Das sind die Pontifikal-Insignien des neuen Bischofs von Augsburg

„Pontifikalien“ werden die Amtsabzeichen (Insignien) genannt, die dem Bischof und anderen Würdenträgern mit eigener Jurisdiktion wie zum Beispiel Äbten vorbehalten sind. Das „Zeremonienbuch für die Bischöfe“, das die bischöfliche Liturgie ordnet, nennt als Pontifikal-Insignien des Bischofs den (Hirten-)Stab, die Mitra, den Ring und das Brustkreuz.Unbenannt 8

Der Hirtenstab

Der Stab als Zeichen der Jurisdiktion ist seit dem 7. Jh. bekannt und wird bei allen Pontifikalhandlungen gebraucht. Bei der Bischofsweihe wird der Stab als Zeichen des Hirtenamtes übergeben. Der Bischof, der die Weihehandlung leitet, spricht dabei: „Ich übergebe dir diesen Stab als Zeichen des Hirtenamtes. Trage Sorge für die ganze Herde Christi; denn der Heilige Geist hat dich zum Bischof bestellt, die Kirche Gottes zu leiten.“

Bischofsstab Bischof Dr. Bertram Meier Foto Suv
Bischofsstab Bischof Dr. Bertram Meier_(Foto SUV)

Den Hirtenstab von Bischof Bertram hat David Wöhrl gestaltet. Er arbeitet an der Meisterwerkstätte Ulrich Dochtermann in Augsburg in sechster Generation als Silberschmied und wird dort in diesem Jahr seine Gesellenprüfung ablegen. Auf den aus Wengen- und Nussbaumholz gefertigten Stab ist eine Krümme aus partiell vergoldetem Silber gesetzt, die wiederum mit drei verschiedenfarbigen Steinen geschmückt ist. Diese stammen aus Füssen, der Wolfzahnau bei Augsburg und Kaufering, drei Orten am Lech. Sie stehen für die drei heiligen Bistumspatrone Ulrich, Afra und Simpert, die wiederum alle in ihren Heiligenviten einen besonderen Bezug zum Lech aufweisen. Der Fluss entspringt in den Alpen und durchquert nahezu das ganze Bistum von Süd nach Nord. Auch Bischof Bertram ist in Kaufering an seinem Ufer aufgewachsen. Über den drei Steinen ist der Wahlspruch des Bischofs angebracht: „VOX VERBI VAS GRATIAE“, zu Deutsch: „Stimme des Wortes, Schale der Gnade“.

Die Mitra

Die Mitra ist die Kopfbedeckung, die der Bischof bei der Feier der Liturgie trägt. Vermutlich entstand sie aus einer Kappe, die zum Ornat der Würdenträger im Römischen Reich gehörte. Zuerst nur für den römischen Bischof bezeugt, wird sie seit der Mitte des 11. Jahrhunderts vom Papst auch anderen Bischöfen sowie Äbten und Kardinälen zugestanden. Sie wird bei der Weihehandlung mit den Worten überreicht: „Die Mitra sei ein Zeichen deines Amtes. Der Glanz der Heiligkeit sei dein Schmuck. Und wenn dann der Hirt aller Hirten erscheint, wirst du den nie verwelkenden Kranz der Herrlichkeit empfangen.“

Für die Weihe wurde keine eigene Mitra angefertigt, sondern auf ein Stück aus der Domsakristei zurückgegriffen. Diese Mitra wurde in den sechziger Jahren von der Künstlerin Sr. Animata Probst OSF, einer Dillinger Franziskanerin, gefertigt; sie stammt vom früheren Augsburger Bischof Josef Stimpfle. Die Mitra zeigt ein ganzes Bilderprogramm mit Heiligen des Bistums und der franziskanischen Familie. Gekrönt wird die Mitra von einer Mariendarstellung mit Christus im Herzen, in der Orthodoxie das klassische Motiv der „Muttergottes vom Zeichen“: Maria steht in Orante-Haltung mit ausgebreiteten Armen, während Jesus seine Hände zum Segen ausstreckt. Zugleich kann dies als Anspielung auf die Muttergottes als Mutter der Kirche gedeutet werden: Der Dom und die Diözese stehen unter dem besonderen Schutz Mariens. Die Heiligen auf der Vorderseite sind (von links nach rechts): Ulrich, Petrus, Paulus und Petrus Canisius; auf der Rückseite (von links nach rechts) finden sich Nepomuk, Elisabeth von Thüringen, Isabella von Longchamp (Frankreich) und Magnus.

Passend zu seinem Primizgewand, das vor 35 Jahren in Dillingen angefertigt wurde, und einer Kasel mit Sternen als Geschenk der Franziskanerinnen von Maria Stern zum Silbernen Priesterjubiläum im Jahr 2010 hat Bischof Bertram in der Zisterzienserinnenabtei Thyrnau bei Passau eine eigene Mitra anfertigen lassen, die er in Zukunft tragen wird. Neben den drei Bistumspatronen Ulrich, Afra und Simpert zeigt sie auch die heilige Crescentia von Kaufbeuren, die 2001 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde. Sie wird mit Briefpapier und Tintenfass dargestellt, was auf Crescentias weit verzweigte Briefpastoral, aber auch auf den Primizspruch von Bischof Bertram hinweist: „Unverkennbar seid ihr ein Brief Christi, geschrieben nicht mit Tinte, sondern durch das Wirken des Heiligen Geistes.“ (2 Kor 3,3) Die Mitra wird strukturiert vom Motiv eines (mit Korallen besetzten) Gemmenkreuzes, wie es aus römischen Basiliken bekannt ist.