Eine ruhige und harmonische Veranstaltung war die Versammlung des CSU-Kreisverbandes im Augsburger Westen beileibe nicht. Am Ende gab es aber einen klaren Sieger des Abends. Gastronom und Stadtrat Leo Dietz (Bergheim) ist der starke Mann.

Leo Dietz hat gut lachen. Er ging aus der Vorstandswahl als starker Mann hervor. | Foto: Wolfgang Czech

Neun Ortsverbände gehören dem Kreisverband West der CSU an. Ruhig war es auch in den vergangenen Jahren dort nicht immer gewesen. Immer wieder sorgten führende Mitglieder aus Reihen dieses Ortsverbands für Schlagzeilen, wie der einstige Shootingstar der Christsozialen Tobias Schley, der sich durch private Verfehlungen selbst ins Abseits gestellt hatte. Doch was die von zahlreichen Diskussionen begleiteten Vorstandswahlen mit sich brachten, war schon ein hartes Ausrufezeichen.

Vor zwei Jahren hatte mit Leo Dietz ein Mann den Vorsitz in diesem Kreisverband übernommen, den wohl die wenigsten als politisch „gefährlich“ für die gesetzten Kräfte der Partei eingestuft hatten. Als Szenegastronom (u.a. Peaches), muskelbepackt und mit Zöpfchenfrisur unterschätzten ihn viele. Sein Stadtratsmandat führten viele auf seinen Bekanntheitsgrad aus den Augsburger Nachtleben zurück. Doch Dietz entwickelte sich in den letzten Jahren immer mehr zum Schwergewicht innerhalb der Partei. Seit den letzten Wahlen ist er einer der Stellvertreter des Fraktionsvorsitzenden Bernd Kränzle im Stadtrat. Längst werden Dietz weitere Ambitionen nachgesagt.

Dass er dafür wohl in Frage kommt, mussten auch seine innerparteilichen Kontrahenten am Montag schmerzhaft feststellen. Mit Iris Steiner (Kriegshaber) hatten diese eine Gegenkandidatin ins Rennen um den Vorsitz gehen lassen. Das Ergebnis war eindeutig. 57 der 74 Delegierten stimmten für Dietz. Auch bei den weiteren Wahlen setzten sich die von ihm vorgeschlagenen Kandidaten durch. Der Abend wurde so nicht nur für Steiner eine große Niederlage, auch die etablierten Stadträte Thorsten Große, Rolf von Hohenhau und Juri Heiser, allesamt keine Dietz-Freunde, mussten spürbare Pleiten einstecken. Große und von Hohenau wurden vom Kreisverband nicht mehr als Delegierte für den Bezirksverbandstag benannt, die Ablöse Dietzs ist grandios gescheitert. Wieder einmal wurde er von den etablierten Kräften als kleiner wahrgenommen, als er in der Breite der Partei und der Augsburger Bevölkerung gesehen wird.

Schon bei den Stadtratswahlen 2014 hatte Dietz 35.622 Stimmen auf sich vereinen können und damit das siebtbeste Ergebnis aller Kandidaten erzielt. Mit von Hohenau (21) und Große (24) hatte er zwei seiner innerparteilichen Konkurrenten aus dem Augsburger Westen schon damals deutlich hinter sich gelassen. Vor zwei Jahren war Große gegen Dietz dann auch bei der Wahl zum Kreisvorsitzenden gescheitert.

Starker Löwe, der Kühne aus dem Volk, der Kraftvolle, dies alles sind Deutungen von Dietzs Vornamen Leo. An diesem Montag hatte er bewiesen, dass er diese Stärke innerhalb seiner Partei hat. Während mancher Beobachter dies als Armutszeugnis für die CSU sieht, könnte man es auch als Anfang vom Ende alter Seilschaften erkennen. „Natürliche Erbfolgen“ durch die Lieblinge der Altvorderen gibt es nicht mehr. Eine junge und frische Generation möchte sich einbringen und tut dies bereits. Allen voran ein muskelbepackter Szenegastronom. Das es dafür eine Mehrheit geben kann, wurde im Augsburger Westen eindrucksvoll gezeigt.