Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund erhöht seine Preise – 365-Euro-Ticket für Schüler und Azubis geplant

In der zweiten Jahreshälfte wird es im Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund neue Angebote geben, die die Attraktivität des ÖPNV in der Region deutlich erhöhen. Bereits umgesetzt ist die Integration eines monatlichen Pauschalbetrags von Carsharing-Anbietern in das AVV-Abo sowie die Abschaffung des gesonderten Nachtbustarifs. Zudem ist zum 1. August 2021 die Einführung eines 365-Euro-Tickets für Schüler und Auszubildende geplant. Zum 1. Juli 2021 setzt der AVV die im Januar 2021 um sechs Monate verschobene indexbasierte Tarifanpassung von 3,2 Prozent um.

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Symbolbild | Foto: Wolfgang Czech

 

Inhaber:innen von Abonnements profitieren von der Integration eines Pauschalbetrags für die Nutzung von Carsharing-Angeboten in den AVV-Abo-Tarif. Im Rahmen seiner Innovationsinitiative bezuschusst der AVV gemeinsam mit dem Freistaat Abo-Kunden, die gleichzeitig Carsharing nutzen möchten, monatlich mit je sieben Euro. Dies ermöglicht verkehrsträgerübergreifend noch mehr Mobilität und Flexibilität. Der erste Vertragspartner ist swa-Carsharing und der AVV hofft auf weitere Vereinbarungen mit anderen Anbietern in der Region. Die Regelung betrifft bestehende und neu abgeschlossene Abonnements und gilt für alle Kundinnen und Kunden ab 18 Jahren.

Eine weitere Maßnahme ist die Integration des Nachtbus-Tarifs in den regulären AVV-Tarif. Das gesonderte Nachtbusticket wurde bereits zum 1. Januar abgeschafft. Ticketinhaber:innen können seither somit alle AVV-Nachtbusse im Geltungsbereich ihres Fahrscheins inklusive Mitnahmeregeln ohne zusätzliche Kosten nutzen. Ein Vorteil für alle Abonnenten, Monats- und Wochenkartenkunden, aber auch Fahrgäste mit Tagestickets, deren Geltungsdauer auf das Betriebsende ausgeweitet wurde.

365-Euro-Ticket für Schüler und Auszubildende zum 1. August geplant

Zum 1. August plant der AVV zudem die Einführung eines 365-Euro-Tickets für Schüler:innen, Auszubildende, Bundesfreiwilligendienstleistende sowie Teilnehmer:innen an einem freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahr. Es soll 12 Monate gültig sein und zur unbegrenzten Nutzung von Bussen und Bahnen im gesamten Verbundgebiet berechtigen. Die Einführung eines 365-Euro-Tickets wird derzeit als Pilotprojekt vom Freistaat Bayern bis 2023 maßgeblich gefördert. Aus Sicht des AVV könnte dieses Angebot maßgeblich dazu beitragen, junge Menschen langfristig für den ÖPNV zu gewinnen.

„Mit diesen Maßnahmen ist es gelungen, für unsere Fahrgäste attraktive neue Angebote bereitzustellen und insbesondere für Inhaber:innen von Abonnements und Zeitkarten einen erheblichen Mehrwert zu schaffen“, so Dr. Linda Kisabaka, Geschäftsführerin des AVV. „Mit der geplanten Einführung des 365-Euro-Tickets möchten wir jungen Menschen künftig ermöglichen, für nur einen Euro am Tag im ÖPNV unterwegs zu sein. Wir sind uns sicher, dass das der richtige Schritt ist, um sie langfristig für den ÖPNV zu gewinnen.“

 

Tarifentwicklung 2021

Die jährlich stattfindenden Tarifanpassungen werden seit 2016 über ein Index-Verfahren ermittelt. Wie bereits 2020 wurde die Tarifanpassung zum 1. Januar 2021 auf Wunsch der Aufgabenträger um 6 Monate verschoben und erst zum 1. Juli 2021 vollzogen. Die für diese sechs Monate ermittelten Mindereinnahmen in Höhe von rund 1,17 Millionen Euro werden den Verkehrsunternehmen durch die Aufgabenträger des AVV ausgeglichen. Mit den neuen Tarifbestimmungen werden die Preise von Zeitkarten und Abonnements zum 1. Juli 2021 um 3,2 Prozent angepasst. Die Preise für den klassischen „Bartarif“ (Kurzstrecke, Einzelticket und Streifenkarte) werden in diesem Jahr nicht erhöht. Mit der Tarifanpassung entlastet der AVV Gelegenheitsfahrer, während Inhaber:innen von Zeitkarten und Abonnements im Gegenzug von den neuen attraktiven Zusatzangeboten profitieren. „Im bayernweiten Durchschnitt hebt der AVV seine Preise damit erneut moderat an.“, heißt es in einer Mitteilung. „Nach über 5% im verganenen Jahr sollen die Preise für Bus und Straßenbahn schon wieder um mehr als 3 Prozent steigen. Das ist in diesen Zeiten ein fatales Signal. Statt umweltverträgliche Mobilität für alle attraktiv zu machen, werden die Preise nun schon wieder erhöht und damit vor allem für finanziell Schwache unbezahlbar! Gerade Menschen, die aufgrund ihres geringen Einkommens auf Bus und Bahn angewiesen sind, werden unangemessen belastet.“, so Frederik Hintermayr, Stadtrat der Augsburger Linken und weiter “ „Es grenzt doch an Zynismus. Erst wurde wochenlang darüber diskutiert, dass die Spritpreise erhöht werden müssen um das Klima zu retten. Jetzt werden Bus und Straßenbahn in Augsburg teurer. Wir dürfen nicht zulassen, dass Mobilität ein Privileg für Gutverdienende wird. Wie soll da die alleinerziehende Mutter oder der Renter von A nach B kommen? Sozial gerecht geht anders!“

Hintergründe der Tarifentwicklung

„Als Verbund ist es unsere Aufgabe dafür Sorge zu tragen, den öffentlichen Personennahverkehr in unserer Region langfristig leistungsfähig, umweltfreundlich und zukunftssicher aufzustellen. Die Aufrechterhaltung und der Ausbau unserer Angebote sind mit stetig steigenden Kosten verbunden, an denen wir die Fahrgäste regelmäßig in einem gewissen Umfang beteiligen müssen. Die Anpassung der Tarife dient dabei ausschließlich zur Deckung der gestiegenen Kosten der Verkehrsunternehmer“, erläutert Dr. Linda Kisabaka die Hintergründe. Auf die Entwicklung der Tarife wirken sich gestiegene Kosten für Personal, Material, Fahrzeuge und Treibstoffe aus. Den Preissteigerungen liegen objektive, bundesweit ermittelte Indizes zugrunde. Hierbei wird der Berechnungszeitraum April 2019 bis März 2020 betrachtet. Zwar sind die Kosten für Diesel im Berechnungszeitraum indexbasiert um 3,8 Prozent gesunken, aber alle anderen Kostenblöcke verzeichnen einen Anstieg: Insbesondere die Personalkosten, die die Hälfte aller Kosten ausmachen, sind um 3,8 Prozent gestiegen. Auch die Kosten für Strom (+0,3 %), Erdgas (+3,0 %), Material (+0,9 %) und Fahrzeuge (+1,8 %) weisen Steigerungen im Berechungszeitraum auf.

 

Wirtschaftliche Herausforderungen durch die Corona-Pandemie

Einkünfte durch den Ticketverkauf sind im AVV ein essenzieller Baustein zur wirtschaftlichen Sicherung der Verkehrsunternehmen. Steigende Kosten für die Erbringung der Verkehrsleistung müssen den Verkehrsunternehmen durch Einnahmen aus Ticketverkäufen und Beiträge der Öffentlichen Hand ausgegelichen werden. Hier machen sich die Folgen der Corona-Pandemie nach wie vor deutlich bemerkbar, die zu teils drastischen Fahrgast- und Einnahmerückgängen geführt hat und damit höhere Zuschüsse der Aufgabenträger erfordert. Zugleich mussten hohe Investitionen in Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit von Mitarbeiter:innen und Fahrgästen getätigt werden.