Corona | Virologe Alexander Kekulé sieht neue Hinweise für Laborunfall

Der Hallenser Virologe Alexander Kekulé sieht neue Hinweise darauf, dass das Coronavirus doch auf einen Laborunfall in Wuhan zurückzuführen sein könnte. Er habe diese Möglichkeit nie ausgeschlossen und er schließe das auch weiterhin nicht aus. Im Gegenteil. „Mein Unwohlsein bezüglich der Möglichkeit, dass es auch ein Laborunfall gewesen sein könnte, ist eher stärker geworden“, sagte Kekulé der Nachrichtenseite ntv.de.

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Symbol-Bild von jacqueline macou auf Pixabay

Bisher habe er die Labor-Hypothese immer etwas abgetan, so der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle. Sein Argument sei gewesen: „Sowas kann sich kein Dr. Mabuse ausgedacht haben.“ Das Virus habe einige besondere Eigenschaften, die so exotisch seien, dass sie nur aus der Natur kommen könnten.

„Jetzt lese ich aber in dem Antrag von Peter Daszak, dass er genau das machen wollte. Die US-Behörden haben ihm kein Geld dafür gegeben, weil sie gesagt haben, das ist zu gefährlich“, erklärt Kekulé. Denn Daszak, ein britisch-amerikanischer Epidemiologe, spezialisiert auf Infektionskrankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden, habe genetische Veränderungen an Coronaviren aus Fledermäusen vornehmen wollen. Zwar sei der Förderantrag abgelehnt worden. Daszak habe zu dem Zeitpunkt aber eng mit Wissenschaftlern aus Wuhan kooperiert. Und in dem eingereichten Antrag stehe sogar, dass Daszak seine Forschung auf Basis der Corona-Isolate aus Wuhan, die sie dort aus Fledermäusen gewonnen haben, durchführen wolle.

Ob aber die geplanten Forschungen im chinesischen Wuhan dennoch stattgefunden hätten, könne er natürlich nicht sagen, so Kekulé: „Es ist so: Sie haben zwar keine Smoking Gun, aber sie haben einen Brief des Gärtners, der geschrieben hat, ich nehme jetzt folgende Pistole, lade folgende Munition und erschieße dann den Hausherrn. Dann liegt der Hausherr tot auf dem Boden, erschossen mit genau diesem Kaliber. Und Sie sagen, der Mörder war aber nicht der Gärtner.“

Kekulé rechnet, trotz der neuen Untersuchungen der WHO, nicht damit, dass man jemals rausbekommt, wie das Coronavirus entstanden ist. „Ich glaube, man wird es nie rausfinden. Ich denke sogar, das ist im Sinne der Sache letztlich gar nicht so schlimm.“ Schließlich brauche der Westen die Chinesen, um den nächsten Ausbruch zu verhindern. Wir müssten gemeinsam mit ihnen erforschen, wie Coronaviren und andere Erreger vom Tierreich auf den Menschen überspringen können und die Welt brauche Transparenz, was in chinesischen Biolaboren gemacht würde. Da sei es zielführender, „niemand an den Pranger“ zu stellen, so Kekulé. „Ich würde die Chinesen mit Vorwürfen in Ruhe lassen. Gerade wenn es ein Laborunfall war, wird Peking mit allen Mitteln verhindern, dass sich so etwas wiederholt.“

Zwar wäre es wissenschaftlich sehr spannend, den genauen Ursprung des Coronavirus zu kennen. Doch die Weltgemeinschaft müsse ohnehin gegen beide diskutierten Quellen des Coronavirus vorgehen. „Bereits jetzt gibt es zwei plausible Möglichkeiten, wie die Pandemie entstanden sein könnte. Meine Lieblingstheorie war und ist nach wie vor, dass das Virus aus der Pelzproduktion stammt. Es ist aber auch möglich, dass es ein Laborunfall war“, so Kekulé. Damit sei klar, was die Welt tun müsse, um die nächste Pandemie zu verhindern. „Wir müssen erstens Wild- und Nutztiere mit Kontakt zum Menschen systematisch überwachen. Zweitens brauchen wir ein Frühwarnsystem zur Erkennung ungewöhnlicher Seuchenausbrüche beim Menschen. Drittens müssen wir biologische Labore besser kontrollieren. Diese Forderungen gab es, auch von mir, schon lange vor der aktuellen Pandemie. Ich hoffe sehr, dass die Weltgemeinschaft das Thema jetzt endlich ernst nimmt.“, so der Hallenser Virologe.