BR-BayernTrend 2020 | Hohes Interesse an der Kommunalwahl

Am 15. März finden in Bayern die Kommunalwahlen statt. Neu bestimmt werden alle Parlamente in den Gemeinden, Städten und Landkreisen, wie auch die meisten Bürgermeister, Oberbürgermeister und Landräte. Bereits zwei Monate vor dem Urnengang ist das Interesse der Bevölkerung an den Kommunalwahlen hoch: Drei Viertel der Bayern (74 Prozent) interessieren sich nach eigenen Angaben sehr stark (31 Prozent) oder stark (43 Prozent) für die anstehenden Wahlen. Rund ein Viertel (26 Prozent) zeigt hingegen kein ausgeprägtes oder gar kein Interesse.Ankreuzen 1740989 1280

Obwohl die heiße Phase des Wahlkampfes noch bevorsteht, bekommen die anstehenden Kommunalwahlen bereits zu Jahresbeginn so viel Aufmerksamkeit wie 2014 in der Woche vor der Wahl. Damals interessierten sich im unmittelbaren Vorfeld des Urnengangs 70 Prozent der Bürger für die Wahl der lokalen Parlamente und Mandatsträger.

Kommunalwahlentscheidung: Kandidaten am bedeutsamsten

Bei den Direktwahlen der Bürgermeister, Oberbürgermeister und Landräte ist der Kandidat von zentraler Bedeutung für die Wahlentscheidung der Bürger. Aber auch bei der Wahl der kommunalen Parlamente, bei der in Bayern mit den Möglichkeiten des Kumulierens und Panaschierens eine stärkere Kandidatenorientierung einhergeht, sind die zur Wahl stehenden Politiker von großer Relevanz. Ähnlich wie vor sechs Jahren gibt in Bayern die deutliche Mehrheit der Bürger (85 Prozent, -2) an, sich bei ihrer Entscheidung bei den Kommunalwahlen insbesondere von der Person der Kandidaten leiten zu lassen. Für drei Viertel der Bayern (75 Prozent, -1) sind außerdem die inhaltlichen Aussagen der zur Wahl stehenden Parteien und Listen sehr wichtig oder wichtig. Der Wahlkampf der Parteien oder Listen (40 Prozent, +3) oder die langfristige Parteibindung (38 Prozent, -4) spielen für vier von zehn Bürgern eine Rolle.

Die Bewertung der Kandidaten ist in den meisten Bevölkerungsgruppen ausschlaggebend für die Wahlentscheidung. Mit steigendem Bildungsgrad gewinnen aber auch Sachfragen an Relevanz: Während sich Bürger mit formal niedriger Bildung nach eigenen Angaben häufiger an den zur Wahl stehenden Kandidaten als am inhaltlichen Programm der Partei orientieren (82 zu 65 Prozent), haben Kandidaten und Sachfragen für Bürger mit formal hoher Bildung einen ähnlichen Stellenwert (89 zu 88 Prozent). Gleiches gilt für die Grünen-Wähler (87 zu 87 Prozent). Sie sind damit zugleich stärker programmatisch orientiert als die Anhänger der anderen Parteien.

Kommunalpolitiker mit Vertrauensvorteil

Die starke Kandidatenorientierung bei Kommunalwahlen geht im Freistaat einher mit einem generell hohen Vertrauen in Politiker der kommunalen Ebene. Sieben von zehn Bayern (69 Prozent) geben an, sie würden Kommunalpolitikern ein sehr großes bzw. großes Vertrauen entgegenbringen. Im Vergleich hierzu genießen Politiker auf der Ebene der Landespolitik mit 43 Prozent ein erkennbar geringeres Vertrauen in der bayerischen Bevölkerung. Das geringste Vertrauen wird im Freistaat Bundes- (23 Prozent) und Europapolitikern (21 Prozent) entgegengebracht.

Wichtigste Kommunalprobleme: Mobilität und Wohnen

Aus Sicht der Bürger sind Verkehrsinfrastruktur und Fragen der Mobilität die aktuell größten kommunalpolitischen Herausforderungen. Gut vier von zehn Bayern (44 Prozent) sehen hierin ein Problem, um das sich Städte und Gemeinden vorrangig kümmern sollten. Eine bedeutsame Rolle spielt ebenso die Situation am Wohnungsmarkt, die im Freistaat für ein gutes Viertel (27 Prozent) die zentrale kommunalpolitische Aufgabe dieser Tage darstellt. Auf Platz drei folgen Fragen des kommunalen Umweltschutzes und des Klimawandels, die für jeden Siebten (14 Prozent) entscheidend sind. Die wirtschaftliche Situation in den Kommunen, Fragen der Ausländerintegration und Bildung stehen für jeden Zehnten (jeweils 10 Prozent) ganz oben auf der Liste der wichtigsten lokalen Aufgaben. Die frühkindliche Betreuung ist für 8 Prozent vorrangig, insbesondere für jüngere Bürger im Alter bis 39 Jahre (14 Prozent), die aufgrund ihrer familiären Situation von der Versorgung mit Kindertagesstätten direkt betroffen sind. Fragen der medizinischen und sozialen Infrastruktur thematisieren jeweils 7 Prozent als wichtige Aufgaben der Kommunalpolitik.

Das Thema Mobilität und Verkehr spielt für die Anhänger von CSU, Freien Wählern und Grünen die größte kommunalpolitische Rolle. Der Problemfokus der SPD-Anhänger liegt auf der Situation am Wohnungsmarkt. Im Lager der Grünen sind neben Verkehr und Wohnungsmarkt Fragen des Umweltschutzes von zentraler lokaler Bedeutung. Die Anhänger der AfD richten abgesehen vom Wohnungsmarkt ein besonderes Augenmerk auf die Flüchtlingspolitik.

Drängende Probleme: Unterschiede zwischen Stadt und Land

Die lokale Problemsicht unterscheidet sich in Bayern zwischen Stadt und Land. Bezahlbares Wohnen wird in den Großstädten von fast jedem Zweiten (45 Prozent) thematisiert. In den Gemeinden mit maximal 5.000 Einwohnern problematisiert demgegenüber gerade einmal jeder Sechste (16 Prozent) dieses Thema. Umgekehrt haben Wirtschaftsfragen auf dem Land (13 Prozent) einen etwa doppelt so großen Stellenwert wie in den bayerischen Metropolen (6 Prozent), ebenso Fragen der medizinischen Versorgung (Ländliche Gemeinden: 9 Prozent; Metropolen: 4 Prozent). Fehlende soziale Angebote werden in den kleinen Gemeinden mit 12 Prozent sogar drei Mal so häufig angesprochen wie in den Großstädten (4 Prozent).

Zu wenig Rücksicht auf Interessen der Landbevölkerung

Auch die Einschätzung, inwieweit die eigenen Interessen in der Politik repräsentiert sind, unterscheidet sich: In den kleinen bayerischen Gemeinden mit bis zu 5.000 Einwohnern vertreten nur 28 Prozent die Meinung, dass die Politik die Interessen der Menschen auf dem Land angemessen berücksichtigt. 69 Prozent beklagen dagegen eine zu geringe Rücksichtnahme auf die Landbevölkerung. In den bayerischen Metropolen mit mindestens 100.000 Einwohnern ist dagegen immerhin fast die Hälfte der Meinung (45 Prozent), städtische Interessen seien durch die Politik angemessen vertreten. Ebenso viele Großstädter (49 Prozent) sehen ihre Interessen allerdings ebenfalls politisch unterrepräsentiert.

Unabhängig vom eigenen Wohnort vertreten bayernweit zwei Drittel (67 Prozent) die Ansicht, die Politik nähme auf die Interessen der Landbevölkerung zu wenig Rücksicht, während drei von zehn (28 Prozent) den Umgang der Politik mit der Landbevölkerung als angemessen empfinden. Die Interessen der Stadtbevölkerung sieht dagegen fast die Hälfte der Bayern (44 Prozent) angemessen, ein gutes Drittel (36 Prozent) dagegen zu wenig repräsentiert.