Benzinpreise aktuell in Bayern höher als in Norddeutschland – Augsburg besonders teuer

Die hohen Benzinpreise werden zunehmend ein Problem für die Wirtschaft und Verbraucher in Bayern. Die Staatsregierung hat nun darauf reagiert und erste Maßnahmen eingeleitet.

Symbolbild

Derzeit sind in Bayern die Benzinpreise deutlich höher als in Norddeutschland. Noch vor einem Jahr betrug der Unterschied zwischen München und Hamburg ein bis zwei Cent, aktuell sind es über zehn Cent. In Augsburg und Passau beträgt der Abstand sogar 15 Cent. Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) erklärt die Preisunterschiede vor allem mit dem Niedrigwasser des Rheins und der Explosion der Raffinerie in Vohburg.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger: „Der steigende Preis für Benzin, Diesel und Heizöl stellt zunehmend ein Problem für die bayerische Wirtschaft sowie die Privatverbraucher dar. Sicherlich ist richtig, dass das Angebot an Kraftstoffen in Bayern etwas gesunken ist. Das erklärt aber nicht den großen Preisunterschied. Die verbliebenen Raffinerien in Bayern, die noch immer den Hauptteil der in Bayern verbrauchten Kraftstoffe herstellen, erzielen derzeit sehr hohe Gewinnmargen. Dies ist für die Bürger wohl nur schwer nachvollziehbar.“ So sind auch die Benzinpreise in Österreich deutlich niedriger als in Bayern, was sich nicht nur aus der Differenz bei der unterschiedlichen Besteuerung erklären lasse.

Aiwanger hat erste Gespräch mit den Betreibern der Raffinerie in Vohburg mit dem Ziel angestoßen, dass diese schnellstmöglich wieder Betrieb aufnehmen kann. Um den Preisabstand zu Hamburg wieder auf das Niveau von vor einem Jahr zurückzuführen sei es zudem wichtig, dass in Bayern wieder mehr Kraftstoffe zur Verfügung stehen. Hierzu will Aiwanger ein größeres Augenmerk darauf richten, dass die Transportkapazitäten für Treibstoff und Heizöl auf Straße und Schiene innerhalb Deutschlands ausgeweitet werden.

„Die derzeitige Situation macht unsere Abhängigkeit von Öl und Rohstoffen aus dem Ausland mehr als deutlich. Dies zeigt, wie wichtig ein Vorantreiben der Energiewende in Bayern und Deutschland ist, um künftig weniger abhängig von importieren Energieträgern zu sein,“ so Aiwanger.

Tanklaster nun auch an Sonn-und Feiertagen

Innenminister Joachim Herrmann hat die bayerische Polizei angewiesen, Verstöße gegen das Sonn- und Feiertagsverbot von Tanklastwagen zur Versorgung von Tankstellen vorübergehend nicht zu kontrollieren und nicht zu ahnden. Herrmann: „Schon für den kommenden Sonntag, 2. Dezember, soll auf Kontrollen der betreffenden Tanklastfahrzeuge verzichtet werden.“ Der Grund dafür ist die angespannte Versorgungslage beim Mineralöl und die damit einhergehenden hohen Kraftstoffpreise.

Die angespannte Versorgungslage mit Mineralöl ist bundesweit nach Einschätzung des Bundesverkehrsministeriums vor allem durch das anhaltende Rheinniedrigwasser und die damit einhergehende starke Beeinträchtigung der Rheinschifffahrt hervorgerufen. Die Beförderung von Mineralöl muss deshalb zumindest teilweise auf die Schiene und die Straße verlagert werden. In Bayern kommt hinzu, dass in Folge der Explosion in der Raffinerie Vohburg im September derzeit etwa ein Viertel der Rohverarbeitungskapazität nicht zur Verfügung steht.

Innenminister Herrmann sorgt deshalb im Einvernehmen mit Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger für eine unbürokratische und flexible Lösung: „Ich habe die Polizeiverbände angewiesen, Tanklastwagen und andere Straßentransporte von Mineralöl zur Versorgung von Tankstellen schon ab kommenden Sonntag nicht kontrollieren und nicht ahnden zu lassen.“ Herrmann kommt damit auch einer Bitte von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und des Landesverbandes Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen nach, vorrübergehend Sonderregelungen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Bayern zuzulassen.