Campino entsetzt über Zunahme antisemitischer Gewalttaten

Campino, Sänger der Punkband Die Toten Hosen, hat sich entsetzt über die Zunahme antisemitischer Gewalttaten und Übergriffe in Deutschland in jüngster Zeit gezeigt. „Wenn es zu antisemitischen Übergriffen und Gewalttaten kommt, ganz gleich ob sie von Rechtsextremen oder von Islamisten begangen werden, muss man einen ganz klaren Riegel davorschieben. Das dulden wir in diesem Land nicht“, sagte der Musiker der „Welt am Sonntag“.

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Er empfinde „Wut und Enttäuschung“ darüber, dass man „jüdischen Mitbürgern hier kein sorgloses Leben gewährleisten“ könne. „Dass jüdische Kindergärten mit NATO-Draht und Tarnnetzen gesichert werden müssen, damit keine Sprengsätze darauf geworfen werden können. Das ist schrecklich“, so der Toten-Hosen-Sänger.

Es sei für ihn immer wieder erschütternd, dass „Juden in Deutschland beschimpft oder angegriffen werden, nur weil sei eine Kippa tragen.“ Mit den Toten Hosen war Campino in der Vergangenheit oft wegen seines Engagements gegen Antisemitismus und Rassismus ausgezeichnet worden – unter anderem von der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf und in diesem Jahr vom Deutschen Fußballbund. Bei der umstrittenen Echo-Verleihung 2018 war Toten-Hosen-Sänger der einzige, der die Preisübergabe an die Rapper Kollegah und Farid Bang kritisiert hatte, die ungeachtet ihrer antisemitischen Texte und Cartoons ausgezeichnet worden waren. „Mir ging es bei meiner Kritik in erster Linie überhaupt nicht um diese beiden Rapper, sondern um etwas Grundsätzliches“, sagte Campino der Zeitung.

Was für ihn entscheidend sei, „ist dieses allgemeine Verrohen, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen. Sei es in der Kunst, den Medien oder unserer ganzen Gesellschaft. Dabei wird in Kauf genommen, die Menschenwürde anderer zu verletzen. Der Ton wird immer extremer, immer schriller – Rassismus, Antisemitismus oder Homophobie“, so der Musiker weiter.

In ihrem neuen Song „Schwerelos“ beschreiben die Toten Hosen das Schicksal einer Ausschwitz-Überlebenden. Er hätte ein Lied wie dieses vor 20 Jahren vielleicht „handwerklich nicht so hinbekommen“ wie heute, so der Sänger. „Der Text ist inspiriert von einem Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz während unserer letzten Tour in Polen“, sagte Campino der „Welt am Sonntag“. Er habe viele positive Reaktionen auf dieses Lied bekommen, auch von seinen jüdischen Bekannten.