Prof. Claudia Traidl-Hoffmann vom Universitätsklinikum Augsburg ist Teil einer Gruppe von internationalen Wissenschaftlern, die den Zusammenhang von Luftverschmutzung und Gesundheit anmahnt. Die UN erklärt das Papier zur Richtlinie.

Claudia Traidl-Hoffmann, 
Prof. Dr. med Direktorin des Instituts für Umweltmedizin, UNIKA-T

Es ist eigentlich nicht besonders lang, insgesamt neun Seiten. Aber das Papier hat es in sich. Denn es könnte den Klimaschutz weltweit positiv beeinflussen. Prof. Claudia Traidl-Hoffmann vom Universitätsklinikum Augsburg (UKA) ist Teil einer internationalen Gruppe von Wissenschaftlern, die das Papier letzten Monat an die Vereinten Nationen (UN) in New York übergeben hat. Titel: Air Pollution and Health. Auf Deutsch: Luftverschmutzung und Gesundheit. Das Papier beschreibt und belegt den Zusammenhang von dreckiger Luft und vorzeitigen Todesfällen weltweit. Experten gehen von mindestens fünf Millionen Toten pro Jahr durch Luftverschmutzung aus.

UN akzeptiert das Papier

Das Besondere an der Übergabe des Papiers ist nicht etwa sein Inhalt, sondern die Tatsache, dass die UN es angenommen und akzeptiert hat. Damit hat Air Pollution and Health den Status einer Richtlinie erhalten. Diese ist zwar für die einzelnen Länder rechtlich nicht bindend. „Aber wenn die UN Staaten auf der ganzen Welt auffordert, ihre Luftverschmutzung zu messen, Daten zu erheben, konkrete Maßnahmen zu ergreifen und Kontrollmechanismen einzuführen – dann hat das schon Gewicht“, erklärt Traidl-Hoffmann, die am UKA die Ambulanz für Umweltmedizin leitet und am UNIKA-T, einem Zusammenschluss mehrerer Universitäten und Institutionen, den Lehrstuhl für Umweltmedizin innehat. Damit spielt die Ärztin endgültig mit in der Champions League internationaler Wissenschaftler und Klimaschützer. Erst im November letzten Jahres hat die 49-Jährige bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf offiziell vorgesprochen, ebenfalls zum Thema „Luftverschmutzung und Gesundheit“ Einer der Forschungsschwerpunkte – Umwelt und Gesundheit – der Medizinischen Fakultät Augsburg befasst sich genau mit diesen Themen. „Das ist nicht nur hochaktuell, damit beteiligen wir die Nachwuchswissenschaftler und –ärzte aktiv an der Gestaltung unserer Zukunft“, so Traidl-Hoffmann.

Mitübergebende des Papiers waren Mitglieder der fünf Nationalen Akademien der Wissenschaften und Medizin von Südafrika, Brasilien, Deutschland und den USA. Unter ihnen Persönlichkeiten wie Jacqueline Myriam McGlade aus Kenia. Sie war 2014 und 2017 Chef-Wissenschaftlerin und Direktorin der wissenschaftlichen Abteilung Umwelt bei den Vereinten Nationen in Nairobi. Sowie Beate Ritz, Professorin für Epidemiologie und Umweltschutz an der University of California in Los Angeles/USA. Ritz saß als Expertin jedes Mal mit im Gerichtssaal, wenn wieder gegen den Bayer-Konzern Monsanto Prozess geführt wurde. Dreimal klagten an Krebs erkrankte Menschen gegen Monsanto wegen der Herstellung des Unkrautvernichters Glyphosat, dreimal verlor das Unternehmen.