Brechtfestival Augsburg zu Ende gegangen – Neues Konzept lockt über 6000 Besucher zu den Veranstaltungen

Langer Applaus für den Eisler-Liederabend mit Maren Eggert, Ole Lagerpusch und der Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot – so ist am Sonntag (23.2.) in Augsburg das Brechtfestival zu Ende gegangen. 10 Tage lang drehte sich in Bertolt Brechts Geburtsstadt alles um den Dichter – sogar ein Riesenrad diente als Bühne, als Reminiszenz an die Leidenschaft Brechts für das Augsburger Volksfest, den Plärrer.

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Foto: Christian Menkel

Selten gespielte Lehrstücke und Heiner Müllers Werk konnte vielen Augsburgerinnen und Augsburgern nähergebracht werden. Müller, der als literarischer Erbe Brechts gilt, war mehrfach im Programm vertreten, z.B. mit dem Gastspiel von „Der Auftrag“ des Schauspiels Hannover mit Corinna Harfouch und der der Band „Die Tentakel von Delphi“ sowie im Rahmen einer Hörspielreihe im Planetarium.

Die Festivalleiter Tom Kühnel und Jürgen Kuttner erprobten 2020 ein neues Festival-Konzept auf dem Areal des Staatstheaters, bei dem mehrere unterschiedliche Bühnen gleichzeitig und nacheinander bespielt wurden, und Volksfeststimmung samt Wandeln von Ereignis zu Ereignis, Gedränge und der Duft gebrannter Mandeln mit vorgesehen waren. Sich treiben zu lassen, Unerwartetes und Neues aufzuschnappen, war die Idee.

Dass möglicherweise nicht alle Gäste alles sehen können ist Teil des künstlerischen Konzepts, wie Kuttner von Anfang an immer wieder herausstellte: „Wenn auf dem Rummel die Geisterbahn voll ist, dann ist sie eben voll.“

Bei den zwei Spektakel-Abenden kamen Gäste wie Corinna Harfouch, Charly Hübner, Maren Eggert, Milan Peschel, Lars Eidinger und Hanna Hilsdorf nach Augsburg. Auch Beiträge des Staatstheaters und der freien Theaterszene waren zu sehen. Teilweise herrschte so großer Andrang vor einzelnen Bühnen, dass sich lange Schlangen bildeten. Sollte das Spektakel-Konzept weiter Teil des Brechtfestivals sein, wollen es die künstlerischen Leiter verbessern und weiterentwickeln. „Mit zahlreichen unterschiedlichen Formaten ermöglichten die künstlerischen Leiter Kuttner und Kühnel einen polyperspektivischen Blick, der Brecht vom Image des Schulklassikers befreite und ihn zurückführte auf seine diskursive Kraft, da seine gesellschaftspolitischen Fragen auch den Nerv unserer von Fliehkräften geprägten Zeit treffen“, erklärt Kulturreferent Thomas Weitzel.

Über 6000 Besucherinnen und Besucher unterschiedlichsten Alters und verschiedener Publikumsschichten zählte das Brechtfestival in diesem Jahr. Die Gäste reisten zum Teil von weit an. Viele der Veranstaltungen waren ausverkauft, so z.B. die Lange Brechtnacht mit The Notwist, Gisbert zu Knyphausen, Fatoni und Voodoo Jürgens, die zu den Höhepunkten im Festivalprogramm zählte. Auch die Verleihung des Bertolt- Brecht-Preises an Sibylle Berg im Rahmen des Festivals stieß auf großes Interesse und sorgte für einen vollen Goldenen Saal im Augsburger Rathaus.