Augsburgs Bischof Bertram feiert Ostern im Hohen Dom

Das Gartengrab Jesu als Bühne für das Osterfest: Bischof Dr. Bertram Meier hat heute in seiner Predigt zum Ostersonntag von der Auferstehung als Freudenfest der Christenheit gepredigt. So sei das biblische Motiv des Gartens auch als Ermunterung an die Kirche zu verstehen: „Wo Leben ist, wirken wir einladend.“

Osternacht 29.Jpg
Bischof Bertram | Foto: Bruder

Oster- und Oktoberfest lägen so weit nicht auseinander, sagte der Bischof eingangs in seiner Predigt: „Beide Feste finden im Freien statt, mitten in der Natur: das Oktoberfest auf der Theresienwiese, das erste Osterfest in einem Garten vor den Toren Jerusalems. Ostern ist ein Gartenfest.“

Jesus sei als Gärtner des Lebens zu verstehen, der den Menschen den Zugang zum Garten Eden neu eröffnen und damit den Sündenfall Adams rückgängig machen wolle: „Jesus ist der neue Adam, der Gärtner, dem es nicht um sich selbst geht, sondern nur um den Willen Gottes.“

Der Gottessohn schlage mit seiner Auferstehung nicht nur ein neues Kapitel auf, er wende das Blatt wie ein Stück Erde. „Sühne und Schuld werden umgegraben“, sagte Bischof Bertram und zitierte den frühneuzeitlichen Philosophen Blaise Pascal: „In einem Garten ging die Welt verloren, in einem Garten wurde sie erlöst.“

Doch gelte freilich auch: „Es gibt kein Paradies auf Erden.“ Dies gelte auch für die Kirche. „Ich finde, dass unser Bistum – trotz Pandemie – ein echtes Biotop der Hoffnung ist“, betonte der Bischof. Wie in einem blühenden Gartenbiotop sei auch die Kirche von Augsburg Heimat für den christlichen Glauben in seiner ganzen reichen Vielfalt.

„Biotop heißt Vielfalt der Arten und Charaktere. Monokulturen sind langweilig. Wer sich auf uns einlässt, dem wird es nicht langweilig, der kommt nie zur Ruhe“, so Bischof Bertram. Alle Menschen sollten in der Kirche erleben, wie vielfältig und unterschiedlich sich Glauben, Hoffen und Lieben, artikulieren könnten. „Im Garten Gottes ist nichts und niemand gering. Vor ihm darf sich jeder und jede sehen lassen“, sagte der Bischof. Im Bistums-Biotop solle der Reichtum des Lebens blühen: „Wo Leben ist, wirken wir einladend.“

Der Gottesdienst wurde live aus dem Hohen Dom zu Augsburg übertragen und konnte auch in den regionalen Sendern a.tv und Allgäu-TV verfolgt werden. Musikalisch wurde die Festmesse von den Domsingknaben und Solist/-innen der Dommusik begleitet.

Auch die Osternacht zuvor war live auf der Bistumshomepage und in a.tv übertragen worden. In seiner Predigt dort deutete Bischof Bertram Ostern als kollektives Hoffnungszeichen, dass es „trotzig und frech“ zu feiern gelte.

Als die drei Frauen um Maria Magdalena das leere Grab Jesu vorgefunden hätten und damit zu den ersten Zeuginnen der Auferstehung überhaupt wurden, sei von österlicher Freude keine Spur gewesen. Stattdessen seien sie laut biblischer Überlieferung voller Angst davongelaufen. Wenn heutige Christen Ostern als Freudenfest begehen könnten, so liege das am Bild des Auferstandenen, sagte der Bischof.

„Wir haben gehört und können sagen, wie Jesus Christus aussieht: Der Auferstandene zeigt die Wunden seines Leidens“, so Bischof Bertram. Christus habe die Macht des Todes gebrochen, doch sei gleichzeitig verletzt und gezeichnet vom Leiden geblieben: „Es ist dieses Bild vom verwundeten Christus, das wir den drei Frauen voraushaben.“

Auf der anderen Seite seien uns die Frauen mit ihren Ängsten aber auch wieder sehr nahe: „Lastet nicht auch auf uns die Sorge jenes schweren Steines, hinter dem alle Hoffnung begraben liegt?“ Die Wundmale unseres Lebens seien auch die Wunden des Karfreitags, der Nacht der Welt und in unserem Herzen. So wie das Licht der Osterkerze für sich allein das Dunkel des Domes nicht ganz ausleuchten könne, gehe auch die Nacht weiter – „doch sie ist verklärt. In ihr leuchtet die kleine Flamme von Ostern. Und dieses kleine Licht hat mehr recht als die große Dunkelheit!“, betonte der Bischof.

Die Osterlichten brennten aber auch trotz und gerade wegen der Einschränkungen der Corona-Pandemie, sagte er und zitierte den Augsburger Journalisten Alois Knoller: „Es wird einige Zeit dauern, bis unter uns wieder Vertrauen ins Miteinander wächst.“ Das Osterlicht leuchte mitten in die Passionszeit unserer Gegenwart hinein und sei Botschafterin der Auferstehung.

„Im Dunkel meines Lebens, hinter den Ängsten, die mich heute bedrängen, blitzt das Licht von Ostern auf.“ Gerade deshalb sei das Fest ein „kollektiver Hoffnungsmoment“, den es nicht nur in der Gemeinschaft, sondern auch persönlich zu Hause zu feiern gelte. Statt der Osterkerze in der Kirche könne man auch eine Kerze bei sich zuhause anzünden als Symbol für Auferstehung und Leben statt Sterben und Tod. Man müsse Ostern „trotzig und frech in Corona-Zeiten“ feuern und mit Zuversicht das Leben begrüßen, das stärker ist als der Tod: „Christus ist auferstanden. Halleluja. Amen.“