Aschermittwoch der Künstler: Vortrag zum Bronzeportal des Augsburger Doms

Die Künste des Mittelalters haben den heutigen Aschermittwoch der Künstler im Hohen Dom zu Augsburg wie eine Klammer umspannt. Den Mittelpunkt bildete ein Vortrag von Kunsthistorikerin und Privatdozentin Dr. Dorothea Diemer, die über das mittelalterliche Bronzeportal des Doms sprach. Dem Vortrag ging ein feierlicher Gottesdienst mit Diözesanadministrator Prälat Dr. Bertram Meier und den Weihbischöfen voraus. Begleitet wurde dieser vom Chor „The Obsidian Collective“ sowie von Männerstimmen der Augsburger Domsingknaben. Sie stellten die Anfänge der Mehrstimmigkeit zur Zeit der ottonischen Renaissance musikalisch vor.

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Foto: Maria Steber

In seiner Predigt ging der Diözesanadministrator auf den Menschen und dessen Vergänglichkeit näher ein. Gerade bei der heutigen Aschenauflegung und dem Ausspruch „Memento homo: Du bist nur Staub“ werde einem diese schmerzlich vor Augen geführt, betonte er. „Unser Herz hungert nach dem Bleibenden, Ewigen, Unendlichen, nach dem Heil. Findet diese Sehnsucht nicht einen besonderen Ausdruck in der Kunst?“, richtete er seine Frage direkt an die zahlreichen Kunstschaffenden im Augsburger Dom. Gerade Künstler könnten zeigen, dass der Mensch eine Art Grenzgänger ist, bestehe die Kunst aller Künste doch darin, im Menschen den Spuren Gottes nachzugehen, so der Prälat.

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„Die Kunst kann eine Schule des Sehens auf das Wesentliche werden“, betonte Dr. Meier und bedankte sich bei den Künstlern für ihren Dienst an der Wahrheit über den Menschen: „Decken uns nicht gerade die Künstler die Wunden und Abgründe des Menschen auf? Literatur und bildende Künste sind Seismographen, die uns auf Erschütterungen und Bewegungen aufmerksam machen, die Beben registrieren, die sich unter der Oberfläche in den Tiefen des Menschenherzens abspielen.“ Den Bogen vom heutigen Aschermittwoch zu Ostern spannte er abschließend mit einem Blick auf die kommenden Tag der Fastenzeit: „Wir sind eingeladen, diesen Weg vom ‚Memento homo‘ zum ‚Ecce homo‘ mitzugehen, vom Geheimnis des Menschen zum Geheimnis der Erlösung“, so der Diözesanadministrator.  

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Foto: Maria Steber

Nach dem Gottesdienst leitete Prälat Dr. Bertram Meier in einer kurzen Begrüßungsrede zum Vortrag von Kunsthistorikerin und Privatdozentin Dr. Dorothea Diemer über das Bronzeportal des Augsburger Doms über. Sie versuchte darin dem „Rätsel der Domtüre“ näher zu kommen. Denn weder seine Entstehungszeit, sein ursprünglicher Ort in der Kirche, der Grund seiner Asymmetrie noch die Darstellungen seines Bildprogramms seien bekannt. Die Kunsthistorikerin stellte ihren Forschungsansatz vor, den sie zusammen mit ihrem Ehemann und Mittellateiner Dr. Peter Diemer erarbeitet hat. Anhand von Vergleichsmaterialien aus mittelalterlichen Handschriften und Artefakten versuchte sie die Motive des Bronzereliefs zu entschlüsseln, auf denen sie in großen Teilen Abbilder von Sternenbilder erkennt. So deutete sie etwa das Bild des Mannes, der Trauben isst, als Personifikation des Monats „Herbst“ oder eine hühnerfütternde Frau als „Januar“ in Anlehnung an die Überlieferung eines antiken Monatskalenders. Das Sternenbild „Orion“ zeige Ähnlichkeiten auf zum Reliefbild mit Mann und Lanze, stellte Dr. Diemer fest. Die auffallenden Unterschiede in den Reliefbildern seien oftmals auf Abwandlungen der Vorlagen zurückzuführen. Wenn die Vorbilder vom Bilderhauer nicht verstanden wurden, seien sie abgewandelt worden, so die Kunsthistorikerin.  

Eine Einführung zum theologischen und kulturgeschichtlichen Kontext des Bronzeportals sprach Prof. Dr. Gerda Riedl, Leiterin der Hauptabteilung VI-Grundsatzfragen zum Abschluss der Veranstaltung im Dom. Das Portal sei nicht als Glaubensportal konstruiert worden. Die Antwort auf die Frage des „Warum“ stehe jedoch in den Sternen, so Prof. Dr. Riedl. Beim Portal handle es sich um ein Monument der Herrschaftlichkeit im Zeichen der Sterne, stellte sie weiter fest und verwies dabei auch auf die Figuration des gottgewollten Laufs der Dinge, die durch das Sternentor zum Ausdruck käme. Und sie beschloss ihre Ausführungen hoffnungsvoll. Das Portal trage bei aller Rätselhaftigkeit dennoch eine tröstliche Botschaft in sich. Sie laute: „Vergesst den Himmel nicht“, betonte Riedl.  

Nach dem Vortrag hatten die Künstler/-innen noch Gelegenheit zur gemeinsamen Begegnung im Kolpingsaal. Begleitet wurde ihr Weg dahin vom Geläut der Silberglocken des Doms. Sie sind ebenfalls im 11. Jahrhundert zu verankern.

Das mittelalterliche Bronzeportal befindet sich heute im Diözesanmuseum St. Afra.