Conti-Chef will alle Investitionen prüfen und gezielter steuern

Der neue Vorstandschef von Continental, Nikolai Setzer, setzt erste Akzente beim kriselnden Autozulieferer. „Wir werden alle Investitionen prüfen und gezielter steuern“, sagte er dem „Handelsblatt“ (Donnerstagsausgabe). Der Manager, der den DAX-Konzern seit dem 1. Dezember führt, will das Kapital verstärkt in die Bereiche lenken, in denen er die größten Marktpotenziale sieht. Dazu zählt unter anderem das automatisierte Fahren, Software und neue Fahrzeugarchitekturen mit Hochleistungsrechnern. Die Mittel, um in die Wachstumsfelder investieren zu können, sollen aus ertragsstarken Bereichen wie dem europäischen Reifengeschäft und dem Geschäft mit traditionellen Autokomponenten, etwa Bremsen oder Bediensystemen, kommen. Mit dieser zweigeteilten Strategie will der Continental-Chef es schaffen, dass das Unternehmen aus eigener Kraft mittelfristig um durchschnittlich rund fünf bis acht Prozent pro Jahr wächst.

Beim bereinigten operativen Ergebnis (Ebit) peilt Setzer in absehbarer Zeit eine Marge auf Konzernebene zwischen rund acht und elf Prozent sowie eine Rendite auf das eingesetzte Kapital von rund 15 bis 20 Prozent an. 2019 waren sowohl das organische Wachstum als auch die Kapitalrendite mit minus 2,6 und minus 1,0 Prozent negativ. Die bereinigte Ebit-Marge lag bei 7,4 Prozent. In den vergangenen zwei Jahren war Continental zunehmend unter Druck geraten.

Im September wurde das Sparprogramm verschärft, bis zu 13.000 Arbeitsplätze in Deutschland sind gefährdet. Die IG Metall hat die Verhandlungen mit dem Vorstand beendet und organisiert Warnstreiks. „Wir bedauern es, dass die IG Metall die Gespräche auf übergeordneter Ebene ausgesetzt hat. Aber unsere Hand ist ausgestreckt, wir sind nach wie vor zu weiteren Gesprächen und Verhandlungen bereit“, sagte der Continental-Chef.

Eine möglicherweise weitere Verschärfung des Sparprogramms schließt Setzer nicht aus. „Wir haben im September kommuniziert, dass alle nach derzeitigem Stand im Strukturprogramm vorgesehenen, durch den Aufsichtsrat zustimmungspflichtigen, vergleichbaren Strukturmaßnahmen beschlossen sind“, sagte er, schränkt aber ein: „Dies schließt mögliche und im Programm vorgesehene zustimmungspflichtige Veräußerungen von einzelnen Geschäfts- und Teilsegmenten nicht mit ein.“