Bischof Bertram hat anlässlich des 500. Jahrestages der bekannten Stiftungen von Jakob Fugger dem Älteren einen Festgottesdienst in der Moritzkirche gehalten. Der frühneuzeitliche Kaufmann und Stiftsgründer hatte 1521 drei kirchliche und sozialkaritative Stiftungen von großer Bedeutung finanziert.

Bischof Bertram Feiert 500 Jahre Fuggerstiftungen In Der Augsburger Moritzkirche Foto Annette Zoepf Pba
Bischof Bertram feiert 500 Jahre Fuggerstiftungen in der Augsburger Moritzkirche (Foto: Annette Zoepf / pba)
Bischof Bertram Meier, Predigt

Jakob Fugger habe sich mit seinen Stiftungen in eine lange christliche Tradition gestellt, betonte der Bischof. Er sei steinreich gewesen, „eine Art ‚Bill Gates‘ des 16. Jahrhunderts, zudem tiefgläubig und der katholischen Kirche treu.“ Sein dezidiert katholisches Profil scheine in allen drei Stiftungen auf; neben der „verhältnismäßig niederschwelligen“ Spiritualität der Pflichtgebete für die Fuggereibewohner seien dies die Fuggerkapelle in der heute evangelischen Karmeliterkirche St. Anna sowie die Finanzierung einer Predigerstelle in St. Moritz gewesen.

Diese fuggersche Erbe der Predigtförderung war für Bischof Bertram auch Anlass, die Lesungen des Festgottesdienstes auf das Jubiläum hin zu deuten. „Unter dem Stichwort ‚Fugger – Familie und Weltkonzern‘ tut sich ein weites Feld auf. Wir wollen es ausschreiten mit Jesu Wort als Wegweiser.“ Alle Menschen seien ohne Ausnahme durch eigene oder fremde Schuld verwundet, alle litten an Leid und verursachten es doch selbst auch. Um eine drohende Negativspirale zu durchbrechen, brauche es einen Perspektivwechsel: „Er kann gar nicht radikal genug sein – weg von dem ewigen Vergleichen mit anderen – hin zu dem, was mich ganz persönlich ausmacht, was meine Stärken sind.“

 

Schon der Apostel Jakob habe geraten, für Witwen und Waisen in ihrer Not zu sorgen. Vielleicht sei dies der Anlass für Jakob Fugger gewesen, seinem Namenspatron zu folgen und im eigenen sowie im Namen seiner verstorbenen Brüder ein Sonderkonto einzurichten, um die Finanzierung der drei Stiftungen finanziell abzusichern. Es gehe um die Ewigkeit, „sicher auch als zeitliche Erstreckung zu verstehen, doch nicht nur das: Die Stiftung ist fürs ewige Leben!“

Jakob Fugger habe wirklich mit dem Talent gewuchert, das er in die Wiege gelegt bekommen, so der Bischof. Auch habe er anderen reichlich von seinem eigenen Überfluss abgegeben. Davon profitierten Stadt und Kirche in Augsburg bis heute. Eine besondere Note bekomme die Stiftung auch dadurch, dass der heilige Ulrich höchstselbst als Kontoinhaber mitgeführt wurde – ein Brauch italienischer Kaufleute, der damals auch in Deutschland so praktiziert wurde. „Mir gefällt diese handfeste Verbindung zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen uns hier auf dem Weg und jenen, die bereits am Ziel angekommen sind, außerordentlich gut“, betonte der Bischof und hoffte, dass diese Tradition wiederaufleben könne als Akt „treuer Innovation“.

Stattdessen habe man sich oft angewöhnt, den Glauben als Privatsache in die eigenen vier Wände zu verbannen. Darin liege aber auch eine Gefahr, verlange Glauben doch immer auch nach dem tätigen Handeln: „Suchen Sie die Nähe dessen, der uns erschaffen hat, die Nähe Jesu Christi, der uns erlöst hat. Kehren wir um zum Herrn!“ Dies sei auch der Ruf des hl. Petrus Canisius gewesen, der im Stiftungsjahr geboren wurde und Jahrzehnte später selbst als Seelsorger an der Fuggerei gewirkt habe, sagte Bischof Bertram abschließend in seiner Predigt. „Stellen wir die Zukunft der Stiftungen Jakob Fuggers und alle, die bis heute deren dankbare Nutznießer sind, unter den Schutz dieses holländischen Jesuiten, der nach Bonifatius zum zweiten Apostel Deutschlands wurde. Es ist ‚für die Ewigkeit‘, nicht nur als zeitliche Dauer, sondern fürs ewige Leben. Amen.“

Am Freitagabend hatte Bischof Bertram bereits ein Grußwort im Goldenen Saal anlässlich der Eröffnung zweier Ausstellungen zum Stiftungsjubiläum gehalten. Mit Bezug auf die Ausstellungen „Stiften gehen!“ im Maximiliansmuseum sowie „1521“ im Diözesanmuseum St. Afra betonte er, dass sich gleichzeitig mit den Stiftungen drastische Zäsuren in der Weltgeschichte ergeben hätten, die nicht selten auch mit viel Leid einhergingen. Zugleich hätten diese Ereignisse aber auch Kenntnisse über fremde Kulturen und Kontinente erschlossen und neue religiöse Standortbestimmungen provoziert. Der Museumsbesuch solle Rückschlüsse ermöglichen, erhoffte der Bischof: „Rückschlüsse auf Ihr Leben und Ihre ganz persönlichen Lebensdeutungen – damit Ingeborg Bachmanns resignierte Feststellung keine weitere Nahrung erhält: ‚Die Geschichte lehrt, aber sie hat keine Schüler.‘“

Das Erbe von Jakob Fugger wird heute von dem Fuggerschen Seniorat fortgeführt, in dem die die Chefs der drei bestehenden Familienlinien vertreten sind. Die Familie Fugger übt bis heute das Kirchenpatronat über die Augsburger Moritzpfarrei aus und ist der Kirche in vielerlei Weise verbunden. Die durch Jakob Fugger eingerichtete Fuggerkapelle in St. Anna blieb auch nach der Reformation und der Übernahme der Kirche durch die neuentstandene evangelische Kirchengemeinde in Augsburg bestehen. Dies führt zu dem bemerkenswerten Umstand, dass über Jahrhunderte hinweg in einem Teil der evangelischen Annakirche bis heute katholische Gedenkgottesdienste für die dort bestatteten Familienangehörigen gefeiert werden.

pba