Bayerische Staatsregierung sieht Pläne zur Aufspaltung von Premium Aerotec in Augsburg kritisch

An mehreren Standorten des Flugzeugbau-Zulieferers Premium Aerotec – darunter auch in Varel/Ostfriesland – haben heute Solidaritäts-Kundegebungen für das von der Aufspaltung bedrohte Unternehmen stattgefunden. Wie bekannt, beabsichtigt Airbus, seine Augsburger Tochter Premium Aerotec aufzuspalten und möglicherweise zu verkaufen.

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Söder setzt sich verstärkt für Luft- und Raumfahrtunternehmeb in Bayern ein Archivfoto: Wolfgang Czech

Am Standort Augsburg wird der Verkauf der Einzelteilfertigung geprüft, wo 2200 der insgesamt 2800 Beschäftigten von Premium Aerotec arbeiten. Betriebsrat und IG-Metall befürchten, eine Verlagerung von Produktionsteilen und die Zusammenlegung mit anderen Airbus-Bereichen sowie die Ausgliederung der Einzelteilfertigung, bis hin zu Gehaltskürzungen und den Abbau von Arbeitsplätzen.

Investitionsförderungen zur Arbeitsplatzsicherung

Oberbürgermeisterin Eva Weber betont: „Mit der Solidaritäts- Kundgebung setzen wir zusammen mit Betriebsrat, Gewerkschaften und der Augsburger Öffentlichkeit ein Zeichen, dass die deutsche Luftfahrt nur mit dem Standort in Augsburg im Airbus Verbund weiter existieren kann!“ Wie auch ihr Amtskollege in Varel, Gerd-Christian Wagner, verweist OB Weber darauf, „dass der Premium Aerotec-Standort in Augsburg mit hohen Investitionsförderungen gestärkt worden ist, nicht zuletzt, um hier langfristig Arbeitsplätze zu sichern. Deswegen stelle ich mich an die Seite der Betriebsräte und unterstütze deren Forderungen!“, so die Oberbürgermeisterin.

Forderungen der Betriebsräte

Gefordert wird der Verzicht auf Abspaltung und Verkauf der Standorte in Varel und Augsburg. Eine separierte Einzelteil GmbH soll es nicht geben. Gefordert wird außerdem eine Zukunftsperspektive für alle betroffenen Standorte und alle Beschäftigten sowie feste Zusagen für Arbeitsanteile mit Volumen und Kompetenzen in bestehenden und zukünftigen Projekten und Programmen. Eine weitere Forderung ist schließlich auch eine langfristige Zukunfts- und Beschäftigungssicherung über einen Tarifvertrag

„Allianz des Nordens“ lehnt Airbus-Pläne ab

Ihre Solidarität mit Premium Aerotec zeigt Augsburg auch als Mitglied der „Allianz des Nordens“, einem in Niedersachsen gegründeten parteiübergreifendes Bündnis zur Stärkung der Luftfahrtbranche. Die Allianz lehnt die Pläne des Airbus- Managements zur Schaffung eines weiteren Unternehmens zu den so genannten Einzelteilen ab. Es steht vielmehr hinter dem von IG-Metall-Betriebsräten entwickelten Arbeitnehmervorschlag einer Neuausrichtung der Strukturfertigung bei Airbus inklusive der PAG Standorte. Oberbürgermeisterin Eva Weber betont: „Einen Stellenabbau bei Premium Aerotec gilt es unter allen Umständen zu verhindern. Es geht um eine Zukunftsperspektive für alle Standorte des Unternehmens. Dem Motto der Kundgebung kann ich mich daher nur voll und ganz anschließen: „Zusammenhalten für die Zukunft bleibt unser Weg durch die Krise“.
Botschaft von Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder
Zur Kundgebung brachte Augsburgs Stadtchefin ein Schreiben von Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder mit, das sie dort vorlas.

Das Schreiben im Wortlaut:

„Die Bayerische Staatsregierung sieht die Pläne von Airbus bezüglich der Aufspaltung von Premium Aerotec in Augsburg sehr kritisch. Bei allem Verständnis für die betriebswirtschaftlichen Belange des Unternehmens geht es hier um hochwertige Arbeitsplätze in der Region Augsburg – um Ihre Arbeitsplätze. Das Unternehmen AIRBUS und ganz klar auch der Bund als größter Anteilseigener müssen zusammen mit Frankreich die Belange der Beschäftigten ordentlich berücksichtigen.

Die Bayerische Staatsregierung hat sich von Anfang an für die Interessen der Arbeitsnehmer bei Premium Aerotec eingesetzt und in zahlreichen Gesprächen auf regionaler sowie nationaler Ebene Lösungen gesucht. Gemeinsam mit dem ebenfalls betroffenen Land Niedersachsen habe ich mich dann Ende Mai mit Ministerpräsident Stephan Weil aus Niedersachsen an die Bundeskanzlerin gewandt und gebeten, auf Airbus mit dem Ziel einzuwirken, die geplante Aufspaltung und den Verkauf der Einzelteilfertigung der Premium Aerotec kritisch zu überdenken.

Die Staatsregierung möchte, dass Airbus die Ausgliederung und einen Verkauf der Teilefertigung nochmals überprüft. Anliegen Bayerns ist ein Gleichlauf des Vorgehens in Frankreich und Deutschland. Airbus steht in der Gesamtverantwortung für die heutige zivile und militärische Wertschöpfung von Einzelteilen bis zu komplexen Strukturbauteilen und Montagen in Deutschland.

Aus Sicht der Staatsregierung könnten vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung die Arbeitsplätze an den PAG- Standorten langfristig gesichert und die gesamte Wertschöpfungskette in der zivilen und militärischen Luftfahrt von der Einzelteilfertigung bis hin zur Montage großer Strukturbauteile erhalten werden.

Den Arbeitnehmern von Premium Aerotec in Augsburg können wir versichern, dass wir mit großem Nachdruck die Angelegenheit verfolgen werden. Wir stehen an Ihrer Seite und sind intensiv im Einsatz für Ihre Belange“