – oder vorwärts aufs Land“, so Herzog.

„Das können sich die meisten Menschen gar nicht leisten, und es wäre dramatisch, die Ressource Landschaft und Natur durch die Ausdehnung der Siedlung weiter zu zerstören. Wir müssen die Stadt aber neu denken.“ Seine Prognose: „Wir werden Städte weiter verdichten – aber ebenso zwingend ist deren intensivere Begrünung. Dazu gibt es an vielen Orten auch echte Bemühungen und konkrete Projekte.“