Bischof Bertram Meier weiht das Abbé-Pierre-Zentrum in Augsburg

Augsburgs Bischof Bertram zitierte OB Eva Weber in seiner Ansprache zur Einweihung des Zentrums Abbe-Pierre: „Was die Kirche im Bereich der Obdachlosen und Alkoholkranken leistet, kann die Stadt nicht leisten“. Heute wurde das Zentrum, das 20 sucht- oder pschyschisch erkrankten Frauen und Männern ein Heim bietet, in der Hofrat-Röhrer-Straße eröffnet.

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Bischof Bertram Meier weihte das neue Zentrum Foto: Wolfgang Czech

 

20 Frauen und Männer,  ob suchtkrank oder psychisch krank, darunter auch ein Ehepaar, bis vor kurzem noch wohnungslos, können nun endlich wieder eine Haustür öffnen, eine Wohnungstür aufsperren und sich sicher fühlen. Am Freitag spendete nun Augsburgs Bischof Dr. Bertram Meier dem neuen Wohngebäude des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Augsburg e. V. in der Hofrat-Röhrer-Straße in Augsburg, den Bewohnerinnen und Bewohnern wie auch Mitarbeiter*innen den kirchlichen Segen. Da er die Woche zuvor Papst Franziskus persönlich von dem Bauprojekt erzählte, konnte er auch dessen „herzliche Grüße“ ausrichten.

Den Bewohnerinnen und Bewohnern wünschte er in seiner Predigt, dass sie sich im Netz der Menschen und der Angebote dort „gehalten fühlen und dann auf einem festen Boden wieder neu in ihr Leben aufbrechen können.“ Damit dies gelinge, und Menschen in ihrer Not inder Gesellschaft wahrgenommen werden, wünschte er sich in seiner Predigt „Apostolinnen und Apostel des Ohres“. 

Für das insgesamt 3,7 Millionen Euro teure Wohnprojekt hat die Diözese Augsburg zwei Millionen Euro aus Kirchensteuermitteln beigesteuert. Die Küchen in den Appartements hat die Kartei der Not mit 53.000 Euro finanziert. Die Stiftung Obdachlosenhilfe hat mit 50.000 Euro die Ausstattung der Zimmer bezuschusst. 

Mit dem Wohngebäude schließt sich für den Caritasverband eine „Lücke“ ihres Angebotes für Menschen in besonders schwierigen Notlagen. Zusammen mit dem Abbé-Pierre-Zentrum, der Tagesstätte für suchtkranke Menschen, das direkt neben dem neuen Wohngebäude steht, den Hilfen der Bahnhofsmission, an der die Augsburger Caritas beteiligt ist, wie auch der Wohn- und Begegnungsstätte für Frauen in Not kann der Caritasverband seine Hilfen für diese Menschen in Not abrunden. Die Segensfeier war deshalb für den Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Augsburg, Dr. Walter Semsch, „ein Tag der Freude“. 

Es war Susanne B., die vor der gottesdienstlichen Segensfeier mit dem Bischof, den Mut hatte, den Festgästen davon zu erzählen, wer die Menschen sind, die ins Abbé-Pierre-Zentrum kommen und mitunter auch im Wohnheim ein Appartement beziehen. Aus gutem Elternhaus mit vielen Talenten begabt habe sie sich dennoch nicht in ihrem Leben zurechtgefunden und deshalb schon als 13-jährige begonnen, Alkohol zu trinken. Ihr Weg als Alkoholikerin auch während ihres Studiums und ihrer Arbeit als Lehrerin führte sie nach einem tiefen Einbruch im Jahr 2016 zur Caritas. „Es war das Abbé-Pierre-Zentrum und die Caritas, die mich vor dem Ertrinken gerettet haben“, sagte sie. Heute hat sie wieder eine klare Tagesstruktur, lebt seit über einem Jahr abstinent und hilft anderen Menschen in Not. „Ich bin total dankbar dafür“, schloss sie ihre mutige Erzählung. 

Wie im Abbé-Pierre-Zentrum pädagogisches Personal, darunter auch die Ordensschwester Dorothée, arbeitet, um den alkoholkranken Menschen in ihrem Alltag zu begleiten, so teilen sich die Sozialarbeiterin Anna Wirth und der Sozialarbeiter Rainer Heider die pädagogische Vollzeitstelle in dem Wohnheim. Ihre Aufgabe ist es, die Bewohnerinnen und Bewohner in ihrem Alltag zu begleiten, ihnen an die Hand bei der Hausführung zu gehen, sie bei Bedarf zum Arzt zu begleiten und ihnen dann, wenn sie soweit wieder gestärkt sind, auch bei der Wohnungssuche zu helfen. „Das Wohnheim hier ist eine Zwischenstation. Da kommen sie noch nicht allein wieder heraus. Das ist unsere Aufgabe, sie auf diesem Weg zu begleiten und zu stärken“, sagt Anna Wirth. Die Mietverträge sind befristet. Aus gutem Grund, wie Vorstandsmitglied, der Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz in einem Grußwort sagte: „Dieses Haus ist ein fester Untergrund für Menschen, denen das Schicksal den Boden unter den Füßen entzogen hat. Hier wollen wir ihnen einen neuen Startpunkt für ihr Leben geben, damit sie ihr Leben wieder gänzlich selbst in die Hand nehmen können.“

Die Vollzeitstelle, die Wirth und Heider miteinander teilen, ist ein Novum. Denn sie wird gemeinsam von der Stadt Augsburg und dem Bezirk Schwaben finanziert. Die schwäbische Bezirkstagsvizepräsidentin Barbara Holzmann lobte daher das Projekt als ein „unglaubliches Projekt“. Diese Kooperation, auch die enge Abstimmung mit der Caritas, sei für sie wegweisend für die Arbeit mit den Menschen in Not, auf die das differenzierte, versäulte Sozialleistungssystem nicht abgestimmt sei. „Diese Menschen brauchen aber ein Hilfsangebot aus einer Hand.“ Auch Augsburgs Zweite Bürgermeister Martina Wild lobte das neue Wohnheim der Caritas als „zukunftsweisendes Projekt“. Gerade in Krisenzeiten sei es doch wichtig, „alle Kräfte zu bündeln, um schnell und unbürokratisch helfen zu können“.