Augsburg | Harmloser Online-Flirt wird zu handfester Erpressung

Am Sonntag (17.10.2021) lernte ein junger Mann aus Augsburg über soziale Medien mutmaßlich eine unbekannte, junge Frau kennen. Nach kurzer Zeit verabredeten beide ein Video-Online-Date mittels der Applikation Skype.

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Symbolbild

Die Unbekannte brachte den jungen Mann dazu, sich vor seiner Webcam auszuziehen sowie sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen. Kurz darauf erhielt er eine Nachricht, dass er hierbei auf Video aufgenommen wurde und 500 Euro auf ein ausländisches Konto überweisen sollte. Andernfalls würde das Video veröffentlicht. Der junge Mann gab der Erpressung nach, überwies das Geld und hoffte, dass die Sache damit erledigt war. Dem war jedoch nicht so. Er erhielt eine erneute Aufforderung und sollte nun einen mittleren, vierstelligen Eurobetrag überweisen. Dieser Forderung kam der junge Mann nicht nach und erstattete Anzeige bei der Kripo Augsburg, welche ein Ermittlungsverfahren wegen Erpressung auf sexueller Grundlage einleitete.

Das beschriebene Erpressungsphänomen wird in Fachkreisen „Sextortion“ oder „Sexpressung“ genannt. Üblicherweise lernen die Betroffenen zunächst eine fremde Person über soziale Netzwerke kennen. Die Opfer werden zu sexuellen Handlungen in einem Video-Chat überredet, welche wiederrum durch das Gegenüber aufgezeichnet werden könnten. Bei einer anderen Variante des Phänomens werden massenweise Spam-Mails scheinbar wahllos versandt, ebenfalls mit der Behauptung, dass die Täter kompromittierende Aufnahmen des Empfängers besitzen würden. In beiden Fällen folgt stets die Drohung der Veröffentlichung solcher Bilder oder Videos der Opfer, sofern ein geforderter Geldbetrag nicht gezahlt wird.

Die Drahtzieher sind üblicherweise in Banden organisiert, operieren vom Ausland aus oder nutzen sogenannte Bots, um ihre Erpresserschreiben per E-Mail zu verteilen.

Die Tipps der Polizei:

  • Prüfen Sie regelmäßig Ihre Account- und Privatsphäre-Einstellungen.
  • Seien Sie zurückhaltend mit der Veröffentlichung persönlicher Daten wie Anschrift, Geburtsdatum oder Arbeitgeber.
  • Stimmen Sie nicht vorschnell einem Videochat zu.
  • Im Zweifel: kleben Sie die Chatkamera zunächst ab, um lediglich verbal zu kommunizieren und das Geschehen zu beobachten.
  • Stimmen Sie keinen Entblößungen oder intimen Handlungen in Videochats zu, wenn Sie die Person erst seit kurzem kennen.
  • Halten Sie Betriebs- sowie Virenschutzsysteme auf Ihren Endgeräten wie Smartphone, Laptop, Tablet oder Computer immer auf dem aktuellen Stand, um sich vor Schadsoftware, sogenannter Malware, zu schützen. Es gibt Malware, die Ihre Webcam aktiviert und Sie damit jederzeit filmen kann.

Wie man derartige sowie andere Maschen erkennt und sich davor schützen kann, ist auch im Internet unter www.polizei-beratung.de nachzulesen.

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