Das „Fugger und Welser Erlebnismuseum“ – ein altes, neues Haus für Augsburgs große Kaufmannsfamilien öffnet seine Türen

Am Samstag, den 27. September, wird das Augsburger „Fugger und Welser Erlebnismuseum“ im Wieselhaus mit einem Festakt im Goldenen Saal und einem Tag der offenen Tür eröffnet. Ab 11 Uhr lädt das neue Museum im Domviertel ein. Der Eintritt ist frei, ins Haus dürfen allerdings immer nur maximal 180 Besucher auf einmal. Zum kostenlosen Programm gehören Schauspielerführungen: Jakob Fugger „der Reiche“ und Bartholomäus V. Welser begleiten ihre Gäste „höchstpersönlich“.

2014-09-26-Fugger_Welser-–-40 Das „Fugger und Welser Erlebnismuseum“ – ein altes, neues Haus für Augsburgs große Kaufmannsfamilien öffnet seine Türen Bildergalerien Freizeit Fugger- und Welser Erlebnismuseum Regio Augsburg Tourismus Wieselhauses | Presse Augsburg
In der Goldenen Schreibstube der Fugger kann man sogar ein Gespräch vefolgen. | Foto: Wolfgang Czech

Endlich gibt es in Augsburg ein Museum für jene beiden Familien, die Augsburg im goldenen Zeitalter der Renaissance prägten – die Fugger und Welser. Im sanierten Wieselhaus eröffnet am 27. September das von der Regio Augsburg Tourismus GmbH betriebene „Fugger und Welser Erlebnismuseum“. Neben der Geschichte der Fugger und Welser beleuchtet das Museum im Äußeren Pfaffengässchen vor allem die wirtschaftlichen Beziehungen der bedeutendsten Augsburger Kaufmannsfamilien des späten 15. und des 16. Jahrhunderts. Weitere Themen sind ihre gesellschaftlichen Netzwerke, Kommunikationsstrukturen und Handelsbeziehungen sowie ihre Rolle bei der beginnenden Globalisierung. Im Mittelpunkt steht die Frage nach den Erfolgsfaktoren, welche die Fugger und Welser reich werden ließen und ihnen am Ende einen Platz in den Geschichtsbüchern sicherten.

Interaktive Erlebnisse: der Name ist Programm
Der Name des (Erlebnis-)Museums ist Programm: Modernste Museumstechnik sorgt dafür, dass die Geschichte der beiden Familien, Augsburgs sowie wichtiger Handelszentren und Handelswege erlebbar wird. Textstelen präsentieren – leicht verständlich und mit vielen Bildern – wissenschaftlich fundiert historische Fakten. Erzählt wird, wie die Fugger und Welser (neben anderen Augsburger Handelshäusern) durch Baumwoll- und Barchenthandel reich wurden und als Montanunternehmer agierten, zu Bankiers für Kaiser, Könige und Päpste wurden und Handelsexpeditionen nach Indien und Südamerika finanzierten.

Ergänzt werden die Texte durch zahlreiche interaktive, multimediale Erlebnisstationen, bei denen Anfassen ausdrücklich erwünscht ist. Ein paar Beispiele: In einem Nachbau der Goldenen Schreibstube belauschen Besucher die Kaufherren Jakob Fugger „den Reichen“ und Bartholomäus V. Welser bei einer Geschäftsbesprechung. Die beiden Protagonisten bewegen sich dabei wie lebendig durch den Raum. Lebendig werden auch die Figuren eines Gemäldes beim Augsburger Geschlechtertanz: Die High Society des 16. Jahrhunderts unterhält sich nicht nur über die neuesten Tanzschritte aus Italien, sondern klatscht und tratscht freiherzig über Politik und Religion. Mithilfe interaktiver Computertechnik gehen Besucher an einem Handelstisch als Kapitän, Matrose oder Pirat auf Seereise und trotzen Stürmen und Seeungeheuern. Ein „Entdeckerguckkasten“ entführt in die damals gerade entdeckte „Neue Welt“ und macht mit den „new gefunden mensch“ und mit El Dorado bekannt.

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Ein lebendiges Buch…| Foto: Wolfgang Czech

Brücken in die Gegenwart
Die Erlebnisstationen werden durch RFID-Chips in Pfeffersäckchen ausgelöst: Die Besucher erhalten sie am Eingang. Damit können außerdem die Texte der Stationen von Deutsch auf Englisch umgestellt werden. Dass auch Augsburgs internationales Publikum einen Zugang zu den Inhalten findet, ist ein wichtiger Bestandteil der zweisprachigen Museumskonzeption. Ein anderes zentrales Anliegen ist es – so Tourismusdirektor Götz Beck –, nicht nur Augsburgs ruhmreiche Vergangenheit zu beleuchten, sondern auch aktuelle Bezüge zur heutigen Zeit darzustellen. So erfahren Besucher zum Beispiel nicht nur, unter welchen Bedingungen Bergknappen und ihre Frauen und Kinder im 16. Jahrhundert lebten und arbeiteten, sondern auch etwas über die aktuelle Situation in Bolivien, wo heute wertvolle Rohstoffe wie Zink für Batterien, Karosserien oder Salben oder andernorts Tantal und Wolfram für Elektronikgeräte gewonnen werden. Auch andere kritische Themen – wie den Sklavenhandel oder den Umgang der Europäer mit der indigenen Bevölkerung in Südamerika – greift das Museum auf. So wird Wirtschaftsgeschichte aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet: Der Blick richtet sich nicht nur auf Reichtum und Erfolg, sondern auch auf deren Kehrseite. „Dass hier kein unkritisches Museum entsteht, hat uns der Kulturausschuss der Stadt Augsburg ausdrücklich als Auftrag mitgegeben“, sagt Götz Beck, der Initiator des neues Hauses.

Spezielle Angebote für Kinder
„Das Fugger und Welser Erlebnismuseum“ wendet sich mit speziellen Angeboten auch an junge Besucher. Die Pfeffersäckchen halten für Kinder eine Überraschung parat. Und mit dem Handelsbuch, das alle Kinder beim Eintritt bekommen, können sie das Haus auf eigene Faust erkunden, spannende Entdeckungen machen und knifflige Aufgaben lösen. Außerdem sind Kinder auch im Führungsangebot der Regio Augsburg Tourismus GmbH eine Zielgruppe: Neben Führungen für Erwachsene, bei denen man Jakob Fugger, Bartholomäus V. Welser und anderen Zeitzeugen „live“ begegnet, wurden museumspädagogische Angebote für die jungen Besucher konzipiert. Beim Tag der offenen Tür am 27. September sind auch diese kostenlos zu erleben.

Die wechselvolle Geschichte des Wieselhauses
Der Name Wieselhaus leitet sich von einem ehemaligen Bewohner des Anwesens her: Von 1637 bis 1642 lebte und arbeitete der Optiker Johann Wiesel in dem um 1530 erbauten Renaissancehaus. Johann Wiesel selbst fertigte nicht nur Brillen an, sondern entwickelte ebenso astronomische Fernrohre und Mikroskope. Seine Produkte wurden an Wissenschaftler, Fürsten- und Königshäuser in ganz Europa geschickt. Der Biografie Wiesels und der Geschichte des Hauses ist ein eigener Bereich im Museum gewidmet.

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Das Augsburger Wieselhaus ist die Heimat des neue Museums. | Foto: Wolfgang Czech

Irgendwann im 17. Jahrhundert wurden die renaissancetypischen Arkaden vermauert. Im Zuge der Sanierung wurden sie wieder geöffnet und verglast. Heute strömt wieder Licht durchs Haus und sorgt dafür, dass das ursprüngliche italienische Flair wieder zu spüren ist. Ob einst auch ein Welser Besitzer des Hauses war, ist unklar. Jedenfalls hat 1583 der Augsburger Humanist, Historiker und Verleger Markus Welser den Garten neben dem Anwesen, den heutigen „Stephansgarten“, erworben. Dort ist dem Humanisten jetzt eine Tafel in den Beeten mit seltenen Kräutern und Pflanzen gewidmet – ebenso wie der kräuterkundigen Philippine Welser und dem gelehrten Arzt Leonhart Rauwolff.

Viele Sponsoren, viele Macher
Dass das Wieselhaus mit dem „Fugger und Welser Erlebnismuseum“ im heutigen Glanz erstrahlt, ist der Idee des Tourismusdirektors Götz Beck zu verdanken: Die Regio Augsburg Tourismus GmbH betreibt nun auch das Museum. Bei der Verwirklichung wurde Beck maßgeblich durch Gerd Mordstein, den damaligen Leiter des städtischen Wohnungs- und Stiftungsamts, unterstützt. Die Sanierung durch das Büro Schrammel Architekten wie die Gestaltung des Museums ermöglichten zahlreiche Fördergeber, Unterstützer und Sponsoren.

Seit Juni 2014 beriet der Münchner Wirtschaftshistoriker und Welserexperte Dr. Peter Geffcken wissenschaftlich bei der Erstellung der Texte zur Geschichte auf den Ausstellungsstelen. Ebenfalls seit Juni wurden diese Texte von Verleger Martin Kluger (context verlag Augsburg), der sich mit zwei Museen in der Fuggerei und sieben Büchern zum Thema Fugger in die Materie eingearbeitet hat, konzipiert und verfasst. Das seit einigen Jahren erarbeitete gestalterische Konzept des Museums stammt von Designer Ilja Sallacz (Liquid, Agentur für Gestaltung), die Ausstattung übernahm Ullrich Styra (Deko+Design), für die interaktive Ausstellungstechnik zeichnet der Kemptener Historiker und Informatiker Dr. Maximilian Kalus (Auxnet) verantwortlich. Mit dem Interesse der Fugger und Welser an der Musik der Renaissance befassten Prof. Johannes Hoyer und Stefanie Bilmayer-Frank.

2014-09-26-Fugger_Welser-–-15 Das „Fugger und Welser Erlebnismuseum“ – ein altes, neues Haus für Augsburgs große Kaufmannsfamilien öffnet seine Türen Bildergalerien Freizeit Fugger- und Welser Erlebnismuseum Regio Augsburg Tourismus Wieselhauses | Presse Augsburg
Foto: Wolfgang Czech

Besucherinformationen

Adresse
Fugger und Welser Erlebnismuseum
Augsburg, Äußeres Pfaffengässchen 23
www.fugger-und-welser-museum.de

Öffnungszeiten
dienstags bis sonntags und feiertags 10 – 17 Uhr

Eintrittspreise
Regulär: 5 Euro p.P.
Ermäßigt (Schüler, Studierende, Behinderte, Gruppen): 4 Euro p.P.
Schülergruppen (eine Lehrkraft frei): 2,50 Euro p.P.
Familienkarte/Eltern mit Kindern (Kinder unter 7 Jahren frei): 10 Euro

Kontakt
Telefon: 0821/5 02 07-0
www.fugger-und-welser-museum.de

Presse Augsburg-Fotograf Wolfgang Czech hat bereits einen ersten Blick in das Erlebnismuseum geworfen.

Bildergalerie zur Eröffnungsfeier im Goldenen Saal und zum Tag der offenen Türe