Bahn stellt erste Planungsergebnisse für das Projekt Ulm-Augsburg vor

Für den Aus- und Neubau der Bahnstrecke zwischen Ulm und Augsburg stellte die Bahn am Freitag der Kommunalpolitik erste Planungsergebnisse vor. Der bayerische DB-Konzernbevollmächtigte Klaus-Dieter Josel präsentierte in der Fuggerstadt vier Trassierungsräume zwischen Lech und Iller, innerhalb derer nun eine Streckenführung gesucht wird. Die Bahn muss dabei die, vom Bund vorgegebenen verkehrlichen Anforderungen, unter anderem Fahrzeitverkürzung um rund eine Viertelstunde auf 26 Minuten sowie Züge mit Höchstgeschwindigkeit 300 km/h, Güterzugtauglichkeit und gleichermaßen die Siedlungsgebiete und Naturschutzräume berücksichtigen.Bahnprojekt-Ulm-Augsburg-Karte-Trassierungsraeume-2020 Bahn stellt erste Planungsergebnisse für das Projekt Ulm-Augsburg vor Augsburg Stadt Günzburg Neu-Ulm News Wirtschaft Bahn Ullrich Ulm-Augsburg | Presse Augsburg

Die vier Trassierungsräume einschließlich einer Untervariante bestehen jeweils aus einer Mischung von unterschiedlich langen Ausbau- und Neubaustreckenteilen. Teilweise verlaufen sie parallel zur Autobahn, teilweise auch entlang der bestehenden Strecke. Die Trassierungsräume sind 500-Meter breite Bänder, die sich auf rund 70 Kilometer Länge zwischen Ulm und Augsburg entlang ziehen. Im nächsten Planungsschritt werden sie auf nur 20 Meter breite Linien konkretisiert. Josel: „Viele Schutzgebiete lassen nur wenig Platz für die neue Strecke. Vermutlich werden wir in vielen Fällen auch Tunnelabschnitte zu untersuchen haben.“

Die Bahn wird die Planungen weiterhin ergebnisoffen vorantreiben. Nach den ersten Informationen für die Kommunalpolitik wird auch ein virtueller Infomarkt auf der Projekthomepage freigeschaltet. Zudem folgen in den kommenden Wochen auch Online-Veranstaltungen für Bürger.

„Wir erwarten, dass die möglichen ,Trassierungsräume‘ für die Strecke, die die Deutsche Bahn AG am 16. Oktober 2020 vorstellt, ergebnisoffen und vergleichend geprüft werden und dass die Politik im Bund, im Freistaat und in der Region diesen Prozess mit vorantreibt“, erklärten die beiden Ausschuss-Vorsitzenden Josef Brandner (Schwaben) und Harald Seifert (Ulm) in der Sitzung, in der Bahn-Projektleiter Markus Baumann den Planungsauftrag und den Weg zur Umsetzung des Vorhabens vorstellte.

„Der Dialog mit der Region ist ein zentraler Bestandteil eines großen Infrastrukturvorhabens. Unser Projektteam wird mit passenden Formaten, wie einem Dialogforum, Workshops und Auftritten vor Ort – soweit es die Rahmenbedingungen zulassen – die Bürger miteinbeziehen,“ so der DB-Konzernbevollmächtigte.

Günzburg bleibt Fernverkehrshalt

Ein schneller und moderner Schienenverkehr kommt nicht nur Bayerisch- Schwaben zugute. Die Strecke von Ulm nach Augsburg ist Teil der wichtigen Verbindung von Köln nach München. Im vergangenen Jahrzehnt hatte die DB bereits die vielbefahrene Strecke Augsburg-München von zwei auf vier Gleise ausgebaut. Derzeit ist die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke Ulm-Stuttgart im Bau.

Der 160 Jahre alte Abschnitt in Bayerisch-Schwaben soll für Züge mit Höchstgeschwindig-keiten von bis zu 300 km/h ausgebaut werden. ICE-Züge benötigen dann nur noch 26 Minuten zwischen Augsburg und Ulm und sind damit rund eine Viertelstunde schneller als heute. Im Rahmen des künftigen Deutschlandtaktes finden Reisende in beiden Städten bessere Anschlüsse vor.

Im Günzburger Bahnhof werden dabei – genauso wie bisher – weiterhin Fernverkehrszüge halten.

Die heutige gut 85 Kilometer lange Strecke ist auch Teil der großen Ost-West-Magistrale von Frankreich quer durch Süddeutschland und weiter nach Österreich, die Slowakei und Ungarn.

Josel: „Es entsteht ein regionaler und ein überregionaler Nutzen. Neben dem schnellen Fernverkehr profitiert auch der Regionalverkehr, denn auf der bestehenden Strecke werden entsprechende Kapazitäten frei. Und es gibt Lärmschutz für viele Anwohner.“

Als nächsten Schritt wird die Bahn die Planungen so weit voranbringen, dass Ende 2022 ein Raumordnungsverfahren begonnen werden kann.

Bahnausbau reduziert CO-2

Mit dem Bahnprojekt Ulm–Augsburg ergibt sich konkret folgendes Einsparungspotential: Es können 112 Millionen Pkw-Kilometer im Nah- und Fernverkehr pro Jahr eingespart werden. Auf den Straßen der Region werden nach dem Ausbau pro Jahr 17 Millionen Lkw-Kilometer weniger als bisher gefahren. 23.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2)-Emissionen im Jahr werden dabei eingespart.

Heute wurde der Projektkoordinierungsrat Bahnprojekt Ulm-Augsburg gegründet, der zweimal jährlich tagen soll mit dem Ziel der regelmäßigen gegenseitigen Information.
Der Bundestagsabgeordnete Dr. Volker Ullrich äußert sich dazu wie folgt:

„Die Konstituierung des Projektkoordinationsrates zum Bahnprojekt Augsburg- Ulm war ein wichtiger Schritt für den Fortgang des Projekts. Mit der Vorstellung von Trassierungsräumen hat die Bahn die Grundlage für eine Diskussion in und mit der Region gelegt und aufgezeigt, dass eine Realisierung des Projekts mit einer deutlichen Fahrtzeitverkürzung möglich ist. Jetzt ist eine Einbindung der Bevölkerung, der Kommunen und der Verbände wichtig, um eine Akzeptanz zu schaffen. Es geht um eine Planung für und mit der Region. Wichtig ist, dass nun klarer ist, worüber gesprochen wird. Das Ziel muss sein, sich in den nächsten Jahren auf ein – oder zwei Vorzugsvarianten zu einigen, die ins Raumordnungsverfahren gehen und dann ins parlamentarische Verfahren kommen.
Wichtig ist: Die Einbindung der Bahnstrecke Augsburg-Ulm in den Deutschlandtakt mit einer Kantenfahrzeig von 26 Minuten sind die unumstößlichen Eckpunkte der Planung. Am Ende muss der gemeinsame Erfolg des Projektes stehen. Es muss möglich sein, dieses Großprojekt zügig und dennoch mit Sorgfalt zu realisieren.“