Jede Menge Ausfälle, Aussetzer und Aufreger bot das Regionalliga-Heimspiel des FC Memmingen gegen Viktoria Aschaffenburg. 1:3 (0:3) hieß es am Ende nach einem Fußballabend, der reichlich für Diskussionsstoff sorgte. Das große Thema hätte dabei eigentlich sein müssen, wieso die Hausherren die erste Viertelstunde praktisch nicht vorhanden waren, sich gleich drei Gegentreffer einschenken ließen und das Spiel praktisch hier schon entschieden war. Aber andere Geschehnisse und Schiedsrichter Markus Pflaum (SV Dörfleins) lenkten davon im weiteren Verlauf ab.

2019-20_fc-memmingen-Boyer-Philipp.jpg Ausfälle, Aussetzer, Aufreger | FC Memmingen verliert Spiel gegen Aschaffenburg in der Anfangsviertelstunde mehr Fußball Memmingen News Sport FC Memmingen FCM Regionalliga Bayern Viktoria Aschaffenburg | Presse Augsburg
Philipp Boyer erzielte das einzige Memminger Tor Foto: Patrick Hörnle / FC Memmingen

Erneut gab es kurz vor dem Anpfiff eine schlechte Personalnachricht. Mit Lirim Kelmendi musste der nächste der erfahrenen Spieler passen. Ein Bluterguss im Knie aus der Trainingswoche machte zu. Ganz kurzfristig musste mit Lukas Ender (19) der nächste der ganz jungen von Beginn an ran. Vielleicht war es ein Ausfall zuviel, erklärlich war es dennoch nicht, was sich die ersten 15 Minuten aus Memminger Sicht abspielte. Zuvor noch angesprochen, dass Aschaffenburg schnell mit langen Einwürfen arbeitet, führten genau solche zu den beiden ersten Gegentreffern. Einer landete im Fünf-Meter-Raum, Gashi schob ins lange Eck ein (8.). Nach einem weiteren Einwurf kam Desch ungehindert an der Strafraumgrenze zum Schuss (11.). Dann ein Fehler im Spielaufbau. Schnitzer narrte die Innenverteidigung und konnte fast noch fragen, wo FCM-Torhüter Felix Thiel den Ball hinhaben will (14.). Damit ist das erste – und spielentscheidende Kapitel schon erzählt.

Nach einem Foul gings rund

Kapitel Nummer zwei mit der restlichen Netto-Spielzeit von 65 Minuten blieb für die 748 Zuschauer trotz der scheinbar klaren Verhältnisse aufgrund der folgenden Ereignisse dennoch interessant. Stark im Blickpunkt war das Gespann um Schiedsrichter Markus Pflaum, der sich einmal mehr in Memmingen kaum Freunde machte. Nach einem Foul an Mario Nickel ließ er zunächst Vorteil laufen, zückte im Nachgang die eigentlich fällig Gelbe Karte gegen Aschaffenburg nicht (24.). Kurz darauf stieg Nickel gegen Boutakhrit an der Außenlinie genau vor der Memminger Bank hart ein. Pflaum zückte sofort Rot. Es kam zur Rudelbildung nach der FCM-Ersatzspieler Ari Kelmendi ebenfalls die Rote Karte sah. Aschaffenburg war mit dem kompletten Personal ebenfalls an den Turbulenzen in der Memminger Coaching-Zone beteiligt, blieb aber ohne Strafe, was bei Rudelbildung aber eigentlich zwingend vorgeschrieben ist.

Aschaffenburg stieg teils hart ein

In der Halbzeitpause fielen auf beiden Seiten deutliche Worte. FCM-Trainer Uwe Wegmann tobte aufgrund des Drei-Tore-Rückstands innerhalb der ersten Viertelstunde und der Undiszipliniertheiten auf der Bank. Jochen Seitz ebenfalls, weil die Viktoria das Fußballspielen nach dem klaren Vorsprung mehr oder minder eingestellt hatte. Nach dem Wechsel versuchte Memmingen mehr als nur Schadensbegrenzung zu betreiben, kam gleich durch Philipp Boyer auf 1:3 heran (47.) und hätte nach einem Kontakt von Verkamp an Can Karatas im Strafraum auch einen Elfmeter bekommen müssen (60.). Pflaum quittierte die Fehlentscheidung mit einem breiten Grinsen in Richtung seines Assistenten, was die Zuschauer noch mehr aufbrachte. In der Schlussphase hatte der Unparteiische doch auch noch Verwarnungen für die Gäste parat, unter anderem für Schnitzer, der zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr auf dem Platz hätte stehen dürfen. Ein Nachtreten gegen FCM-Kapitän Lukas Rietzler von hinten blieb zuvor nämlich ungeahndet, obwohl Pflaum und sein Assistent nur wenige Meter vom Ort der Tat entfernt waren und die Attacke hätten sehen müssen.

Beim FC Memmingen heißt es vor dem Pokal-Viertelfinalspiel am Donnerstag (14 Uhr) erst einmal wieder Ruhe reinbringen, sich sortieren, schauen, welche Folgen die Platzverweise haben und wer gegen Schalding-Heining auflaufen kann. Durchaus selbstkritisch wurden auch die Vorfälle Mitte der ersten Halbzeit angesprochen. „Das geht so nicht“, wurde FCM-Präsident Armin Buchmann deutlich.

Trainerstimmen:

Uwe Wegmann (FC Memmingen): „Das Spiel war nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Solche Geschenke dürfen nicht passieren. Wir waren unsortiert und gingen 0:1 in Rückstand – bei einer Eins-gegen-eins-Situation. Das geht einfach nicht. Wir haben viele junge Spieler und da passiert noch der eine oder andere Konzentrationsfehler. Nach den Roten Karten habe ich auf 4-4-1 umgestellt. Wir hatten dann auch das Quäntchen Glück und haben den Anschlusstreffer gemacht. Mit der einen oder anderen Standardsituation hätten wir auch noch das 2:3 erzielen können. Insgesamt war es sehr ärgerlich, wie die Gegentore gefallen sind. Die Roten Karten dürfen so auch nicht passieren.“

Jochen Seitz (SV Viktoria Aschaffenburg): „Wir sind sensationell und effizient ins Spiel gekommen. Wir hatten drei Chancen und führten 3:0. Dann kamen die Roten Karten und es war eigentlich alles klar. Allerdings hat man danach nicht gesehen, dass wir einen Spieler mehr auf dem Platz hatten. In der zweiten Halbzeit wollten wir so weiterspielen, bis in der 47. Minute das Traumtor gegen uns fiel. Danach stand das Spiel auf des Messers Schneide. Ich war eigentlich nur mit den ersten 15 Minuten richtig zufrieden. Memmingen hat Spieler mit Qualität, die uns trotz unseres Sieges große Probleme bereitet haben.“

FC Memmingen: Thiel – Ender, Gräser, Sirch, Boyer (88. Morou) – Karatas, Kücük (46. Skrijelj), Rietzler, Remiger (72. Watanabe) – Greisel – Nickel.

Viktoria Aschaffenburg: Birk – Boutakhrit, Schmidt, Ech Chad, Zehnder – Cheron (71. Fritsch) – Desch, Baier, Schnitzer, Verkamp (85. Grünewald) –– Gashi (58. Harrer)

Tore: 0:1 (8.) Gashi, 0:2 (11.) Desch, 0:3 (15.) Schnitzer, 1:3 (47.) Ph. Boyer.

Gelbe Karten: Remiger, Kücük / Ech Chad, Schnitzer. – Rote Karten: Nickel (24./grobes Foulspiel), A. Kelmendi (26. Unsportlichkeit)

Schiedsrichter: Pflaum (Dörfleins)

Zuschauer: 748