„Blackout“ in Augsburg unwahrscheinlich – Stadt rät aber zur Vorsorge

Die Wahrscheinlichkeit für einen kompletten Stromausfall in Deutschland, also einen so genannten „Blackout“ gilt als eher gering. Trotzdem bereitet sich die Stadt Augsburg strukturell auf unterschiedliche Szenarien für den Krisenfall vor. Dazu gehören auch Empfehlungen an die Bevölkerung, in gewissem Umfang Vorsorge zu treffen.

Oberbürgermeisterin Eva Weber betont: „Es gibt keinen Anlass für Panik oder übertriebene Sorge – aber es ist in jedem Fall gut, auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet zu sein. Wir nehmen die Warnungen von Bund und Land vor Stromausfällen und einer Gasmangellage sehr ernst, beobachten die Lage ständig und treffen mit unseren Fachbehörden alle möglichen Vorsorgemaßnahmen, um im Krisenfall gut gerüstet zu sein.“

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Ein „Blackout“ bezeichnet einen großflächigen, ungeplanten Stromausfall, der sehr viele Verbraucherinnen und Verbraucher betrifft und sehr schwierig zu beheben ist. Ein solch eher seltenes Ereignis hat es in Deutschland und Bayern seit Jahrzehnten nicht gegeben. Demgegenüber sind jedoch kürzere, regionale Stromausfälle in der derzeitigen Situation nicht ausgeschlossen. Daher appelliert die Oberbürgermeisterin nachdrücklich an die Bürgerinnen und Bürger in Augsburg: „Bitte leisten auch Sie Ihren Beitrag, um für den Krisenfall gut vorbereitet zu sein.“

Vor dem Hintergrund der Veröffentlichungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) spricht die Stadt eine Reihe von Empfehlungen für alle Haushalte in Augsburg aus. Dazu gehört unter anderem:
 Vorsorge für einige Stunden Licht mittels Taschenlampe und Kerzen.
 Vorsorge für die Versorgung mit haltbaren Lebensmitteln und Frischwasser für einige Stunden.
 Eine Decke pro Person des Haushalts
 Falls zur Hand: PowerBanks für Handys
 Maßvolle Bevorratung mit Bargeld zu hause.
 Ein batteriebetriebenes Radio für einen Zugang zu Informationen bei Stromausfall
 Unterstützung im Ernstfall bei Bedarf und nach Möglichkeit von Angehörigen und der Nachbarschaft

Das BBK weist im Kontext dieser Empfehlungen darauf hin: „Das staatliche Hilfeleistungssystem greift in Notsituationen und bietet Unterstützung. Aber auch die beste Hilfe ist nicht immer sofort zur Stelle. Bei großflächigen Schadenslagen können die Rettungskräfte nicht überall gleichzeitig sein. Wer vorbereitet ist, kann sich selbst, Angehörigen und Nachbarn helfen, bis die staatliche Hilfe eintrifft und Schäden mit Schutzmaßnahmen reduzieren. Helfen Sie mit, Notsituationen gemeinschaftlich zu bewältigen und sorgen Sie vor.“

Diese Hinweise finden sich in Kürze auch online in den verschiedenen Informationskanälen der Stadt. Auf augsburg.de/warnung und augsburg.de/energieversorgung, werden sie zudem mehrsprachig übersetzt.

Krisenstab „Energieversorgung“

Bei der Stadt Augsburg bereitet sich das Amt für Brand- und Katastrophenschutz (ABuK) zusammen mit den Stadtwerken bereits seit geraumer Zeit auf verschiedene Krisenfall-Szenarien vor, zum Beispiel eine Gasmangellage oder ein regionaler Stromausfall. Dazu wurde im ABuK der Krisenstab „Energieversorgung“ im Bereich des Bevölkerungsschutzes eingerichtet, der die Lage zusammen mit den Fachbehörden beobachtet. Die Arbeitsfähigkeit der kritischen Infrastruktur (KRITIS), wie etwa die Versorgung mit Wärme und Energie, die Kommunikation mit der Bevölkerung sowie die technische und rechtliche Umsetzung bei einer Gasmangellage oder bei Stromausfall sind die Arbeitsgebiete dieses Krisenstabs.
Jederzeit einsatzfähiger Führungsstab
Zudem wurde ein „Führungsstab außergewöhnliches Ereignis Energieversorgung“ eingerichtet, der von Oberbürgermeisterin Eva Weber geleitet wird. Weitere Mitglieder sind Ordnungsreferent Frank Pintsch (stellvertretende Leitung),Wirtschaftsreferent Dr. Wolfgang Hübschle, Sozialreferent Martin Schenkelberg und Feuerwehrchef Dr. Andreas Graber. Dieser Führungsstab kann im Krisenfall jederzeit zusammentreten und auf Grundlage der getroffenen Vorbereitungen agieren.

Hochleistungssirenen übers Stadtgebiet verteilt

Für die Bevölkerung sind folgende Hinweise von Bedeutung: Wenn eine Warnung über die kostenlose Warnapp NINA oder die Social-Media-Kanäle wegen eines Stromausfalls nicht möglich oder sinnvoll ist, erfolgen Verlautbarungen im Rundfunk. „Um die Öffentlichkeit zu informieren, sind über das gesamte Stadtgebiet Hochleistungssirenen verteilt. Wenn das durchdringende Signal ertönt, bitte das Radio anschalten“, appelliert Ordnungsreferent Frank Pintsch an alle Bürgerinnen und Bürger. Um das Radio auch bei einem Stromausfall nutzen zu können, empfiehlt es sich, ein batteriebetriebenes Rundfunkgerät und Reservebatterien oder ein Kurbelradio im Haus zu haben. Auch Solar- oder Autoradios können benutzt werden. Zudem gibt es mobile Lautsprecheranlagen, die auf Fahrzeugen befestigt sind und für die Information der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Hochleistungsgeneratoren unabhängig vom Stromnetz

Wie Augsburgs Feuerwehrchef, Dr. Andreas Graber, informiert, existiert im Stadtgebiet ein sogenanntes Leuchtturmkonzept. Die Freiwilligen Feuerwehren in den Stadtteilen und die Berufsfeuerwehr sind mit mobilen Hochleistungsgeneratoren ausgestattet, um die Notversorgung in den Stadtteilen dezentral gewährleisten zu können. Sie können bei Stromausfall auch in einem Stadtteil zusammengezogen werden. „Diese Hochleistungsgeneratoren funktionieren als ‚Leuchttürme‘ in den Stadtteilen, wo sich Bürgerinnen und Bürger einfinden und vor allem informieren können. Auch Strom wird dort zur Verfügung gestellt, etwa für das Erwärmen von Babynahrung oder das Aufladen von Akkus für Beatmungsgeräte. Mit diesen ‚Leuchttürmen‘ sind wir auf den Erhalt von Kernfunktionen im Krisenfall vorbereitet“, so Graber. Der neue Bereich „Bevölkerungsschutz“ im ABuK ist ebenfalls in die Planungen und operativen Ausführungen eingebunden.

Treibstofflogistik und Trinkwasserversorgung

Längst ist im ABuK der Katastrophenfallplan „Flächiger Stromausfall“ mit Checkliste aktualisiert, der einen umfassenden Handlungsplan darstellt. Auch die Trinkwassernotbrunnen im Stadtgebiet sind funktionstüchtig und können im Notfall die Trinkwasserversorgung sichern. Für die Alarmierung und Kommunikation von Einsatzkräften und des Leitungsstabs sind ebenfalls Vorkehrungen getroffen. Für eine netzunabhängige Kommunikation können dank der Förderung des Freistaats Bayern zudem drei Satellitentelefone angeschafft werden. Eine Treibstofflogistik für den Notfall ist ebenfalls vorhanden.
Arbeitsgemeinschaft Augsburger Hilfsorganisationen
Bayerisches Rotes Kreuz (BRK), Deutsche Lebens-Rettungs- Gesellschaft (DLRG), Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) und Malteser Hilfsdienst (MHD), Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) sowie das Technische Hilfswerk (THW) haben sich zur Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen zusammengeschlossen. Mit ihr steht der Stadt sowie ihren Bürgerinnen und Bürgern neben den Feuerwehren ein zuverlässiger und leistungsstarker Partner zur Seite. „Mit den Vorsorgeeinrichtungen der Rettungsdienste und des THW, insbesondere den Schnelleinsatzgruppen für Betreuung, Verpflegung, Technik und Sicherheit kann bei Bedarf auch sehr schnell eine Unterbringungsmöglichkeit einschließlich Versorgung sichergestellt werden“, sagt Ordnungsreferent Frank Pintsch.