Aufbackstationen und steigende Kosten | Gersthofer Backbetriebe-Eigentümer Serafin erklärt das Aus

Vergangene Woche haben die Gersthofer Backbetriebe und die Lechbäckfilialen Insolvenz anmelden müssen. Ein harter Schlag für die insgesamt rund 500 Mitarbeiter. Nun bestätigte der Eigentümer, die Serafin Unternehmensgruppe, dass sie eine Millionensumme zur Unterstützung der Mitarbeiter zu Verfügung stellt. Gegenüber unserer Redaktion versuchte sich das Unternehmen auch in einer Erklärung für das Ende.

Das Aus kurz vor Weihnachtne ist besonders bitter für die Mitarbeiter von Lechbäck und der Gersthofer Backbetriebe

Vergangene Woche hatten die Gersthofer Backbetriebe und auch Lechbäck Insolvenz anmelden müssen. Das Unternehmen ist wohl nicht mehr zu retten. Insgesamt rund 500 Mitarbeiter haben bereits die Kündigung erhalten. In Mahnwachen und einer Demo am Samstag wollen sie auf ihre Situation aufmerksam machen und auf einen Sozialplan pochen. Die Chancen dafür stehen schlecht. Es stehen wohl dafür keine Mittel zu Verfügung, die vom Insolvenzverwalter zur Verteilung gebracht werden könnten.

Seitens des Eingentümers der Unternehmen, der Serafin-Gruppe wird nun aber Geld zu Verfügung gestellt. „Die Serafin Unternehmensgruppe ist sich ihrer Verantwortung bewusst und bereit, einen siebenstelligen Betrag zur Abmilderung eventueller Folgewirkungen auf die Mitarbeiter beizusteuern bzw. eine eventuelle Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft für die Mitarbeiter finanzieren zu können.“, heißt es in einem Statement der Serafin.

Auch auf die Gründe für das Ende der langjährigen Unternehmungen ging der Unternehmenssprecher ein:

„Der Markt für Backwaren in Deutschland befindet sich derzeit in einem rasanten Umbruch. Frische, hochwertige Backwaren, wie sie die Gersthofer Backbetriebe herstellen, werden im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) immer weniger nachgefragt. Der Trend bei den Großkunden und Handelsketten, insbesondere im Discount, dem Hauptabsatzkanal für die Gersthofer Backbetriebe, geht zu kostengünstigeren Aufback-Stationen, in welchem die Backwaren (zumeist aus Tiefkühlware) aufgebacken werden. Dadurch verlieren regionale Großbäckereien zum einen an Umsatz, sie werden auf der anderen Seite aber durch zunehmende Regulierung und steigende Kosten für Rohstoffe, Löhne und Logistik immer stärker belastet. Dies führte auch bei den Gersthofer Backbetrieben ab 2017 zu erheblichen Umsatzeinbußen und Verlusten. 2018 hat sich die Situation deutlich verschlechtert.

Die Geschäftsführung entschloss sich Mitte September, das Unternehmen in einem Schutzschirmverfahren (besonderes Insolvenzverfahren ohne Insolvenzverwalter, aber mit einem gerichtlich bestellten Sachwalter) neu aufzustellen. Das Unternehmen musste in den letzten drei Monaten allerdings die Erfahrung machen, dass trotz intensiver Diskussionen mit den Kunden die erhoffte Kundenreaktion ausgeblieben ist und stattdessen weitere Produktauslistungen erfolgten. In den vergangenen drei Monaten haben die Mitarbeiter ihre Löhne aus dem Insolvenzgeld erhalten. Trotz dieser Entlastung der Gesellschaft hat diese aufgrund des rapiden Umsatzrückgangs in den vergangenen Monaten zusätzlich Verluste erwirtschaftet. Das operative Geschäft konnte nur durch die Bereitstellung von zusätzlichen Finanzmitteln des Gesellschafters aufrechterhalten werden. Der Umsatzverlust durch den ungebrochenen Trend hin zu Tiefkühl-Ware konnte so trotz aller Bemühungen und der Neukunden-Gewinnung im Vertrieb letztlich nicht kompensiert werden. Als Konsequenz wurde dann per 01.12.2018 in ein Regelinsolvenzverfahren gewechselt.“