Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock hat nach knapp zwei Jahren im Amt eine sexistische Bewertung von Frauen in Führungspositionen beklagt. „Ein großer Vorsatz von mir war, ich selbst zu bleiben“, sagte Baerbock den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Freitagsausgaben) vor Beginn des Bielefelder Parteitages, bei dem ihre Wiederwahl ansteht. Es sei aber schwer, „nicht in Sprechblasen zu flüchten, wenn jedes Wort, jeder Versprecher auf die Goldwaage gelegt werden. Und bei Frauen kommt dann immer noch mal eine andere Bewertungskategorie dazu. Wie stark die noch ausgeprägt ist, ja das hat mich schon überrascht“, so die Grünen-Chefin weiter.

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Für so „banale Dinge wie die Stimme und die Art des Sprechens zum Beispiel“ greife nach wie vor „der männliche Maßstab. Statt Argumenten wie, die These teile ich nicht, kommt schnell, die spricht zu hoch, zu schnell, zu zickig. Beim Alter wiederum wird mit zweierlei Maß gemessen. Frauen sind sehr schnell zu jung, und implizit klingt in der Beschreibung dann mit, also zu unerfahren“, sagte Baerbock.

Wenn man in Runden allein unter Männern sitze, seien „die Spielregeln eben doch arg männlich, mit fahlen Witzen, breitbeinigem Auftreten. Ganz zu schweigen von Hass und Mobbing im Netz, wo sich sexualisierte Gewaltphantasien ausbreiten“, so die Grünen-Politikerin weiter.

Die Schwierigkeit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf komme hinzu. Mit Blick auf die zuletzt vom baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) aufgeworfene Frage einer Kanzlerkandidatur der Grünen sagte Baerbock: Der Grünen-Co-Vorsitzende Robert Habeck und sie selbst seien „mit dem Versprechen angetreten, nicht um uns selbst zu kreisen“. Man sage, wie man „die Dinge besser machen“ wolle.

„Das wollen wir in den nächsten zwei Jahren fortführen – gemeinsam. Alles andere entscheiden wir, wenn es konkret ansteht. Das sieht Winfried Kretschmann ja genauso“, sagte die Grünen-Chefin den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.