Augsburger Arbeitsgemeinschaft Wohnungsnotfallhilfe sieht „Gabenzäune“ für Obdachlose kritisch

In den letzten Tagen wurden in der Presse und in den sozialen Medien Berichte zu sogenannten „Gaben-Zäunen“ veröffentlicht, die in ganz Deutschland gestartet werden, um Obdachlosen Lebensmittel zukommen zu lassen. Die Augsburger Arbeitsgemeinschaft Wohnungsnotfallhilfe sieht diese Aktionen sehr kritisch und bittet Bürgerinnen und Bürger, stattdessen die bestehenden Einrichtungen der Obdachlosenhilfe zu unterstützen.

Gabenzaun 1
Gabenzaun bei St. Anna in der Augsburger Innenstadt | Foto: Bruder

Es ist wichtig zu wissen, dass die Zahl der Menschen, die in der Stadt Augsburg tatsächlich auf der Straße leben, sehr gering ist. Von den Fachleuten wird geschätzt, dass jetzt im Winter von ca. 40 Personen ausgegangen werden kann, die auf der Straße, in Abbruchhäusern oder eigenen Biwaks leben. Exakte Zahlen können für Menschen in dieser Lebenssituation kaum erhoben werden.

Den bestehenden Hilfestellen ist der Personenkreis bekannt. Umgekehrt sind auch die Betroffenen selbst über die Hilfestellen gut informiert. Außerdem gibt es die Straßensozialarbeit des SKM Augsburg, die die Menschen in dieser Lebenssituation regelmäßig aufsucht.

Die Wärmestube in der Klinkertorstr. hat zwar aufgrund der aktuellen Corona-Krise geschlossen, aber es werden dort jeden Tag von 9 – 12 Uhr Lebensmittel für Bedürftige, für Obdachlose und Menschen in Not ausgegeben – das sind sowohl Lunchpakete wie auch Lebensmittel-Pakete für die Menschen, die ein Obdach bzw. eine Wohnung haben. Auch die Bahnhofsmission gibt Lebensmittel an Bedürftige aus. Die Augsburger Tafel wird von der Stadt Augsburg und dem Freiwilligen-Zentrum unterstützt und wird mit der Verteilung von Lebensmittel-Paketen ab Dienstag, den 7. April ihren Betrieb wiederaufnehmen – zu den üblichen Zeiten und an den bekannten Ausgabestellen der Augsburger Tafel.

Wolfgang Krell als Sprecher der Augsburger Arbeitsgemeinschaft Wohnungsnotfallhilfe sagt klar: „Wir halten deshalb eigens organisierte „Gaben-Zäune“ in Augsburg nicht für notwendig – wir bitten alle anderen Bürger/innen, die konkret Hilfen leisten wollen, um Lebensmittel-Spenden an den SKM Augsburg – diese können direkt dort beim SKM in der Klinkertorstr. 12 abgegeben werden – und um Geldspenden an die Augsburger Tafel.“

Alle diese Lebensmittel-Spenden sind eine zusätzliche Hilfe für Menschen in Not: Grundsätzlich ist festzustellen, dass fast alle Betroffenen gesetzliche Sozialleistungen erhalten und damit auch selbst einkaufen können. In den wenigen Fällen, wo dies vielleicht nicht der Fall ist, unterstützen die Beratungsstellen des SKM und des SkF wie auch alle anderen Beratungsstellen bei der Beantragung von Sozialleistungen. Auch das Sozialamt und das Jobcenter haben einen Notdienst eingerichtet und sind weiterhin telefonisch zu erreichen. Für Bürgerinnen und Bürger, die für Einkäufe und Lebensmittel-Abholung Unterstützung brauchen, werden ehrenamtliche Helfer vom Freiwilligen-Zentrum Augsburg vermittelt.