Der Presse Augsburg-Adventskalender – Gedichte, Texte und Überraschungen für eine kurze Auszeit in der Vorweihnachtszeit

20. Dezember | Hektik und Stress bestimmen unseren Alltag. Von einem Termin zum nächsten hetzen, dazu alles für die Feiertage organisieren, und ja nichts vergessen. Doch wo ist sie die „staade Zeit“? Presse Augsburg lädt Sie nun ein einen kurzen Augenblick zu verweilen, mit Gedichten, Texten und Überraschungen für eine kurze Auszeit in der Vorweihnachtszeit.

Von draußen, vom Walde komm ich her; ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Überall auf den Tannenspitzen sah ich goldene Lichtlein blitzen, und droben aus dem Himmelstor sah mit großen Augen das Christkind hervor.

Und wie ich strolch‘ durch des finstern Tann, da rief’s mich mit heller Stimme an:
„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell´, heb deine Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an, das Himmelstor ist aufgetan, Alt und Jung sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn, und morgen flieg ich hinab zur Erden; denn es soll wieder Weihnachten werden!“

Ich sprach: „Oh lieber Herre Christ, meine Reise fast zu Ende ist; ich soll nur noch in diese Stadt,wo’s eitel gute Kinder hat.“

„Hast denn das Säcklein auch bei dir?“

Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hier;denn Äpfel, Nuß und Mandelkern essen fromme Kinder gern.“

„Hast denn die Rute auch bei dir?“ Ich sprach: „Die Rute, die ist hier; doch für die Kinder nur, die schlechten, die trifft sie auf den Teil den rechten!“

Christkindlein sprach: „So ist es recht; so geh mit Gott, mein treuer Knecht!“ Von draußen, vom Walde komm ich her; ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr! Nun sprecht, wie ich’s hier innen find!sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?

Theodor Storm