Augsburger Textilmuseum tim übernimmt bedeutende Textilsammlung

Das Staatliche Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) freut sich über den bislang umfangreichsten Neuzugang für seine Sammlung. Dabei handelt es sich um mehr als 25.000 Objekte, die der Reutlinger Ethnologe und Kurator Michael Schödel zu Lebzeiten mit viel Leidenschaft zusammengetragen hat. Nach dessen überraschendem Tod im Jahr 2015 haben die Erben dem tim nun den bedeutenden Nachlass übergeben. Heute (21.2.18) stellte tim-Museumsdirektor Dr. Karl Borromäus Murr gemeinsam mit Bayerns Kunststaatssekretär Bernd Sibler und Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger ausgewählte Highlights daraus vor.

tim_augsburg_sammlung_schoedel_st_sibler_und_st_hintersberger_1838 Augsburger Textilmuseum tim übernimmt bedeutende Textilsammlung Augsburg Stadt Bildergalerien Kunst & Kultur News Bernd Sibler Johannes Hintersberger Michael Schödel Staatliche Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) | Presse Augsburg
Die Staatssekretäre Sibler und Hintersberger präsentieren eine Jacke der Olympischen Spiele 1972. | Foto Jürgen Branz

Murr zeigte sich begeistert von der neuen Sammlung. „Wir haben einen wahren Schatz für unser Museum erhalten. Bei den Objekten handelt es sich um wichtige textil-, industrie-, wirtschafts- und sozialgeschichtliche Zeugnisse, die einen einzigartigen Blick auf die für Bayern einst so bedeutende Textilindustrie ermöglichen. Ich danke den Hinterbliebenen des Sammlers sehr, dass sie sich ganz bewusst für das tim als neuen Aufbewahrungsort für den einzigartigen Nachlass entschieden haben. Dieser Neuzugang unterstreicht die überregionale Bedeutung unseres Hauses als Bayerisches Landesmuseum.“

Kunststaatssekretär Bernd Sibler ist bei jedem Besuch aufs Neue beeindruckt vom tim: „Das Textil- und Industriemuseum ist eine wahre Schatzkammer unserer Zeitgeschichte! Hier können Jung und Alt Zeugnisse der bayerischen Kultur entdecken und dabei ganz anschaulich ihr Wissen über das Leben und Arbeiten im Freistaat erweitern. Dazu trägt auch die neu hinzugewonnene Sammlung bei, die ein beeindruckendes Bild von den Erzeugnissen und der Arbeit der Textilindustrie zeichnet. Besonders fasziniert mich auch der Einblick in die Geschichte, die hinter den Erfolgen bedeutender Textilunternehmen steht!“

Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger ergänzte: „Was wir anhand der Exponate genau sehen können, ist die gesellschaftliche Entwicklung: von einer Zeit weniger Privilegierter, die sich feinste Stoffe und Materialien leisten konnten, bis hin zu Textilien, die heute allen Menschen zur Verfügung stehen. Wer diese Kleidungsstücke sieht, ahnt, wie groß die gesellschaftliche Kluft im 19. Jahrhundert war und wie beeindruckend die sozialen Errungenschaften der letzten hundert Jahre sind.“

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Bayerns Kunststaatssekretär Bernd Sibler und Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger mit Strümpfen aus dem Archiv der Firma ELBEO von 1915 | Foto Jürgen Branz

Strümpfe Ein Großteil der „Sammlung Schödel“ besteht aus der Teilsammlung des Projekts „Deutsches Strumpfmuseum“. Diese beinhaltet unter anderem das komplette noch erhaltene Musterarchiv der Firma ELBEO von 1890 bis 1989 mit Strümpfen und Musterbüchern. Besondere Highlights bilden die naturseidenen Strümpfe von der Weltausstellung 1937 in Paris, mit denen damals ELBEO den Grand Prix gewann. Ebenso sind die ersten Produktionsversuche von Strümpfen aus Perlon enthalten, die die Firma in den Jahren 1938 bis 1940 durchgeführt hat. Firmenunterlagen, Statistiken und Fotos zeigen zudem die Geschichte von ELBEO nicht zuletzt aus dem Blickwinkel von Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Unternehmen, ursprünglich im sächsischen Oberlungwitz beheimatet, wagte samt einer großen Anzahl ehemals dort beschäftigter Mitarbeiter den wirtschaftlichen Neustart in Augsburg. Die dazugehörigen Archivalien dokumentieren eindrucksvoll Wiederaufbau und Wirtschaftswunder, aber auch die beispielhaft gelungene Integration von Vertriebenen in den bayerischen Arbeitsmarkt. Der Neuzugang im tim beinhaltet zudem eine textile Sammlung zur europäischen Strumpfgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Objekte gestatten tiefe Einblicke auch in weitere Unternehmen wie beispielsweise Kunert, Hudson, Ergee, Bellinda, ARWA, Bi oder Silkona. Sie erzählen aber auch einen wichtigen Teil Konsum- und Reklamegeschichte. So zeugen die original Modegrafiken und Entwürfe des international stilbildenden US-Werbegrafikers Antonio Lopez für Strumpfverpackungen der Firma Hudson aus dem Jahr 1968 von einer hohen künstlerischen Ästhetik und ihrer emotionalen „Verführungskraft“ für hauchzarte Strümpfe. Beeindruckende Zeitzeugen sind auch die durchgängigen Katalogsammlungen bedeutender Versandhäuser wie Otto, Neckermann, Baur, Witt Weiden, Schöpflin, Wenz oder Quelle.

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Kinderkleider

Dazu zählt eine bedeutende Sammlung von Kinderkleidern aus dem 18. Jahrhundert bis ins Jahr 2010 – inklusive Accessoires wie Schuhe, Strümpfe und Kopfbedeckungen. Besonders erwähnenswert sind der Anzug eines ca. vierjährigen Jungen aus dem Jahr 1790 und ein Mädchenkleid aus der Biedermeierzeit. Aber auch Uniformen der Hitlerjugend (HJ und BDM) befinden sich unter den Objekten.

Unterwäsche

Ein weiterer Schwerpunkt der Sammlung: das, was Mann und Frau im 20. Jahrhundert „drunter“ trugen. Rund 1.500 Objekte erzählen die Unterwäsche-Vorlieben und Modeideale von Damen, Herren und Kindern. Außerdem beinhaltet das Konvolut die Unterwäsche der verschiedenen Armeen aus den beiden Weltkriegen.