Der bayerisch-schwäbische Einzelhandel in der Grenzregion zu Baden-Württemberg muss mit Nachteilen kämpfen

Ab kommenden Montag dürfen bayerisch-schwäbische Einzelhändler mit weniger als 800 m² Verkaufsfläche ihre Geschäfte wieder öffnen – verbunden mit strengen Hygienemaßnahmen. „Was auf den ersten Blick wie eine gute Nachricht klingt, erweist sich für viele Einzelhändler besonders an der Grenze zu Baden-Württemberg als echter Nachteil, denn ihre baden-württembergischen Wettbewerber durften bereits diesen Montag öffnen“, kommentiert Dr. Marc Lucassen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben, den ersten Schritt in eine neue Normalität. Daher baut die IHK Schwaben darauf, dass das morgige Treffen der Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und Dr. Markus Söder zu einem weitgehenden Einklang beim Re-Start führt.

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Bereits während der Zeit des Shutdowns zeigte sich die Landesregierung im Nachbarland großzügiger als ihr bayerisches Pendant. Und dies trotz in Teilen vergleichbarer Infektionszahlen. So hatten beispielsweise die Bau- und Gartenmärkte jenseits der Landesgrenze weiterhin offen. Ärgerlich für die heimischen Händler, die ihre Kunden Richtung Baden-Württemberg ziehen lassen mussten. Ein Trend, der sich nun mit den unterschiedlichen Öffnungsterminen für den kleineren und mittleren Einzelhandel fortgesetzt hat, auch wenn die strikte Auslegung der 800-m²-Regel in Bayern und Baden-Württemberg – entgegen anderer Bundesländer – im Einklang erfolgt.

Kunden kaufen eher in Ulm, als in Neu-Ulm

Der Einzelhandel ist – nicht zuletzt aufgrund der Ladenschließungen – neben dem Tourismus die am härtesten von der Corona-Krise betroffene Branche. So das Ergebnis einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) unter seinen Mitgliedsunternehmen. Rund 10.000 bayerisch-schwäbische Einzelhändler haben ihr Geschäft an der Grenze zu Baden-Württemberg. Dr. Lucassen: „Der Einzelhandel ist schwer gebeutelt. Kunden sind in großer Zahl ins Internet oder zu Wettbewerbern abgewandert, die aufgrund ihres Mischsortiments auch im Shutdown weiter verkaufen durften. Es ist daher mehr als verständlich, dass ein bayerischer Einzelhändler, der mit dem Rücken zur Wand steht, sehr sensibel auf jeden weiteren Schritt reagiert, der seine Benachteiligung weiter verstärkt – beispielsweise indem seine Kunden ihre Einkäufe in Ulm und eben nicht bei ihm in Neu-Ulm nachholen.“

Bislang ist hauptsächlich der Einzelhandel von den unterschiedlichen Geschwindigkeiten des Re-Starts betroffen. Dennoch sieht die IHK Schwaben in aktuellen Aussagen der Baden-Württembergischen Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut neues Konfliktpotential. So hat sie eine sukzessive Öffnung der Hotels und Gaststätten bereits Anfang Mai in Aussicht gestellt, während vom Bayerisches Ministerpräsidenten die Pfingstferien als Termin genannt wurde. Dr. Lucassen abschließend: „Die Achse Bayern-Baden-Württemberg hat sich in den letzten Jahren gerade auch bei wirtschaftlichen Themen als sehr stark und lösungsorientiert erwiesen – gerade wegen der vergleichbaren Wirtschaftsstruktur beider Bundesländer ein wichtiges Plus. Daher sind wir davon überzeugt, dass auch in der Corona-Krise Lösungen gefunden werden können, die sowohl dem Gesundheitsschutz gerecht werden, als auch die Wirtschaft fördern und gleichzeitig die Akzeptanz der Maßnahmen gewährleisten.“