In wenigen Tagen (21. November) wird endlich wieder der Augsburger Christkindlesmarkt eröffnet. Die Vorweihnachtszeit steht vor der Tür und verspricht erstmals seit des Pandemie-Ausbruchs vor zweieinhalb Jahren eine Rückkehr zur Normalität. Und diese Normalität haben wir alle dringend nötig: Die Gewerbetreibenden, die Beschäftigten der Gastro und auch jede und jeder einzelne von uns. 

Christkindlesmarkt 47.Jpg
Bild vom Christkindlesmarkt Augsburg 2019

Da liegen sie in den Regalen, als wäre nie etwas gewesen: Die Lebkuchen, die Adventskalender und die Lichterketten, die die besinnlichste Zeit des Jahres ankündigen. Früher – also im präpandemischen Zeitalter – waren viele von uns gelegentlich schon genervt, wenn diese kleinen Weihnachtsbotschafter zu früh erschienen. Nach all den Ereignissen der vergangenen Jahre konnte ich es dieses Jahr kaum erwarten. Vor allem freue ich mich wie ein Kind auf die Eröffnung des Christkindlesmarktes am 21. November. Endlich wieder Bratwurstduft in der Nase, endlich wieder Glühwein, endlich wieder Lichterglanz.

Ja, auch in diesem Jahr gäbe es genügend Gründe auf jegliche Feierlichkeiten zu verzichten. Die Pandemie ist nicht vorbei, die beunruhigende weltpolitische Lage hat spätestens mit der Energiekrise weitere Sorgen in unser aller Leben gebracht. „Ist es nicht pietätlos sich angesichts all dessen diesem Konsumtreiben hinzugeben? Die Lichterketten anzuschmeißen, Glühwein zu trinken, als wäre die Welt in Ordnung?“, fragte mich jemand neulich, entsetzt über die unbeschwerte Vorfreude einer gemeinsamen Bekannten. Die Frage ist nachvollziehbar und doch konnte ich sie nicht mit ‚Ja‘ beantworten. Im Gegenteil. 

Wir brauchen dieses Weihnachten. Die Beschickerinnen und Beschicker des Christkindlesmarktes haben es verdient wieder Besucherinnen und Besucher zu empfangen, nachdem sie im vergangenen Jahr so kurzfristig ihre Buden abbauen mussten und praktisch ohne Einnahmen blieben. Auch ohne Lockdown müssen Gewerbe und Gastronomie in unserer Innenstadt ums Überleben kämpfen und nicht nur die Verluste der Pandemiezeit, sondern nun auch die Verunsicherung der Menschen und die Energiekrise wegstecken. Aktuelle Prognosen zum anstehenden Weihnachtsgeschäft bringen auch keine frohen Botschaften für Handel und Gastro. All die Menschen, die hier arbeiten, brauchen ein Licht in diesem dunklen Tunnel und wir brauchen es auch. 

Ich will endlich wieder das Leuchten in den Augen unserer Kinder sehen, wenn beim Engelesspiel die vielen, zwischen den Buden des Christkindlesmarktes wuselnden Menschen innehalten und sich verzaubern lassen. Genau das ist doch der Sinn dieses Spektakels. Nicht der Konsum, sondern das Zusammenkommen in fröhlichen Runden bei einem Glühwein, das Abschalten, kurz den Alltag und den Rest der Welt hinter sich lassen, kurz von einer besseren Welt träumen, im warmen Licht der stimmungsvollen (und energiesparenden) Weihnachtsbeleuchtung unserer wunderschönen Innenstadt. Innehalten und Kraft tanken – gerade in diesem Jahr, in dieser Adventszeit für uns alle wohl wichtiger als je zuvor.  

Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese so lange vermisste Atmosphäre genießen können, ich wünsche Ihnen viele herzliche Begegnungen beim Schlendern im vorweihnachtlichen Augsburg und vor allem wünsche ich Ihnen das vielleicht schönste Geschenk in diesem Jahr: Eine Zeit der Zuversicht und Normalität. 

Herzliche Grüße

Ihre Eva Weber

Eva Weber 2020 Ma Ret 122Eva Weber ist seit Mai 2020 Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg. Seit Mai 2014 veröffentlicht sie eine regelmäßige Kolumne exklusiv bei Presse Augsburg.