DAAD-Präsident will wissenschaftlichen Austausch mit weniger Flügen

Der Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Joybrato Mukherjee, sieht den internationalen Austausch zwischen Wissenschaftlern und Studenten vor gravierenden Veränderungen. „Die Coronakrise unterstreicht etwas, was wir ohnehin bereits wissen“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Samstagausgaben). „In Zeiten des Klimawandels kann internationaler Austausch – auch in der Wissenschaft – nicht im Wesentlichen daraus bestehen, dass man sich immer häufiger ins Flugzeug setzt und entweder Dutzende Forschende aus aller Welt sich physisch treffen oder immer mehr Studierende um die Welt reisen.“

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Die Wissenschaft lege überzeugend dar, dass der Kampf gegen den Klimawandel überlebenswichtig ist. „Dann müssen wir als Wissenschaft aber auch unseren Beitrag leisten“, sagte der DAAD-Präsident. Digitale Konferenzen und virtuelle Formate seien auf dem Vormarsch.

„Diese Entwicklung wird durch Corona noch einmal einen riesigen Schub bekommen“, sagte Mukherjee. „Die Erfahrungen heute zeigen doch, dass vieles geht.“ Die Dringlichkeit, digitale Lösungen auch umzusetzen, werde durch die Pandemie noch einmal erhöht. „Im Sommersemester wird es faktisch keinen physischen Erasmus-Austausch geben.“

Da die Erasmus-Ausschreibungen mehrjährig seien, bestehe die Möglichkeit, die Studenten, die eigentlich jetzt ins Ausland wollten, auch 2021 zusätzlich zu fördern. „Die Hochschulen müssen zudem mit Hochdruck daran arbeiten, mithilfe von digitalen Formaten so viel Austausch wie möglich anzubieten.“ Auf längere Sicht könne sich der Studentenaustausch grundlegend verändern. „Ein virtuelles Auslandssemester ist nicht Science-Fiction, auch wenn es sich vielleicht so anhört“, sagte Mukherjee.

„Es ist doch nicht ausgeschlossen, dass wir bei der rapiden technischen Entwicklung in 2030, 2040 oder 2050 tatsächlich vollständig virtuelle Auslandssemester haben werden.“ Ein Student „würde sich dann beispielweise in virtuellen Umgebungen so bewegen, dass er den Eindruck hat, mit realen Menschen in einem anderen Land zu kommunizieren und so auch interkulturelle Erfahrungen zu sammeln“. Der Student erlebe das so, als wäre er in Buenos Aires oder Barcelona. „Aber er müsste nicht hinfliegen.“