Bischof Kohlgraf: Lehmann unterschätzte Missbrauchsskandal

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf räumt Fehler seines Vorgängers Kardinal Karl Lehmann im Umgang mit Missbrauchsskandalen ein. So habe Lehmann das „Ausmaß und die Tragweite“ eines Missbrauchskandals in den USA im Jahr 2002 „nicht realistisch eingeschätzt“, sagte Kohlgraf der aktuellen „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“. Lehmanns damalige Aussage, die deutsche Kirche müsse sich den Schuh der Amerikaner nicht anziehen, sei „so unklug wie falsch“ gewesen.

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Kohlgraf kritisiert auch Lehmanns damalige Unterstellung, die Opfer wendeten sich nicht zuletzt aus finanziellen Motiven an die Kirche: „Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass das nicht stimmt“, so der Bischof. Wer sich an die Kirche wende, um über derart traumatische Erfahrungen zu sprechen, dem gehe es nicht ums Geld. Kohlgraf lässt nach eigenen Angaben alle Missbrauchsfälle, die in der Amtszeit Kardinal Lehmanns liegen, noch einmal daraufhin überprüfen, ob es zu „Unregelmäßigkeiten im Umgang mit Tätern“ gekommen sei.

„Ich habe den Betroffenen versprochen, die Frage der Verantwortlichkeit zu klären.“ Den Akten lasse sich nach jetzigem Erkenntnisstand zwar nicht entnehmen, dass Lehmann Täter bewusst gedeckt und Missbrauchstaten vertuscht habe. Aber: „Natürlich gibt es viele Vorgänge aus seiner Zeit, zu denen ich heute gerne seine Meinung wüsste. Natürlich habe auch ich Fragen“, so Kohlgraf.

Peter Kohlgraf wurde 2017 zum Bischof von Mainz ernannt. Dort trat er die Nachfolge des 2018 verstorbenen Lehmann an.