Augsburger Westpark mit dem Deutschen Landschaftsarchitekturpreis ausgezeichnet

Der Westpark, der nach dem Abzug der US-Soldaten zwischen den früheren Kasernenflächen Sheridan und Reese entstand, ist mit dem Deutschen Landschaftsarchitekturpreis ausgezeichnet worden.

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Foto: Stadtplanungsamt / Stadt Augsburg

Dabei setzte sich das Augsburger Projekt gegen 118 weitere Bewerbungen durch. Die neun vom Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) berufenen Preisrichter vergaben den ersten Preis in diesem Jahr an das Büro „Lohaus · Carl · Köhlmos, Landschaftsarchitekten · Stadtplaner“ aus Hannover, das den Park im Auftrag der Stadt Augsburg und der Wohnbaugruppe Entwickeln (ehemals AGS) entworfen hat. Neben der vielseitigen Gestaltung des Parks, die die Geschichte des Areals aufgreift, lobte die Jury: „Insbesondere auch durch seinen Planungsprozess leistet der Westpark einen weit über Augsburg hinausstrahlenden Beitrag für die Landschaftsarchitektur.“ Der Park ist in jahrelanger und enger Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt und dem Amt für Grünordnung entstanden.

Oberbürgermeisterin Eva Weber: „Aus Vergangenheit wird Zukunft“

Oberbürgermeisterin Eva Weber nahm die Nachricht mit großer Freude entgegen: „Das Projekt Westpark zeigt auf eindrucksvolle Weise wie aus brachliegenden Flächen im wahrsten Sinne des Wortes etwas großartiges Neues erwachsen kann. So wird aus Vergangenheit Zukunft gemacht! Der 600.000 Quadratmeter große Westpark ist eine grüne Oase, nicht nur für die Pferseer und Kriegshaber Bewohnerinnen und Bewohner, sondern für viele Augsburgerinnen und Augsburger und Nachbarn aus dem Umland. “

Mit Bürgerbeteiligung zum Erfolg des Lieblingsprojekts

Die Projektleiterin für Konversionsflächen, Nicole Christ: „Wir sind sehr stolz, denn das hier ist auch ein Projekt der Bürgerschaft, die sich im Rahmen des Beteiligungsprozesses stark eingebracht hat! Mein Dank gilt unseren „Experten vor Ort“, der Landschaftsarchitektin Irene Lohhaus, sowie meinen Kolleginnen und Kollegen der beteiligten Fachämter, Ursula Steude, Werner Kaupp und Friedrich Pimpl. Sie alle haben das Gemeinschaftsprojekt zu einem Erfolgsprojekt gemacht! Besonderer Dank gebührt auch dem Freistaat Bayern und der Regierung von Schwaben, die die Realisierung des Projekts mit hohem Mitteleinsatz aus der Städtebauförderung überhaupt ermöglicht haben.“ Die federführende Landschaftsarchitektin Prof. Irene Lohaus teilt mit: „Wir freuen uns riesig, dass wir ausgerechnet mit einem unserer absoluten Lieblingsprojekte auch noch diese tolle Anerkennung bekommen. Die Arbeit am Westpark hat uns über viele Jahre begleitet. Ganz herzlichen Dank an alle Beteiligten für die tatkräftige Unterstützung!“

Preisverleihung findet im Oktober statt

Mit dem seit 1993 alle zwei Jahre vergebenen Preis werden beispielhafte Projekte und deren Verfasser ausgezeichnet. Gegenstand ist eine sozial und ökologisch orientierte Siedlungs- und Landschaftsentwicklung sowie eine zeitgemäße Freiraumplanung. Gewürdigt werden herausragende, auch konzeptionelle Planungsleistungen, die ästhetisch anspruchsvolle, innovative, ökologische Lösungen aufweisen. Der bdla veröffentlicht die ausgezeichneten und nominierten Arbeiten in einer Wettbewerbsdokumentation. Die Ehrung erfolgt, sofern es das Pandemiegeschehen erlaubt, im Rahmen einer abendlichen Festveranstaltung am Freitag, 8. Oktober 2021, in Berlin.

Hintergrund und Fakten zum Westpark

Der Westpark erstreckt sich über eine Fläche von rund 60 Hektar (entspricht etwa 80 Fußballfeldern) durch den Augsburger Westen und ist damit der größte je geplante Grünzug Augsburgs.

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Hajo Dietz / Nürnerberg Luftbild

Mit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte 1998 bot sich für die Stadt Augsburg die Chance, die Konversion der Kasernen für eine gesamträumliche Entwicklung des Augsburger Westens zu nutzen und das gesamtstädtische Grünraumsystem um einen mit der Wertachaue verknüpften Ring zu erweitern. Die Geschichte der ehemaligen militärisch genutzten Kasernenflächen durch die Amerikaner ist in der Gestaltung des Parks ablesbar. So erinnern eingestreute Stauden- und Gräserbeete an die amerikanischen Prärielandschaften und insbesondere die im Herbst bunt belaubten Bäume liefern einen Anklang an den Indian Summer. Die teilweise umfangreich vorhandenen, erhaltenswerten Bestandsbäume wurden in den Park integriert.
Verbindendes Element des Westparks stellt das mäandrierende Hauptwegeband dar, das an den ehemaligen Flussraum der Wertach erinnert. Ein ergänzendes engmaschiges Netz an kombinierten Fuß- und Radwegen schafft zudem direkte Verbindungen durch den Park und in die Stadtteile hinaus.

Der Weg ist je nach Wahl der Schleife eine schnelle und effiziente oder eine langsame und gemütliche Verbindung.

Alleinstellungsmerkmal des Parks ist die Dichte an verschiedenen Spiel- und Sportmöglichkeiten. So wurden im Sheridanpark und im Reesepark rund vier Hektar altersübergreifende Spiel- und Sportflächen geschaffen. Besonders ins Auge stechen die optisch hervorgehobene Calistenics-Anlage, die vulkanartigen Betonhügel zum Skaten und die topografischen Grashügellandschaften im Sheridan-Park. Die Angebote sind gut sichtbar in die Aufweitungen des Hauptwegenetzes eingebettet und ganzjährig nutzbar. Sie laden zum Erforschen, Experimentieren und Erkunden des gesamten Parks ein. Im Reeseteil befindet sich beispielsweise der Landschaftsausschnitt „Table Mountains“, der als Bewegungsanimation für alles, was Rollen hat funktioniert – vom Laufrad über Rollerblades, Bikes und Skates bis zum Rollstuhl.