Augsburg | Mehrere hundert Menschen solidarisieren sich mit verfolgten Christen

Schweigend zogen am gestrigen Sonntagnachmittag mehrere hundert Menschen vom Augsburger Rathausplatz zum Hohen Dom. „Ich bin Christ“ war auf den roten Plakaten zu lesen, die sie bei sich trugen. Mit diesem Bekenntnis setzten sie bei der Kundgebung für verfolgte Christen auf dem Rathausplatz ein Zeichen der Solidarität für ihre bedrängten Glaubensbrüder und –schwestern.

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Foto: pba/Romana Kröling

„Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht“, so Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer als Hauptredner bei der Kundgebung. Auch Pater Jacques Mourad, Prior des Klosters Mar Elian in Syrien und ehemaliger Gefangener des IS, kam zu Wort. Bei der anschließenden ökumenischen Kreuzwegandacht im Augsburger Dom ging Prälat Dr. Bertram Meier, Bischofsvikar für Ökumene und interreligiösen Dialog, auf die Situation der Christen im Nahen Osten und die Aufnahme der Flüchtlinge in Deutschland ein.

Das öffentliche Eintreten für verfolgte Christen sei ein klares und wichtiges Signal an die bedrängten Brüder und Schwestern im Glauben, das ihnen zeige: „Ihr seid nicht allein“, erklärte der Bundestagsvizepräsident. Von den 2011 noch 1,1 Millionen Christen in Syrien seien mittlerweile bereits bis zu 700.000 aus ihrem Heimatland geflohen. So drohe in dieser Wiege der Christenheit das Auslöschen der fast 2000 Jahre alten Spuren christlicher Geschichte. Umso wichtiger sei es nun, diese „Taten an das Licht der Öffentlichkeit zu bringen, denn die Planer, die Hintermänner und die Unterdrücker der Religionsfreiheit scheuen das Licht, sie lieben die Dunkelheit“, so Singhammer. Nur wenn das Ausmaß des Unrechts und der Zerstörung in der Öffentlichkeit wahrgenommen würde, könne in einem nächsten Schritt dagegen vorgegangen werden.

Auch auf die Situation der christlichen Flüchtlinge in Deutschland ging Singhammer ein. Bis zu 15 Prozent der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, seien Christen. Immer wieder würde berichtet, wie diese Schutzsuchenden von anderen Flüchtlingen drangsaliert und gemobbt würden. „Hier müssen wir in Deutschland alles tun, damit Menschen, die bei uns Schutz suchen, auch Schutz erfahren“, forderte der Bundestagsvizepräsident.

Einer, der die Gewalt des IS in Syrien hautnah erlebt hat, ist Pater Jacques Mourad. Er wurde vom IS entführt und gefangen gehalten, sein Kloster wurde dem Erdboden gleichgemacht. Seine wichtigste Botschaft ist der Wunsch nach Frieden: „Waffen bringen immer nur den Tod, sie bringen nie Frieden herbei, sie bringen nie Menschenrechte herbei.“ Krieg könne daher niemals eine Lösung sein. Lange Zeit hätten er und seine Mitbrüder friedlich und in Harmonie in der muslimisch geprägten Gegend gelebt. Nun hoffe er auf eine neue Auferstehung: eine neue Auferstehung der Christen in Syrien und eine neue Auferstehung seines Klosters. Doch „der Kreuzweg, den das syrische Volk zurücklegen muss, ist ein langer“, stellte der Prior fest.

Ähnliche Worte fand auch Prälat Dr. Meier zu Beginn der ökumenischen Kreuzwegandacht: „Der Kreuzweg Jesu geht weiter. Unzählige Christen tragen das Kreuz durch ihre Lebensgeschichte – in Syrien, im Irak und in vielen anderen Ländern.“ Viele, auch Muslime, seien gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Die Schutzsuchenden aufzunehmen und ihnen zu helfen, sei ein humanitärer Dienst und eine Christenpflicht. Dabei gab der Prälat aber auch zu bedenken, dass „die Ankunft von immer mehr muslimischen Flüchtlingen bei uns wohl bald zu einer großen Herausforderung für die christliche und demokratische Identität unseres Landes und Kontinentes werden“.

Neben der Diözese Augsburg und dem Evangelisch-Lutherischen Dekanat gehören die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, der Assyrische Mesopotamien Verein, die Evangelische Allianz, der Suryoye Kultur– und Sportverein sowie die Syrisch-Orthodoxe Kirche Augsburg zu den Veranstaltern der Kundgebung. Die Schirmherrschaft hatte wie bereits in den vorhergehenden Jahren Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl übernommen.