Beschädigtes Kanalgewölbe gefährdet Augsburgs Altstadt

Presse Augsburg
5 Minuten Lesezeit

Unter der evangelischen Barfüßerkirche in Augsburg ist ein historisches Kanalgewölbe beschädigt. Eine aufwendige Sanierung soll verhindern, dass ein möglicher Einsturz den Hinteren Lech aufstaut und Teile der Altstadt überflutet.

Nur 14 Zentimeter trennen Kanal und Kreuzgang

Unter der Augsburger Innenstadt verläuft ein weit verzweigtes System aus Kanälen. Einer davon, der sogenannte Hintere Lech, führt direkt unter dem historischen Ensemble der Barfüßerkirche hindurch. Über dem trockengelegten Kanal liegt der gotische Kreuzgang der evangelischen Kirche, dessen Geschichte fast 800 Jahre zurückreicht.

An manchen Stellen beträgt die Stärke des Mauerwerks zwischen Kanal und historischem Bauwerk gerade einmal 14 Zentimeter. Die Konstruktion hat über Jahrhunderte gehalten. Bei einer Begehung im Jahr 2019 wurden jedoch Verformungen am Gewölbe und an den Uferwänden festgestellt. Zudem entdeckten die Fachleute Aushöhlungen im Gründungsbereich. Dadurch verlor die historische Konstruktion schrittweise an Tragfähigkeit.

Eine unmittelbare Einsturzgefahr für die Kirche besteht nach den vorliegenden Einschätzungen nicht. Die Schäden unter Teilen des Ensembles sind jedoch statisch ernst. Tragwerksplaner Anton Schiele warnte, ohne Gegenmaßnahmen wäre ein Einsturz sehr wahrscheinlich gewesen. In diesem Fall hätte sich der Hintere Lech aufstauen können. Die Folge wären Überschwemmungen in Teilen der Augsburger Altstadt gewesen, wie Ingenieur Walter Ullmann erläuterte. Auch ein Einsturz des darüberliegenden Kreuzgangs könnte den Wasserlauf blockieren.

- Anzeige -

Sanierung nur während der Bachablässe möglich

Die Arbeiten unter der Barfüßerkirche sind technisch anspruchsvoll. Für die Planung lagen keine detaillierten Bestandsunterlagen vor. Deshalb mussten Fachleute den Kanal zunächst mit einem Laserscanner vermessen. Außerdem wurden die Stärke von Wänden und Gewölbe bestimmt sowie der Untergrund untersucht.

Gearbeitet werden kann nur, wenn der Hintere Lech im Zuge eines Bachablasses weitgehend trockenliegt. In dem betroffenen Abschnitt wird zunächst eine neue Stahlbetonsohle eingebaut. Zusätzlich sollen die Uferwände verstärkt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt ist eine weitere Schale vorgesehen, die das alte Gewölbe stabilisieren soll.

Der Bauablauf richtet sich vollständig nach dem Wasser. Zunächst wird die Baustelle eingerichtet und Material in den engen Kanal gebracht. Nach Abschluss des jeweiligen Arbeitsschritts muss die Baustelle wieder geräumt werden. Anschließend soll das Wasser etwa zwei Wochen lang durch den Kanal fließen, bevor die Arbeiten erneut vorbereitet werden können.

Eine längere Trockenlegung wäre problematisch. Sie könnte den Grundwasserstand im Umfeld verändern und dadurch Schäden an benachbarten Gebäuden begünstigen. Für den aktuellen Bauabschnitt war deshalb vorgesehen, dass bereits bis Freitag, 2. Oktober, wieder Wasser durch den Kanal fließen kann.

Historische Holzgründungen unter Augsburg

Die besondere Empfindlichkeit des Bauwerks hängt mit der Baugeschichte Augsburgs zusammen. Das historische Tragsystem der Innenstadtkanäle beruht nach Angaben der beteiligten Fachleute auf Eichenpfahlgründungen. Solange das Holz dauerhaft im wassergesättigten Untergrund liegt, kann es über sehr lange Zeit tragfähig bleiben.

- Advertisement -

Kritisch wird es, wenn der Wasserstand schwankt und die Pfähle zeitweise mit Luft in Kontakt kommen. Auch das nur 14 Zentimeter starke Kanalgewölbe konnte seine Lasten über Jahrhunderte wirksam ableiten. Werden die seitlichen Stützen jedoch instabil, gerät das gesamte System unter Druck.

Die Sanierung unter der Barfüßerkirche betrifft damit nicht nur ein einzelnes historisches Bauwerk. Die überbauten Kanalbereiche der Augsburger Innenstadt wurden grundsätzlich nach ähnlichen Prinzipien konstruiert. Ingenieur Walter Ullmann rechnet deshalb damit, dass künftig weitere vergleichbare Sanierungen notwendig werden könnten. Hinweise auf eine bereits unmittelbar bevorstehende, flächendeckende Sanierungswelle gibt es allerdings nicht.

Kirchengemeinde muss rund eine halbe Million Euro tragen

Auch finanziell stellt das Projekt die Kirchengemeinde vor eine große Herausforderung. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 1,6 Millionen Euro. Nach Angaben von Pfarrer Bernhard Offenberger muss die kleine Innenstadtgemeinde etwa ein Drittel davon selbst übernehmen. Das entspricht ungefähr einer halben Million Euro.

Bei der Sanierung gehe es nicht allein um die Nutzung der Kirche, betonte Offenberger. Das Ensemble sei auch ein historischer und viel besuchter Ort mitten in Augsburg. Mit den Arbeiten soll deshalb nicht nur die Standsicherheit der Barfüßerkirche verbessert werden. Zugleich soll ein Risiko für die darunterliegende Kanalstruktur und die angrenzende Altstadt beseitigt werden.

Diesen Artikel teilen
Der Newsdesk von Presse Augsburg veröffentlicht aktuelle Nachrichten aus Augsburg, Bayerisch-Schwaben und Bayern. Die Redaktion berichtet unter anderem über regionale Ereignisse, Polizei und Blaulicht, Politik, Wirtschaft, Verkehr, Kultur und Sport.