Die neue Schwerpunktkampagne von Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml zu sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) stößt auf großes Interesse. Huml betonte am Freitag: „Knapp eine Woche nach dem Start der Kampagne haben bereits mehr als 350.000 Menschen die Videos von zwei Internet-‚Influencern‘ gesehen, die uns unterstützen. Das ist ein großer Erfolg.“

Huml fügte hinzu: „In den kommenden Monaten informieren wir vor allem über soziale Netzwerke wie YouTube und Instagram darüber, wie man sich zum Beispiel vor AIDS oder Syphilis schützen kann.“ Eingebunden sind insgesamt sieben „Influencer“, von denen  ChrisTezz und Jonas Ems bereits ihre Videos veröffentlicht haben. Diese Videos wurden bis zum Freitagvormittag mit rund 22.000 „Likes“ bewertet und mit über 1.100 Kommentaren versehen.

Die Kampagne unter dem Hashtag #STIauftour richtet sich gezielt an junge Leute im Alter zwischen 17 und 25 Jahren. Auch die App „Tellonym“ kommt zum Einsatz. Dabei beantworten Experten der Bayerischen AIDS Stiftung und der Münchner Aids-Hilfe donnerstags zwischen 19:00 und 21:00 Uhr in einer anonymen Sprechstunde direkte Fragen, ohne dass die Identität des Fragestellers bekannt wird. Bislang gingen über die App Tellonym bereits 355 Anfragen ein.

Huml bekräftigte: „AIDS ist zwar mittlerweile behandelbar, aber noch immer nicht heilbar. Es ist deshalb wichtig, sich konsequent vor einer Infektion mit dem HI-Virus zu schützen. In der Altersgruppe der 20- bis 35-Jährigen ist die Infektionsrate besonders hoch.“

Huml fügte hinzu: „Viele Menschen mit einer sexuell übertragbaren Krankheit wissen nicht, dass sie ansteckend sind. Denn zwischen einer Infektion und einer Diagnose beim Arzt vergehen häufig Jahre. Auch darauf weisen wir in unserer Schwerpunkkampagne hin.“

Mit dem HI-Virus haben sich einer Schätzung des Robert Koch-Instituts zufolge 2017 in Bayern rund 340 Menschen neu infiziert. Darunter sind circa 280 Männer und 60 Frauen. Insgesamt lebten in Bayern Ende 2017 geschätzt rund 9.300 Männer und 2.400 Frauen mit dem HI-Virus.

Die Zahl der bekannten Syphilis-Fälle in Bayern war zuletzt von 678 im Jahr 2013 auf 1.018 Fälle im Jahr 2016 und 1.028 Fälle im Jahr 2017 gestiegen. Aktuell für 2018 wurden 934 Syphilis-Fälle in Bayern gemeldet. Eine Syphilis-Infektion kann unbehandelt schwere Organschäden verursachen und auch das Gehirn angreifen.

Auch andere sexuell übertragbare Krankheiten sind gefährlich. So kann eine Hepatitis-B-Erkrankung zu Leberkrebs und sogar zum Tod führen. Humane Papillomviren (HPV) gelten als Hauptverursacher von Gebärmutterhalskrebs, dem dritthäufigsten weiblichen Genitaltumor, an dem jährlich rund 600 Frauen in Bayern erkranken. Bakterielle Krankheitserreger wie die Gonokokken oder Chlamydien können unfruchtbar machen.