Chrisammesse | Bischof Bertram weiht die heiligen Öle für das Bistum Augsburg

Die Weihe der heiligen Öle für die Pfarreiengemeinschaften und Pfarreien des Bistums ist aus der der Karwoche nicht wegzudenken. So feierte Bischof Dr. Bertram Meier gemeinsam mit rund 200 Priestern und Diakonen aus allen Dekanaten sowie den Weihbischöfen, dem Domkapitel und zahlreichen Gläubigen an diesem Mittwoch die Chrisammesse. Im Gottesdienst erneuerten die anwesenden Priester ihre Bereitschaft zum priesterlichen Dienst. Mit den Worten des Bischofs sei die Erneuerung des Weiheversprechens „keine Pflichtübung, sondern eine Liebeserklärung an den, dem wir unsere Berufung verdanken“.

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Chrisammesse im Hohen Dom zu Augsburg (Foto Nicolas Schnall pba)

In seiner Predigt rief Bischof Bertram die Seelsorger an der Basis dazu auf, Herz zu zeigen, sich unter die Menschen zu mischen und Koalitionen zu bilden: „Klopft an die Türen der Landratsämter und Rathäuser, seid nahe bei den Vereinen, besucht Stammtische und Kaffeekränzchen über den kirchlichen Tellerrand hinaus! Knüpft Kontakte zu Politikern und Honoratioren! Jetzt ist die Zeit, neu anzufangen.“ Neben den neugewählten Pfarrgemeinderäten als wichtige Partner empfahl er seinen Priestern und Diakonen in den Redaktionsstuben der Lokalzeitungen vorbeizuschauen, Themen zu setzen und dafür zu sorgen, dass über das viele Gute, das in den Pfarreien geschieht, auch berichtet werde.

Für diejenigen, die den Eindruck haben, ihr Einsatzort ähnele eher dem Steinbruch als dem Weinberg des Herrn hatte der Bischof einen Ratschlag parat: „Ihr müsst nichts Neues tun, Ihr sollt vielmehr in ganz neuer Weise sein! Wichtiger als das, was wir tun, ist das, was wir sind.“ Weihrauchschwaden und edles Aftershave in den Pfarrbüros allein seien keine Garantie dafür, „Christi Wohlgeruch“ zu sein, so Bischof Bertram. Als ein „wohlriechendes“ Beispiel nannte er einmal mehr den Jesuitenpater Rupert Mayer, der überzeugend gelebtes Christentum wie folgt beschrieb: „Es muss Wärme von uns ausgehen, den Menschen muss es in unserer Nähe wohl sein, und sie müssen fühlen, dass der Grund dazu in unserer Verbindung mit Gott liegt“.

Unter dem Anspruch „Christi Wohlgeruch“ zu sein, stünde unser Sein und unsere Sendung, betonte Bischof Bertram. „Das Sein kommt vor dem Tun, das Mysterium vor der Aktion, die Evangelisation vor der Administration, das geistliche Leben vor der Bürokratie.“ Diese Priorität habe sich in der Wahrnehmung des Bischofs umgekehrt und verschoben. Die eigentliche Dienstleistung habe sich aufgeschwungen, das Zepter zu schwingen über das kirchliche Leben, bemängelte er und stellte die Fragen in den Raum, was die katholische Kirche eigentlich ausmache und was der Kern von Glaubens- und Morallehre sei. „Die Leute erwarten von uns weniger eine perfekte Verwaltung, dafür mehr seelsorgerliche Begleitung. Enttäuschen wir sie nicht!“

Er dankte allen, die in den vergangenen beiden Jahren der Corona-Pandemie in der Seelsorge nicht geschlafen haben, sondern wachgeblieben sind mit der einen Frage: „Wie können wir Jesus und seinem Evangelium Kanäle öffnen zu den Menschen, die mehr brauchen als nur innerkirchliche Debatten um Strukturen, die ein Wort des Trostes und der Ermutigung wünschen, die hungern nach dem Brot des Lebens, das nicht altbacken wird und Wegproviant ist für das Ewige Leben?“ Gerade jetzt, wenn das öffentlich-kirchliche Leben wiedererwache und wir als Kirche auch gesellschaftlich gefordert würden, wünsche der Bischof sich, dass wir uns an der einen oder anderen Stelle doch auch wieder aus dem Dornröschenschlaf wachküssen ließen. Jesus Christus sei der „Prinz“, der möchte, dass die Kirche neu auflebe.

Die Priester und Diakone ermutigte der Bischof, das bei der Weihe abgelegte persönliche Versprechen des „Ich bin bereit“ an diesem Tag voreinander und miteinander zu erneuern. „Baut es nicht auf, dass wir gerade heute bei der Chrisammesse hautnah spüren dürfen: Ich bin mit meiner Berufung nicht allein. Neben mir stehen noch andere in der gleichen Reihe. Ich wünsche mir, dass Ihr nicht nur bei diesem Anlass so eng zusammensteht, sondern auch in den alltäglichen Sorgen und Belastungen Eures Dienstes zueinandersteht, einander beisteht und als aufmerksame und feinfühlige Brüder aufeinander Acht gebt.“

Im Anschluss an die Predigt und die Erneuerung der Bereitschaft zum priesterlichen Dienst weihte Bischof Bertram die Öle, die dazu in großen Behältnissen in einer Prozession in den Altarraum getragen wurden: Das Katechumenenöl brachten Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem zum Altar, das Krankenöl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinikseelsorge und das Chrisamöl schließlich zwei Ständige Diakone. Im Anschluss an die Chrisam-Messe wurden die heiligen Öle, insgesamt waren es 100 Liter, in kleinere Gefäße abgefüllt, versiegelt und an Frauen und Männer aus den einzelnen Dekanaten verteilt. An sie gerichtet sagte der Bischof: „Bringen wir nicht nur das duftende Öl in verschlossenen Koffern! Öffnen wir unsere Herzen für Christus, damit wir selbst Boten des Herrn werden, die seinen Wohlgeruch verbreiten, den Duft der Wahrheit, des Lebens und der Liebe.“

Musikalisch gestaltet wurde die Chrisammesse, die live auf der Bistumsseite und bei katholisch1.tv gestreamt und von K-TV im Fernsehen übertragen wurde, vom Karl-Kraft-Chor der Augsburger Domsingknaben und von Instrumentalisten des Domorchesters. Der Chor unter der Leitung von Domkantor Dr. Julian Müller-Henneberg sang die Missa Majestas Domini von Karl Kraft (1903-1978).

Bei der Chrisammesse weiht der Bischof für das Bistum Augsburg den Chrisam, das Katechumenenöl und das Krankenöl. Chrisam wird bei der Taufe, der Firmung, der Priester- und der Bischofsweihe verwendet sowie bei der Altarweihe und der Glockenweihe. Mit dem Katechumenenöl werden die Taufbewerberinnen und Taufbewerber (Katechumenen) auf den Empfang der Taufe vorbereitet. Mit dem Krankenöl werden bei der Spendung des Sakraments der Krankensalbung die Kranken durch den Priester gesalbt, um sie zu stärken.

pba