Behindertenbeauftragter fordert Bundestagsdebatte zur Triage

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, fordert eine Bundestagsdebatte über die Frage, nach welchen Kriterien im Notfall entschieden werden soll, welche Corona-Patienten behandelt werden und welche nicht. „Das Thema ist so wichtig, dass sich der Bundestag damit beschäftigen muss“, sagte Dusel den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben). „Das hat er ja auch bei vergleichbaren ethischen Fragen getan, als es zum Beispiel um Sterbehilfe oder Pränatal-Diagnostik ging.“ Ärzte bräuchten eine Guideline, so Dusel.

Behindertenbeauftragter Fordert Bundestagsdebatte Zur TriageKrankenhausflur, über dts Nachrichtenagentur

„Wir können solche Entscheidungen nicht an die Wissenschaft delegieren.“ Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin – ein Zusammenschluss mehrerer medizinischer Fachgesellschaften – hatte im März Empfehlungen veröffentlicht für Entscheidungskriterien in sogenannten Triage-Situationen. „Ich habe die Sorge, dass in der Notsituation, die entsteht, wenn über die Verteilung von Ressourcen entschieden werden muss, dieses Papier falsch ausgelegt wird“, sagte Dusel dazu den Funke-Zeitungen. „Viele Behinderungen gehen einher mit Vorerkrankungen. Das darf nicht heißen, dass deshalb nicht behandelt wird.“ Es müsse ganz klar werden, dass der Zustand vor der Akuterkrankung der Maßstab sein müsse, wenn es wirklich dazu kommt, dass Erfolgsaussichten einer Therapie gegeneinander abgewogen werden müssen. „Dieses Papier braucht dringend eine Klarstellung“, so der Bundesbeauftragte.