Organisiertes Betteln in Augsburg | Verlagert sich das Problem jetzt auf die Stadtteile?

Immer mehr und immer besser organisierte Bettlergruppen hatten sich in den vergangenen Monaten in der Augsburger Innenstadt ihr Betätigungsfeld gesucht. Vor einigen Wochen hatte der Stadtrat deshalb eine Verbotszone beschlossen. Ordnungsreferent Dirk Wurm zeigt sich über das Ergebnis zufrieden.

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Symbolbild

Seit einigen Monaten hatten sich immer mehr zumeist organisierte Bettlergruppen, vornehmlich aus dem ehemaligen Ostblock und den Balkanregionen, in der Augsburger Innenstadt betätigt. Vor allem die im Volksmund „Sing-Sang-Muttis“ genannten singenden älteren Damen, Menschen mit körperlichen Handicaps und Frauen mit Kindern waren hier zu Werke. Teilweise wurde nicht nur stumm, sondern auch vehement fordernd nach Geld gebettelt. Als die Anzahl der Bettler immer größer wurden und die Klagen in der Bevölkerung immer mehr zugenommen hatten, beschloss der Stadtrat dagegen vorzugehen.

Eine Verbotszone für den Innenstadtbereich wurde vereinbart. „90 % der Szene haben wir so aus der Stadt gebracht.“, ist Ordnungsreferent Dirk Wurm mit dem Ergebnis zufrieden. Das „Geschäftsmodell“ sei jetzt weniger attraktiv für die Bettler und ihre Hintermänner. Der städtische Ordnungsdienst hat den Auftrag die Bettler anzusprechen und sie aus der Verbotszone zu verweisen, ggf. heraus zu eskortieren. In dem ein oder anderen Fall sei auch die Polizei bereits zur Unterstützung angefordert worden. Seit dies so geschieht, hat die Anzahl der Bettler im Innenstadtbereich deutlich nachgelassen. „Auch bei den zur Zeit reichlich anwesenden Straßenkünstlern haben wir den Verdacht, dass es ich hier um organisierte Gruppen mit Hintermännern handelt. Dies beobachten wir sehr genau.“ Wurm weiß, dass hier ggf. weitere Maßnahmen möglich sein könnten.

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Wurm: „90 % der Szene haben wir so aus der Stadt gebracht.“ | Foto: Wolfgang Czech

In der Vergangenheit wurden die Bettlergruppen von den Hintermännern mit Kleinbussen an den Hauptbahnhof gebracht, von dort zogen sie in ihre „Reviere“. Doch auch am Bahnhof wird inzwischen verstärkt Streife gelaufen und die entsprechenden Personen direkt angesprochen und auf das Verbot hingewiesen.

Seit in der Innenstadt das Betteln und Hausieren durch die Verbotszone schwieriger wurde, zogen die Vertriebenen vermehrt in die Stadtteile außerhalb der Bannmeile weiter. In Einkaufsstraßen, wie der Augsburger Straße in Pfersee oder an der Ackermann-Straße sitzen sie nun vor Supermärkten mit einem Becher und manchmal einem Foto von einem kleinen Kind in der Hand da und hoffen auf die ein oder andere Münze. Sie sprechen die Passanten nur selten direkt an, denn dies würde ihnen als aggressives Betteln ausgelegt. „Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs müssen wir das stille Betteln tolerieren.“, so Wurm.

Immer wieder fühlen sich gerade ältere Büger aber unsicher, wenn ein Bettler in ihrem Laufweg sitzt und machen lieber einen großen Bogen um die Stellen. Wurm hat gegenüber Presse Augsburg angekündigt, dass man deshalb sehr wohl auch ein Auge auf die Stadtteile haben wird. Der städtische Ordnungsdienst wird auch hier Streife laufen und die Bettler darauf aufmerksam machen, dass dies nicht gewünscht wird. Auf Privatgrundstücken wie beim Nahversorgungszentrum an der Ackermann-Straße geht dies nicht. Als Privatgrundstück sind hier die Eigentümer bzw. Pächter selbst in der Verantwortung. Sie müssen entscheiden, ob sie dies tolerieren wollen oder nicht.

Hier kann aufgrund des Hausrechts ein Platzverweis ausgesprochen werden und ggf. die Polizei zur Unterstützung gerufen werden.