Augsburg | Fahrgastverband kritisiert 15-Minuten-Takt bei den Straßenbahnlinien

Die Corona-Krise und ihre einschneidenden Maßnahmen haben auch bei der Mobilität der Menschen in Augsburg deutliche Spuren hinterlassen. Da Schulen zu und einige Menschen im Homeoffice sind hat die swa den Takt der Straßenbahnlinien seit Dienstag auf eine 15-Minuten-Takt verändert. Der Fahrgastverband Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr Augsburg e.V. kritisiert die Maßnahme als wenig angemessen.

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Aktuell fahren weniger Straßenbahnen aus dem Depot | Archivfoto: Wolfgang Czech

„Wir haben derzeit nicht mal mehr 20 Prozent der normalen Fahrgastzahlen“, so swa-Sprecher Jürgen Fergg. Für den städtischen Versorger war dies der Anlass ab Dienstag die Taktung der Straßenbahnen auf alle 15 Minuten zu verändern (wir berichteten). Während Jürgen Fergg darin eine Möglichkeit sieht einen Teil der Fahrer vor Krankheiten zu schützen und den Fahrbetrieb sicherzustellen, kommt Kritik vom Fahrgastverband „Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr Augsburg“ (ANA). 

Hier die ANA-Kritik im Wortlaut:

„Der 15-Minuten-Takt bei den Straßenbahnlinien führt zur Unterschreitung des Abstands von mindestens 1,5 Metern zwischen den Fahrgästen. Selbst ein 40 Meter langer Straßenbahnwagen bietet unter diesen Voraussetzungen nur Platz für 30 bis 40 Fahrgäste!
Die Einlagewagen, wie sie gestern und heute auf der Linie 1 zu beobachten waren, werden weniger genutzt, weil sie keinen Anschluss an die anderen Linien haben und aus dem verkündeten Taktschema fallen. Bei einigen Buslinien fällt auf, dass die Besetzung sehr gering ist, Parallelverkehre könnten deshalb eingeschränkt werden, indem für diese Linien (22, 23) der Samstagsfahrplan eingeführt oder die Linie nicht bedient wird (44).

Mit der Ausweitung des Straßenbahnnetzes wurden Regionalbusse auf die Straßenbahn gebrochen, auch diese Fahrgäste sind auf ein zuverlässiges Angebot bei der Straßenbahn angewiesen. Es widerspricht dem Nahverkehrsplan, den Takt bei der Straßenbahn zu reduzieren, die die Hauptlast des städtischen Nahverkehrs trägt, während der Busbetrieb kaum eingeschränkt wurde.

Die Ankündigung der Stadtwerke, Fahrgäste auf die nächste – vielleicht auch wieder volle – Bahn zu verweisen zeigt wie unangemessen und wenig rücksichtsvoll das Angebot eingeschränkt wurde.

Es ist nicht nachvollziehbar, dass der städtische Verkehrsbetrieb sich derart seiner Bedienungspflicht entziehen darf, während in Städten wie München bis auf Verstärker der normale Fahrplan weiter angeboten wird.

Um die Nutzung sicher zu machen, sollte mindestens ein 7-Minuten-Takt von 7 bis 19 Uhr auf allen Straßenbahnlinien gefahren werden. An Samstagen sollte die Straßenbahn nach dem üblichen Samstagsfahrplan fahren.“