Im Botanischen Garten der Stadt Augsburg, dorthin, wo so vieles wächst und gedeiht, hat der Caritasverband für die Diözese Augsburg e.V. zum Festakt anlässlich seines 100-jährigen Bestehens (eigentlich sind es inzwischen 101 Jahre) geladen.

Dieses blühende Umfeld sollte zum Bild für all das werden, was seit der Gründung des Caritasverbands im Bistum im Jahr 1921 bis heute gewachsen ist, um Menschen in Not und Leid zu unterstützen, zu versorgen, zu pflegen, zu begleiten und Beistand zu leisten. Daran erinnerte die Jubiläumsfeier, bei der die Freude über das Geschaffene genauso zu spüren war wie der Ernst angesichts der vielen Menschen, denen die Caritas auch heute zur Seite steht, damit sie ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen können. Der Caritasverband für die Diözese Augsburg tut dies, eingebunden in ein großes Netzwerk u.a. aus der Politik, dem Bezirk Schwaben, den Orden und anderen Wohlfahrtsverbänden, deren Vertreter und Vertreterinnen Diözesan-Caritasdirektor Dr. Andreas Magg beim Festakt begrüßte.  Er erinnerte daran, dass ein erster Auftrag der Caritas seit ihrer Gründung darin bestehe, „die Liebe Christi sichtbar zu machen“ und eine „soziale, klare Stimme in der Gesellschaft“ zu sein.

 
Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbands, zeichnete in ihrer Festrede die Geschichte des Caritasverbands der Diözese nach, die sie einbettete in die Geschichte des Deutschen Caritasverbands. Dieser wurde 1897, vor 125 Jahren, gegründet, um die vielfältigen Hilfsangebote katholischer Vereine und Orden zu koordinieren. Dieser ersten Gründungswelle von diözesanen Caritasverbänden folgte eine zweite in den beginnenden Kriegsjahren des Ersten Weltkriegs, dann eine dritte Anfang der Zwanziger Jahre. 1921 wurde zum Gründungsjahr des Caritasverbands der Diözese Augsburg. In welche Zeiten all diese Gründungen auch fielen, eines war ihnen gemeinsam. „Es waren Zeiten der Krise, in denen deutlich wurde: Wir brauchen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die an ganz erster Front bei den Menschen sind“, so Eva Maria Welskop-Deffaa. Die deutsche Caritas-Präsidentin erinnerte aber auch daran, dass die „Pioniere“ damals durchaus gegen Widerstände hatten kämpfen müssen. Die Zweifel, vor allem der Bischöfe, angesichts einer „institutionalisierten Gestalt“ von sozialer Unterstützung seien anfangs groß gewesen. In einem dynamischen Klärungsprozess jedoch sei der Durchbruch gelungen, die Caritas wurde als wichtiger Wohlfahrtsverband anerkannt. Entlang gehend an den großen geschichtlichen Linien aus 100 Jahren Caritasverband der Diözese Augsburg zeigte Eva Maria Welskop-Deffaa auf, wie die Caritas auf die jeweiligen Anforderungen der Zeit antwortete und es noch immer tut. Da waren in und nach den beiden Weltkriegen die vielen Hungernden, die Arbeitslosen, die Wohnungslosen, die Menschen auf der Flucht. Immer dann sei die Caritas an der Seite der Menschen gewesen, „wo es um Weichenstellungen in ihrem Leben ging. Darum, ob sie nach rechts oder links gehen, ob sie bleiben oder zurückkehren sollten“. Eva Maria Welskop-Deffaa erinnerte an das christliche Selbstverständnis des Caritas-Verbands:  „Die konkrete Liebe zu den Menschen in Not macht die göttliche Liebe zu den Menschen sichtbar, auch wenn manchmal der Himmel verdunkelt ist.“

Wie sehr der Caritasverband der Diözese Augsburg vernetzt ist und mit anderen zusammenarbeitet, wurde an den Grüßen beim Festakt deutlich: Es sprach die Augsburger Oberbürgermeisterin Eva Weber über die „respektvolle Partnerschaft“, den „wohlwollenden Austausch“ und die gemeinsame Entwicklung von Hilfsstrukturen durch Stadt und Caritasverband. „Die  Caritas ist in nahezu alle sozialen Belange der Stadt eingebunden“, so die Oberbürgermeisterin. 60 Prozent von dem, was auf dem „Sozialmarkt“ geleistet werde, werde von der Caritas geleistet – etwa in der Jugend- und Altenhilfe oder in Behinderteneinrichtungen.  Doris Rauscher, Vorsitzende des Sozialausschusses des Bayerischen Landtags, hob hervor, wie notwendig der Schulterschluss des Caritasverbands mit der Landespolitik ist, um gemeinsam die gegenwärtigen sozialen Herausforderungen zu bewältigen.

Bei alledem braucht es jemanden, der die Hilfe finanziert. Ein wichtiger Kostenträger des Caritasverbands der Diözese Augsburg ist der Bezirk Schwaben. Barbara Holzmann, Stellvertretende Bezirkstagspräsidentin von Schwaben, wies darauf hin, dass hinter jedem der 320 000 Menschen, denen allein im Jahr 2020 durch die Caritas im Bistum Hilfe zukam, „das Schicksal eines einzelnen Menschen stecke“. Bischof Bertram Meier sprach für die Kirche und verglich dankend den Caritasverband mit einer „Poliklinik“ mit ihren unterschiedlichen Abteilungen, der es sogar gelinge, „Menschen zu erreichen, die wir als Kirche nicht erreichen“.

In einer Schweigeminute gedachten die Festgäste der  Schicksale der Tausenden oder gar Millionen von Menschen in dieser Welt – der Coronatoten, der Frauen, die Opfer sexueller oder häuslicher Gewalt werden, der Hungernden, der Kriegsopfer, insbesondere der Zigtausenden, die seit Februar dieses Jahres im Ukrainekrieg gestorben sind.  

Am Ende des Festakts, der auch musikalisch aufgelockert war –mit Beiträgen der Kammeroper Augsburg und Liedern – wurde das anfängliche Bild vom Wachsen und Gedeihen der Pflanzen im Botanischen Garten konkret: Zur Erinnerung wurde ein Rosenstrauch gepflanzt.

Gerlinde Knoller